VW Golf 1 bis Golf 7: Tuning von Rothe Motorsport

Golf 1 bis 7 von Rothe

VW Golf 1 bis Golf 7: Tuning von Rothe Motorsport

— 28.12.2016

Rothe Armee

Schnelle Gölfe sind das Markenzeichen der Firma Rothe Motorsport. Ein Streifzug durch 30 Jahre Turbohandwerk in sieben Akten – von Golf 1 bis Golf 7!

Turbo-Chef: Mike Rothe ist Gründer und Inhaber von Rothe Motorsport.

Es ist schon ein sehr spezieller Trupp, der sich da eines Montagmorgens einfindet, um zur großen Jubiläumssause ein wenig mit den Turbos zu zwitschern. Ein Stelldichein der automobilen Sonderlinge, inszeniert von Menschen, die (im positiven Sinne) allesamt ziemlich einen an der Klatsche haben. Inmitten dieser Szenerie, die sich gefühlt irgendwo zwischen Schulausflug und Junggesellenabschied ansiedelt, lehnt jener Mann, der den gesamten "Haufen" zu verantworten hat, lässig an einem Golf 3 und besiegelt sein jüngstes Gelöbnis zur gesünderen Lebensführung mit einer frisch entflammten Marlboro. Michael Konrad, oder kurz gesagt: "Mike" Rothe, Inhaber und Gründer der Firma Rothe Motorsport. Ein hessisches Original, wie es wohl nur die vierspurigen Autobahnen rund um den Frankfurter Flughafen hervorbringen können, das sein Leben ganz der Aufladung gewidmet hat. Der Aufladung von Gölfen. Rothe Motorsport ist Synonym für VR6 und Turbo gleichermaßen. Eines der Aushängeschilder, wenn es um Hochleistungsprojektile im Allerweltsmantel geht, und bis heute ein Tuningbetrieb, der das aufgeladene Handwerk in wirklich jeder einzelnen Schraube lebt. Selbst auf Basis der neueren Generationen, die ihrer Sechszylindrigkeit ja bekanntlich längst enthoben wurden. Rund 450 PS quetscht der Tuner aus den Schrumpfmotoren von heute, für ambitionierte Motorsportprojekte können es auch einmal 500 sein.

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Rothe Golf 1: Ein simples Stück Blech mit 260 PS

Der Rothe Golf 1 ist in 7,1 Sekunden auf Tempo 100 und rennt 245 km/h Spitze.

Der Golf I ist die vermutlich edelste Perle des heutigen Aufmarsches. Nicht nur wegen seines perfekten Zustands, sondern vor allem wegen seiner Vita. Als Rothe Motorsport sich einen Namen gemacht hatte, war die Ära des Ur-GTI schließlich längst vorbei. Entsprechende Umbauten basierten auf gebrauchten Exemplaren, was die Nachfrage ähnlich begrenzt hielt wie der gesamte VR6-Hype, der rund um die Firma gesponnen wurde. Denn die Golf-1-Umbauten entstanden auf G60-Basis, also mithilfe eines spiralgeladerten 1.8ers, der dann wiederum zum Turbo umgestrickt wurde. Unser Exemplar pendelt sich mit 1,3 Bar um 260 PS ein, was angesichts von nicht mal 900 Kilogramm Golf ziemlich Wüstes erwarten lässt. 

Sind die Lungen des Vierzylinders erst mal gefüllt, dann rasieren einem die 300 Newtonmeter ganz schön übers Haupt. 

Doch Pustekuchen: Der Umbau legt überraschend gute Manieren an den Tag. Kein Leerlauf-Stottern, kein Teillast-Zicken, weder Ruckler noch Hänger, sondern ganz gepflegter Zunder fürs geladene Stoppuhr-Brennen. Natürlich braucht der kleine Vierzylinder dabei ein Gedenksekündchen, um den Gewaltexzess in Rotation zu versetzen. Sind die Lungen jedoch erst einmal gefüllt, rasieren einem die 300 Newtonmeter schon ganz schön übers Haupt. Nur zur Erinnerung: Das hier ist ein Golf 1 – ein ziemlich simples Stück Blech von hagerer Statur, mit großen Fensterflächen und einem Instrumentenbrett, das seinen kantigen Namen noch vollkommen zu Recht trägt. Und das Ding geht trotzdem in 7,1 Sekunden auf 100 und rennt 245 Sachen Spitze – Fahrleistungen, die VW erst in vierter Generation kontern sollte.

Der Golf 3 war Rothes erster großer Turbo-Wurf

Fast hätte Rothe seinen Laden schließen müssen – weil die Zulassungsbehörde plötzlich den Großteil der Umbauen auf die schwarze Liste setzte.

Der Golf 3 hat in dieser Reihe die größte Geschichte zu erzählen. Die vom Aufschwung, als aus der fixen Idee eines Mannes tatsächlich ein eigenständiges Unternehmen wurde. Und die vom Unternehmen selbst. Oder besser: vom Rückhalt im Hause Rothe. Denn eigentlich war der Golf 3 für Mike Rothe ab einem gewissen Zeitpunkt schlicht abgeschrieben. Mit den Generationen vier und fünf hatte er sich in Sachen Leistung und Verarbeitungsfinish sukzessive nach oben gearbeitet, sein Standing in der Szene ausgebaut und seinen Ruf etabliert. Mit der sechsten Generation ging er einen Schritt weiter in Richtung Rundstrecke, baute den Golf R20, der mit 1:32,94 Minuten bis heute schnellster VW am Sachsenring ist. Die Firma schien auf kerngesunden Beinen zu stehen, als quasi über Nacht die Zulassungsbehörde ins Haus platzte und einen Großteil der Umbauten kurzerhand auf die schwarze Liste setzte. Zahlreiche Leistungskits mussten daraufhin neu vorgeführt und abgenommen werden, die gesamte Firma stand im Fokus der Ermittlungen, wurde von oben bis unten durchleuchtet und konnte sich letztlich nur mit einem finanziellen Kraftakt vor dem drohenden Ruin retten.

"Don Turbo" hat es faustdick hinter den (R)Ohren

Der betagte Dreier kommt mit 400 PS und 510 Nm weit besser zurecht als man vermuten würde.

Man muss wohl kein Psychologe sein, um zu erahnen, wie es dem Inhaber in jenen Tagen ergangen ist. Der Stress kam von allen Seiten, die Existenzangst legte sich obendrauf, und in letzter Konsequenz fürchtete er natürlich auch um seine Mitarbeiter. Schließlich haben gute Leute nur selten die Angewohnheit, sinkenden Schiffen bis zum Tauchgang beizustehen. Doch seine Männer hielten tatsächlich zu ihm. Mehr noch, sie standen ihm sogar bei, indem sie zu seinem 44. Geburtstag exakt jenen Golf 3 nachbauten, mit dem er einst seinen ersten großen Wurf gelandet hatte. "Don Turbo", wie das fauchende Firmenmaskottchen seither heißt, war weit mehr als ein Geschenk. Don Turbo war eine Geste, ein Bekenntnis zur Firma und deren Zukunft. Und Don Turbo hat es selbst nach heutigen Maßstäben noch faustdick hinter den (R)Ohren. 400 PS und 510 Newtonmeter, um genau zu sein, mit denen der alte Frontkratzer allerdings weit besser zurechtkommt, als man gemeinhin vermuten würde.

Okay, in den ersten beiden Gängen lässt sich Schlupf schon recht lässig provozieren. Hat man das verstärkte Fünfganggetriebe jedoch erst einmal in die dritte Welle gestochert, herrscht zwischen Vorderachse und Fahrbahn tatsächlich so etwas wie Einklang. Zumal der VR6 kein Erst-nichts-dann-alles-Turbo ist, wie man sie aus jener Zeit sonst so kennt, sondern ausgesprochen gleichmäßig in die Antriebs-Eingeweide fährt. Schon um 2500 Touren bläst der Verdichter zum Marsch, legt sich füllig übers Drehzahlband, das er herzhaft schnorchelnd bis tief in die Sechstausender hineinstreckt. Die 100 reißt Don Turbo noch immer in 5,5 Sekunden, Tempo 200 meißelt er in 17,9 Sekunden auf den Rothe-Tacho, der mit seiner 300-km/h-Skalierung nebenbei bemerkt kein bisschen übertreibt. Infos und viele Bilder zu allen sieben Generationen der Rothe Gölfe gibt's in der Bildergalerie! 

Golf 1 bis 7 von Rothe


Autor:

Manuel Iglisch

Fazit

Die besten Geschichten schreibt das Leben halt noch immer selbst. Siehe Mike Rothe, der im wahrsten Sinne des Wortes klein angefangen hat und heute zu den Größen seiner Zunft gehört. Dank seiner Leidenschaft für Turbos, Gölfe und all die Umbauten, die daraus hervorgegangen sind.

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