VW für 7500 Euro

VW Budget Car Limousine Illustration VW Budget Car Limousine (interne Zeichnungen) VW Budget Car Limousine (interne Zeichnungen)

VW für 7500 Euro

— 24.11.2014

Angriff auf die Billig-Klasse

Achtung, Sonderangebot: VW plant eine neue Nice-Price-Klasse. 2017 gibt's Schräg- und Stufenheck, 2018 folgt ein Crossover im SUV-Look.

Grüner Drache oder goldener Stern? Ganz ehrlich: Den Namen des Autos wissen wir nicht. Wir wissen ja noch nicht mal den Namen der Marke! Aber eins, das steht fest: VW wird 2017 ein 7500-Euro-Auto in China auf den Markt bringen. Der Angriff auf die Billig-Klasse. Jetzt mischt also auch VW mit, will das Feld nicht der chinesischen Kost-nix-Konkurrenz überlassen. Nur VW wird das Auto nicht heißen.

"Besser als die gleich teuren Billigautos der Chinesen"

So könnte das Billig-Auto von VW aussehen. Für 7500 Euro wäre es trotz alter Technik ein Schnäppchen.

Kann man mit so einem Billig-Auto eigentlich reich werden? Nein, ganz bestimmt nicht! Zwar stammen die wichtigsten Bausteine aus dem Nachlass älterer Polo- und Golf-Generationen. Aber das "Budget Car" – so der Arbeitstitel – wird, was die Kosten betrifft, eine ganz enge Kiste. Mit umgerechnet etwa 7500 Euro liegt der Verkaufspreis fast 2500 Euro unter dem günstigsten Up, die Händlermarge beträgt schmale zwei bis vier Prozent, die Rendite für den Hersteller liegt hochgerechnet bei fünf Prozent – das wären beim Grundmodell gerade 375 Euro. Sie ahnen es: Wer den Billig-VW kauft, wird nicht mal einen Satz Fußmatten aushandeln können. Trotz des Kostendrucks hat das Projekt fast alle internen Hürden genommen, denn VW will die wachsende Schar der Erstkäufer nicht dem asiatischen Wettbewerb überlassen. O-Ton aus Wolfsburg: "Unser Produkt ist besser als die gleich teuren Billigautos der Chinesen." Und es ist eine echte Alternative zum jungen Gebrauchten.

Drei verschiedene Karosserie-Varianten sind geplant

Erste Entwürfe vom neuen Billig-Auto: Die Zeichnungen wurden uns zugespielt, auf dieser Basis haben wir die Retuschen anfertigen lassen.

Warum heißt das Auto nicht VW? Den Wolfsburgern geht es um den guten Namen. Damit das Billig-Mobil den Konzernprodukten wie dem New Jetta nicht zu dicht an die Stoßstange fährt, werden die "Budget Cars" unter fremder Flagge vertrieben. Die Suche nach einem passenden Namen, der es an Blumigkeit mit Rivalen wie Great Wall oder BYD (Build Your Dreams) aufnehmen kann, ist angelaufen. Welche Karosserievarianten des "Budget Car" plant VW? Zum Start 2017 soll es zunächst eine viertürige Limousine und ein fünftüriges Schrägheck geben. Ende 2018 oder Anfang 2019 folgt ein weitgehend baugleicher Crossover im SUV-Look – aber ohne SUV-Ambitionen; ein Allradantrieb ist nicht vorgesehen. VW fährt bei diesem Projekt nach dem Motto "Klotzen statt kleckern". Sobald alle drei Karosserievarianten verfügbar sind, will der Vertrieb pro Jahr über das bestehende Netz (aber in abgetrennten Schauräumen) 500.000 Autos absetzen.

Bewährte Technik aus dem VW-Regal

Die Billig-Limousine mit vier und fünf Türen startet 2017.

Was steckt unterm Blech? Die Technik des neuen VW, der keiner sein darf, stammt im Wesentlichen aus den unteren Schubladen des Teileregals. Die Vorderachse erlebte ihre Feuertaufe 2008 im Golf VI, die Hinterachse lernte 2009 im Polo V das Laufen. Punkten soll das "Budget Car" vor allem mit seinem Preis-Leistungs-Verhältnis. Der intern als A+ (Tiguan-Format) gelistete Fünfsitzer ist messbar größer und trotzdem deutlich günstiger als ein gleich starker New Jetta – und der misst immerhin 4,64 Meter. Zum Start soll einzig ein 1,4-Liter-Benziner mit 105 PS angeboten werden – ohne teure Leckerbissen wie Turbo oder Direkteinspritzung. Geschaltet wird per Hand (fünf Gänge) oder gegen Aufpreis per Wandlerautomat (vier Stufen). Umwelt-Technik? Klar doch, an der Ampel soll sich der Motor abstellen können.

Heißt billig auch automatisch Verzicht auf Sicherheit und Luxus? Nein, ganz so wird es nicht sein. Airbags, ABS, Klimaanlage, Servolenkung und Zentralverriegelung sind serienmäßig an Bord. Fensterheber, ESP und ein modernes Infotainment soll es für kleines Geld geben. Noch unklar ist, ob das "Budget Car" mit einem integrierten Bildschirm (Vorbild Qoros) oder mit einer Nachrüst-Lösung (Vorbild TomTom) vorfährt.

Die wichtigste Frage zum Schluss: Gibt's dieses Auto auch bei uns? VW hat sich dem Vernehmen nach verpflichtet, die Supergünstig-Mobile in China zu produzieren und nur in China zu verkaufen. Ein Export ist ausgeschlossen – nicht aber eine zweite Fertigungsschiene in einem Wachstumsmarkt wie Indien. Europa bleibt freilich außen vor: Die Wolfs-Burg ist für den Grünen Drachen bis auf Weiteres tabu.

VWs Angriff auf die Billig-Klasse

VW Budget Car Crossover Illustration VW Budget Car Limousine Illustration VW Budget Car Limousine (interne Zeichnungen)
Georg Kacher

Georg Kacher

Fazit

Das "Budget Car" ist eine Gratwanderung für VW: Billiganbieter sein, aber gleichzeitig das Premium-Image nicht verlieren. Die Kunst liegt darin, für kleines Geld ein neues Auto zu bauen, das die China-Konkurrenz alt aussehen lässt - ohne dem viel profitableren New Jetta die Kunden auszuspannen.

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