VW e-Golf und Plug-in-Hybrid: Fahrbericht

VW e-Golf VW e-Golf VW Golf Plug-in-Hybrid Benzinmotor

VW e-Golf/Golf Plug-in-Hybrid: Fahrbericht

— 07.11.2013

Das Imperium lädt zurück

VW setzt den Golf unter Strom, schickt ihn im Frühjahr 2014 als Elektromobil und im Herbst als Plug-in-Hybriden los. AUTO BILD hat die Stromer schon ausprobiert.

Der elektrische Up war nur das Vorspiel. Jetzt lässt VW das Stromkabel wie ein Lasso kreisen und holt gegen Autos wie den BMW i3, den Nissan Leaf oder die Mercedes B-Klasse zum ganz großen Wurf aus: Das Imperium lädt zurück und setzt kein geringeres Auto als den Golf unter Strom. Vom  Frühjahr 2014 an gibt es Europas Nummer 1 deshalb auch als Elektromobil. Und weil in Wolfsburg keiner so recht an den ganz großen Run auf die reinen Akku-Autos glauben mag, schieben die Niedersachsen ein halbes Jahr später auch noch den Plug-in-Golf hinterher: "Emissionsfrei in der Stadt und mit fast 1000 Kilometern Reichweite trotzdem absolut langstreckentauglich vereint er das beste aus zwei Welten", sagt Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer und glaubt, dass mit einem Konzept wie diesem tatsächlich der Durchbruch zu schaffen ist.

Alle News und Tests zum VW Golf

Greift der Benzin-Motor ein, wird der Elektro-Golf zum Sportler.

An den Fahrleistungen wird es jedenfalls nicht liegen. Denn elektrisch fährt der Hybrid mit Steckdosen-Anschluss bei 109 PS und 330 Nm so gut wie jedes andere Akku-Auto: An der Ampel rennt er mit quietschenden Reifen los, schafft auch ohne Verbrenner 130 Sachen und wenn die Lithium-Ionen-Zellen im Wagenboden nach zwei bis drei Stunden Ladepause richtig voll sind, reicht der Strom für bis zu 50 Kilometer.

Die große Stärke des Plug-in-Modells ist allerdings das Zusammenspiel mit dem 150 PS starken Benziner. Nicht nur, weil der Sparer dann zum Sportler wird, mit einer Systemleistung von 204 PS und 350 Nm plötzlich so viel Laune macht wie ein GTD und zum Beispiel in 7,6 Sekunden von 0 auf 100 sprintet. Sondern weil er – wenn’s sein muss – wie ein ganz normales Auto fährt: Bei einem Aktionsradius von fast 1000 Kilometern muss niemand nach der Reichweite schauen und bei einem Spitzentempo von 217 km/h darf man es auch mal ein bisschen eilig haben, lobt Entwickler Tino Laue das Konzept, das den Kunden einen soften Umstieg in die schöne neue Welt der Stromer ermöglichen soll.

Elektro und Co: Alles über Greencars

Auf eine Enttäuschung müssen sie sich dabei freilich trotzdem einstellen: Der Normverbrauch von 1,5 Litern ist ein rein theoretischer Wert, der allein dem schmeichelhaften Testzyklus zu verdanken ist. In der Praxis dürfte sich der Wert eher bei vier oder fünf Litern einpendeln. "Wenn man den Benziner überhaupt mal braucht", sagt Laue. Denn weil die meisten Tagesetappen der Deutschen kürzer sind als 50 Kilometer, hat der Verbrenner seiner Meinung nach die meiste Zeit ohnehin frei.
 

In 10,4 Sekunden schiebt das Elektroherz den e-Golf auf Tempo 100.

Wer sich da ganz sicher ist und auf diese konventionelle Rückfallebene verzichten kann, der kann geschätzt ein paar Tausender beim Preis und offiziell zumindest ein paar Monate bei der Lieferung sparen und schon im Frühjahr den e-Golf bestellen. Der kommt ohne den altertümlichen Benziner aus und legt dafür in den Elektro-Kategorien noch einmal nach: Die Leistung des Stromers steigt auf 115 PS und der Akku wächst auf 24,2 kWh. Zwar dauert das Tanken an der Haushaltssteckdose dann schon 13 und an der Wallbox immer noch acht Stunden, doch kommt man damit im besten Fall dann 190 Kilometer weit. Anders als der elektrische Up ist der Akku-Golf dabei keine Spaßbremse: 0 auf 60 in 4,2 Sekunden und 10,4 Sekunden auf Tempo 100 sind besser als bei manchem Diesel. Nur – mehr als 140 km/h sind wegen der Reichweite halt nicht drin.

Weil das System so sensibel auf Tempo und Temperament reagiert, hat VW für den e-Golf nicht nur drei Fahrprofile programmiert, die schrittweise die Geschwindigkeit und Klimaanlage drosseln. Sondern selbst die Stärke der Rekuperation kann man in vier Stufen einstellen: Vom fast verzögerungsfreien Segeln bis zu einer elektrischen Motorbremse, die so stark ist, dass sogar die Bremsleuchten angehen. Und auf dem Reichweitenrechner kann man live verfolgen, was die einzelnen Veränderungen in der jeweiligen Situation bringen: Eco+ statt Normal macht 131 statt 103 Kilometer, zurück in Eco kostet zehn Prozent, und wer die Klimaanlage anschaltet, verliert noch einmal 30 Kilometer. Selbst den Verbrauch von Sitz- oder Spiegelheizung rechnen die Wolfsburger mit ein.

Elektrisch Golf fahren: ein teurer Spaß

Wer im e-Golf sitzen möchte, muss tief in die Tasche greifen. Geschätzter Preis: ab 32.000 Euro.

Der Plug-in-Golf fühlt sich um Längen besser an als der aktuell einzige ernsthafte Konkurrent Toyota Prius. Und der e-Golf liegt bei Fahrdynamik und –kultur irgendwo zwischen Nissan Leaf und BMW i3. Doch das alles wird die Schlacht an der Steckdose nicht sonderlich beeinflussen. Sondern das alles entscheidende Kriterium ist der Preis – und ausgerechnet dazu will VW-Chefentwickler Neußer  partout noch nichts sagen. Muss er auch nicht, denn eines ist trotzdem sicher: Der Golf für die Steckdose wird ein teures Vergnügen. Wenn bereits der elektrische Up knapp 27.000 Euro kostet und der Audi A3 mit der Plug-in-Technik des Golfs für rund 37.000 Euro starten wird, müssen sich die beiden neuen Stromer aus Wolfsburg irgendwo dazwischen einsortieren: 32.000 Euro für den e-Golf und 36.000 Euro für das grüne Tandem könnten deshalb eine gute Schätzung sein.

Bei solchen Preisen ohne politische Anreize auf einen Durchbruch zu hoffen, fällt einem aber schwer. Selbst wenn Entwicklungschef Neußer von bezahlbarer Technik spricht und vor allem die niedrigen Betriebskosten preist. Denn auch man die 100 Kilometer im e-Golf für nur 3,30 Euro und im Plug-In-Modell für 5,39 Euro schafft, muss man verdammt viel fahren, damit sich so die Anschaffung lohnt. Erst recht, wenn man stattdessen den Golf jetzt auch mit Erdgas-Antrieb kaufen: Der kostet mit seinen 23.400 Euro nämlich nicht nur geschätzte 10.000 Euro weniger, sondern schafft die Referenzsstrecke für ziemlich konkurrenzfähige 3,63 Euro.

Fahrbericht VW e-Golf und Plug-in-Hybrid

VW e-Golf VW e-Golf VW e-Golf

Autor: Thomas Geiger

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.