Volkswagen entlässt Vorstand Büchelhofer

Warnschuss für alle VW-Manager

VW entlässt Vorstand Büchelhofer

— 10.04.2003

Warnschuss für alle VW-Manager

Verunsicherung auf den Wolfsburger Konzernfluren: Mit Büchelhofers Rausschmiss demonstriert Konzernchef Pischetsrieder Härte.

Pischetsrieders neue Härte

Bernd Pischetsrieder hat ein Signal gesetzt. "Es ist eine Frage, ob jemand gefeuert wird, weil es allgemein so erwartet wird, oder weil man selbst an irgendeinem Punkt zu der Entscheidung gelangt ist", heißt es im Konzern. Mit dem Rausschmiss von Vertriebsvorstand Robert Büchelhofer zeigte der Volkswagen-Vorstandschef, dass er seinem Team zwar viel Freiheit lässt - aber dass er durchgreifen kann, wenn die Manager die neue Freiheit als lasche Führung missdeuten.

Die Entlassung Büchelhofers gilt zudem als Warnschuss für andere Führungskräfte, die bislang nicht den neuen Anforderungen gerecht wurden. Dass ausgerechnet Büchelhofer das erste Opfer von Pischetsrieders neuer Härte wurde, überrascht nicht. Schon lange galt der gebürtige Österreicher als Wackelkandidat. Und das nicht erst, seit er die Schuld für die schlechten Absatzzahlen der Luxuslimousine Phaeton von sich wies und Entwicklungsvorstand Folker Weißgerber zuschrieb.

Schon beim Amtsantritt Pischetsrieders vor einem Jahr galt Büchelhofer als einer der ersten Anwärter auf einen Jobverlust. Doch die gute Konjunktur und die anhaltende Rekordfahrt der Wolfsburger gewährten dem 60-Jährigen noch eine Schonfrist.

Herzliche Abneigung

Erstmals wurde Büchelhofer dann zu Jahresbeginn vom Konzernbetriebsratschef Klaus Volkert öffentlich angezählt. Die Phaeton-Vetriebsstratgie erschließe sich ihm nicht, kritisierte der mächtige Gewerkschafter.

Auch Ex-VW-Chef Ferdinand Piëch, der Büchelhofer 1995 nach Wolfsburg holte, zog zuletzt seine schützende Hand zurück. "Das zeigt, dass selbst Piëch sich nicht dem Willen Pischetsrieders widersetzt", heißt es in Wolfsburg. Neben der fehlenden Vertriebsstrategie für den Phaeton scheinen dem Ex-Vorstand auch die Ideen für Verkaufskonzepte bei den anderen Konzernmarken gefehlt zu haben, wird intern bemängelt.

Büchelhofer und Pischetsrieder werden wohl niemals enge Freunde. Zwei Mal begegneten sich die Manager und beide Male endete die Zusammenarbeit mit dem Rausschmiss Büchelhofers. Schon 1994 entließ Pischetsrieder – damals noch Vorstandschef bei BMW - seinen Vertriebsvorstand Büchelhofer wegen ernster Differenzen. Und auch jetzt lautete die offizielle Begründung: "Die Vertragsauflösung erfolgt in beiderseitigem Einvernehmen auf Grund unterschiedlicher Auffassungen über die Vertriebspolitik des Konzerns." Wer Büchelhofers Nachfolger wird, ist noch offen. Zunächst wird der Chef persönlich allen Anwärtern zeigen, wie er sich VW-gerechte Verkaufsarbeit vorstellt.

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