VW droht mit Produktionsverlagerung

VW droht mit Produktionsverlagerung

— 15.06.2006

Groschengrab Golf?

Die Rückkehr zur 35-Stunden-Woche sorgt in Wolfsburg weiter für Unruhe. Jetzt wirft der VW-Chef die Golf-Produktion in die Waagschale.

Volkswagen droht der Gewerkschaft IG Metall mit der Verlagerung der Golf-Produktion ins Ausland, falls Forderungen nach längeren Arbeitszeiten nicht erfüllt werden. "Die Alternative ist, am aktuellen Kostenniveau festzuhalten, massiv Produktion ins Ausland zu verlagern und immer mehr Komponenten von Zulieferern zu beziehen", sagte Markenvorstand Wolfgang Bernhard dem "Handelsblatt". VW hatte die Verlängerung der Arbeitszeit von jetzt 28,8 auf 35 Stunden ohne Lohnausgleich gefordert. IG Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine entgegnete: "Die unausgegorenen Forderungen von Volkswagen werden nicht dadurch besser, daß sie mit unplausiblen Gründen erneut vorgetragen werden." Schon am Montag (12. Juni) hatte Meine die Forderung nach vorgezogenen Tarifverhandlungen zurückgewiesen.

Laut Bernhard stehen beim in Wolfsburg gebauten Golf zur Zeit Investitionsentscheidungen für die nächste Generation an: "Wir wollen das Auto weiterhin in Wolfsburg bauen, das ist aber unter den derzeitigen Bedingungen wirtschaftlich nicht darstellbar", sagte er. Zur Zeit verliere VW mit jedem Golf Geld. Mit der 35-Stunden-Woche könne das wichtigste Modell des Konzerns aber im Hauptwerk zu "wettbewerbsfähigen Konditionen" gebaut werden", sagte Personalvorstand Horst Neumann.

Bernhard räumte zum ersten Mal ein, daß die Kostenprobleme des Konzerns auch auf Fehler des Managements zurückgehen: "Für unsere langen Produktionszeiten sind sowohl Schwächen bei der Konstruktion des Produkts als auch umständlich Arbeitsprozesse verantwortlich". Bei beiden Punkten seien Fortschritte erzielt worden, sagte er. Laut Bernhard kostet eine Arbeitsstunde bei VW in Westdeutschland 55 Euro, während es bei der inländischen Konkurrenz nur 40 Euro seien, im Autobau in Osteuropa nur fünf bis 10 Euro. "Wie sollen wir überleben, wenn unsere Wettbewerber aus Osteuropa heraus mit 10 Euro Stundenlohn angreifen?", fragte er. Bernhard zufolge hat VW in den sechs westdeutschen Werken im Jahr 2005 "einen dreistelligen Millionenbetrag" verloren. In den sechs westdeutschen Werken gilt seit 1994 für rund 100.000 Arbeitnehmer der VW-Haustarifvertrag, der den Beschäftigten 20 Prozent höhere Löhne als in der Metallbranche bringt.

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