VW Golf 7 im Test

VW Golf 7 im Test

VW Golf 1.5 TSI DSG: Test

— 07.04.2017

Die zwei Seiten der Golfmedaille

Der VW Golf – ein Siegertyp seit vielen Jahren. Nun ist er auch mit reichlich Multimedia-Spektakel zu haben. Und mit einem neuen 1.5 TSI.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Das passt ziemlich gut zum neuen Golf. Na ja, zumindest zu unserem Fotomodell. Sein Lack schimmert zwar wertvoll gülden – dabei handelt es sich bei diesem so edlen Edelmetallanstrich nur um schnödes "Kurkumagelb". Zum Glück bewerten wir das Aussehen eines neuen Modells nicht. Uns interessiert vielmehr: Was kann es? Um es für den neuen VW Golf vorwegzunehmen: wie immer nahezu alles. Denn die Wolfsburger ändern im Zuge der Modellpflege 2017 nichts am Wesen.

Der neue 1.5 TSI ist ein echter Gewinn

Souverän: Der neue 1.5 TSI im Golf-Bug mobilisiert 150 PS und 250 Nm und sorgt für gute Fahrleistungen.

Es bleibt bei der bekannt guten Raumausnutzung, der Bestseller bewahrt sich das hohe Niveau in Sachen Funktionalität und Handhabung. So weit, so bekannt. Komplett neu präsentiert sich dagegen der 150 PS starke 1.5 TSI. Zusammen mit dem DSG bringt er den Golf flott in Fahrt und erweist sich als souveräner Antrieb. Ein Gewinn – doch dazu später mehr. Präziser Schliff an Außenhaut und Innenleben wertet den Golf zusätzlich auf. Zum Beispiel baut VW künftig in alle Varianten LED-Tagfahrlicht sowie Rückleuchten mit gleicher Technik serienmäßig ein. Ganz wichtig: Gegen Aufpreis und mindestens ab Ausstattungslinie Comfortline steckt Golf Nummer 7 voller moderner Assistenz- und Multimediatechnik. Statt analoger Rundinstrumente strahlt künftig auch ein digitales Cockpit die wichtigsten Infos aus, statt über Drehregler und Tasten dirigiert der Fahrer dann Navi, Musik und Fahrzeugeinstellungen über einen großen Berührbildschirm in der Mittelkonsole. Ob man all das teure Zeug wirklich braucht?
Alle News und Tests zum VW Golf

Auf Tastendruck wird der Golf sportlich

Zackig: Mit den optionalen adaptiven Dämpfern beherrscht der Golf neben Komfort auch Sport.

Das viele Geld (mindestens 2385 Euro!) ist im aktiven Stoßdämpfersystem (adaptive Fahrwerksregelung DCC, 1045 Euro) deutlich besser angelegt. Die verstellbaren Stoßdämpfer bescheren dem Fünftürer ein sehr ausgewogenes Fahrverhalten mit extrem gutem Federungskomfort. Wer es mag: Auf Tastendruck wird der Golf sportlich-knackig, und das Getriebe hält die Motordrehzahlen höher. Die Automatik arbeitet wie gehabt beim Hochschalten sehr schnell, beim Kick-down jedoch immer etwas unschlüssig, im Start-Stopp-Betrieb zudem unsanft. Ohne den berüchtigten Ruck beim Anfahren geht es einfach nicht. Gut: Im Rangierbetrieb lässt sich das "kriechende" Auto fein dosieren, und das Umschalten zwischen D und R klappt sehr flink. Trotz insgesamt guter Geräuschdämmung läuft der Golf ab Tempo 100 aufwärts unerwartet laut – die optionalen 225er-Reifen in 17 Zoll sollten leiser über den Asphalt walzen.

Der neue Motor arbeitet hörbar, doch angenehm linear in der Leistungsentfaltung. Schon bei niedrigen Touren deutlich unterhalb von 2000 Umdrehungen schiebt der 1.5er kräftig an. Beim Ausdrehen geht es leider etwas zäh zu, deutlich über 5500 Touren mag sich das Aggregat nicht so recht austoben. Wie es um die Verbrauchswerte des neuen TSI steht, haben wir gleich in mehreren Disziplinen abgeklopft.

Die Bedienbarkeit im Golf ist nicht immer überzeugend

Video: VW Golf 7 Facelift Connected Car (2016)

Discover Pro mit Smartphone

Zusätzlich zu unserem AUTO BILD-Praxisverbrauch haben wir auch das absolute Sparpotenzial ausgelotet, darüber hinaus auch den Durst bei Vollgas ermittelt. Ergebnis: Der VW kann (sehr behutsam gefahren) mit 5,1 Litern auskommen, vernichtet aber auch rund 20 Liter Super auf 100 Kilometer bei Maximaltempo (216 km/h), das er nur im sechsten von sieben Gängen erreicht. Die Lenkung (im Kraftbedarf variabel) erlaubt sauberes Zielen, nur auf nasser Fahrbahn mit voll durchgetretenem Gapedal zerrt es unflätig. Wie schon vom Vorgänger bekannt, gibt sich der Golf beim Ausweichen enorm trittsicher. Der Mix aus gutmütigem Fahrverhalten und hellwacher ESP-Kontrolle passt bestens zum Segment – ein ausgereifteres System kennt diese Klasse nicht. Das kann man vom digitalen Cockpit (Active Info Display, 665 Euro ab Comfortline) nicht behaupten.

Hier stören Kleinigkeiten: So überdeckt zum Beispiel der wischende Tachozeiger die Ziffern – ein völlig unnötiges Designspielchen. Insgesamt muss sich der Fahrer durch viele Informationsebenen forsten. Ebenfalls nicht optimal: Die Tastenbelegung in den Lenkradspeichen wirkt überfrachtet und ist nicht immer logisch gruppiert.
Fahrzeugdaten VW Golf 1.5 TSI BMT
Motor Vierzylinder, Turbo
Einbaulage vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Zahnriemen
Hubraum 1498 cm³
kW (PS) bei 1/min 110 (150)/5000
Nm bei 1/min 250/1500
HVmax 216 km/h
Getriebe Siebengang-DSG
Antrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/45 R 17 W
Reifentyp Dunlop Sport Maxx RT
Radgröße 7 x 17"
Abgas CO2 114 g/km
Verbrauch* 4,9 l
Testverbrauch
Sportverbrauch** 9,9 l/100 km
Testrunde*** 6,8 l/100 km
Sparverbrauch**** 5,1 l/100 km
Tankinhalt 50 l/Super
Kältemittel R1234yf
Vorbeifahrgeräusch 70 dB(A)
Anhängelast gebremst/ungebremst 1500/650 kg
Kofferraumvolumen 380–1270 l
Länge/Breite/Höhe 4258/1799–2027**/1492 mm
Testwagenpreis 33.545 Euro
* gesamt auf 100 km (Herstellerangabe); ** 54 km Autobahn, davon 20 km Vollgas; *** Durchschnitt der 155-km-Testrunde von AUTO BILD; **** 101 km Stadt und Land mit wenig Gas
Messwerte VW Golf 1.5 TSI BMT
Beschleunigung
0–50 km/h 3,3 s
0–100 km/h 8,2 s
0–130 13,0 s
0–160 km/h 20,0 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 4,1 s
80–120 km/h 5,3 s
Leergewicht/Zuladung 1364/466 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten 59/41 %
Wendekreis links/rechts 11,0/11,0 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 36,8 m
aus 100 km/h warm 35,3 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 59 dB(A)
bei 100 km/h 67 dB(A)
bei 130 km/h 70 dB(A)
Testverbrauch – CO2 6,8 l S – 162 g/km
Reichweite 735 km
Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Der neue Golf fährt hervorragend – so haben wir es auch erwartet. Vieles von der neuen Technik im Bereich Vernetzung überzeugt uns jedoch nicht, speziell die Bedienung ist unserer Meinung nach kein Fortschritt. Weniger wäre hier die bessere Wahl – und die sollte sich der Käufer auf jeden Fall gut überlegen.

Autoren: Jan Horn, Berend Sanders

Stichworte:

Kompaktklasse

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung