Golf GTI Clubsport trifft GTI 16V

VW Golf GTI Clubsport gegen GTI 16V: Vergleich

— 20.04.2016

GTI – so gierig wie nie!

Mit dem Clubsport entfacht VW den GTI-Geist aufs Neue. Ähnlich wie mit dem GTI 16V vor 30 Jahren. Ein Treffen der wilden Gölfe.

Video: VW Golf GTI Clubsport gegen GTI 16V

Treffen der wilden Gölfe

Wieder so eine Untersuchung: Ab 30 geht's bergab, behaupten die Wissenschaftler, zumindest beim Mann. Schnelligkeit, Kraft, Ausdauer, sogar die Lust – steht vorn erst mal die drei, befindet sich alles im parallelen Sinkflug. Wir sagen: alles Quatsch! Es gibt ein Leben Ü30. Ein sehr gutes sogar. Eines der Mittel, die dazu verhelfen können, heißt GTI. Können wir beweisen. Denn auch AUTO BILD feiert 2016 seinen 30. Geburtstag. Ohne das leiseste Anzeichen von Bauchfett oder Depression. Dazu beigetragen haben neben unseren ebenso treuen wie kritischen Lesern von Anfang an auch die drei magischen Buchstaben GTI.

Vor 30 Jahren war der zweite Golf GTI ein richtig scharfes Gerät

1,8 Liter Hubraum, 16 Ventile, 139 PS (mit Kat: 129 PS): Der Golf II GTI 16V lehrte seinerzeit manch Großen das Fürchten.

In Heft 1 von 1986 durften wir uns mit dem Golf II GTI 16V fit halten. Der erste GTI mit zwei oben liegenden Nockenwellen und vier Ventilen pro Zylinder gehörte damals zu den richtig scharfen Geräten – und das nicht nur im ach so braven Hause VW. Mit ursprünglich 139 Kat-losen PS schüttelte der 16V tatsächlich 10 PS mehr aus seinen neuen Zylinderköpfchen als ein damaliger BMW 520i – und der bemühte vor 30 Jahren immerhin noch sechs sauber aufgereihte Zylinder. Unser Vergleichs-Golf verfügt über einen Kat und 129 PS. Heute, im Jahr 2016, trifft der Brandstifter von einst seinen Urururenkel: den Golf VII GTI Clubsport. Im Laufe der letzten drei Jahrzehnte hat er zwar schon etwas Speck angesetzt – wenn wir seinen Vorfahren aber als Brandstifter bezeichnen, dann verdient sich der Clubsport ganz locker den Spitznamen Feuerteufel. Mittels Turbo bläst der Zweiliter-Vierzylinder zum Angriff und uns ganz gehörig den Marsch. Der jüngste und auch heißeste aller GTI mobilisiert mal eben die doppelte Leistung von einst: 265 PS im Ausdauermodus, 290 PS bei Spitzenbelastung – so was haben sie sich damals in Wolfsburg nicht mal in den wildesten Träumen vorstellen können. Von wegen also, ab 30 geht's bergab. Hier kommen 30 Jahre GTI. So gierig wie nie.
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Kluge Regelektronik bringt die Clubsport-Kraft auf die Straße

Sprintstark: Elektronisch am Durchdrehen gehindert, beschleunigt der Clubsport in 6,3 s auf 100 km/h.

Hossa, das ist mal ein flotter Auftritt! Der Clubsport zeigt eine neue scharfe Schnauze, kokettiert mit dem Diffusor am Heck und präsentiert stolz seine 19-Zoll-Aluräder (ab 590 Euro, Serie: 18 Zoll). Das macht 'nen schlanken Fuß und wirkt bei aller Ähnlichkeit doch so viel attraktiver als ein Basis-Golf. Auf rote 16V-Schildchen verzichtet der Clubsport – was beim alten GTI hochmodern und unbedingt mehrere Extra-Hinweise wert war, gehört heute zum Standard. Im Innenraum zitiert der Clubsport nur zu gerne seine Vorfahren. Schalthebel in Golfballoptik, dezentes Karomuster auf den ausgesprochen fest zupackenden Sportsitzen – und ein eher optimistischer Tacho. Bis 280 km/h reicht die Anzeige, obwohl bei Tempo 250 gebremst wird. Der GTI der zweiten Generation lockt mit einer Skala bis Tempo 260, in den Papieren stehen aber lediglich 208 km/h – und auch die waren oft nur sehr mühsam zu erreichen. Was an Bord sonst noch auffällt? Das betont schlicht eingerichtete Cockpit des Oldies zum Beispiel, der seine GTI-Gene fast schon verschämt versteckt. Der Clubsport überzeugt da nicht nur mit der deutlich feineren Einrichtung, sondern auch mit seiner dezenten Dynamik. Ob das unten abgeflachte Lenkrad allerdings eine Mittenmarkierung wie im Rallye-Sport benötigt, sei mal dahingestellt.

Zumal der Clubsport auch im Expressmodus nie die Orientierung verliert oder mit zickigen Reaktionen überrascht. Ganz im Gegenteil. Wenn der Pilot das ESP in den Sportmodus schickt und den Zweiliter auf der Startgeraden des Goodyear-Testgeländes bei Mireval auf Touren bringt, beginnt ein ebenso engagierter wie entspannter Kampf gegen die Uhr. Verheißungsvoll, aber auch etwas künstlich röhrend und vom elektronischen Zügel gekonnt am Durchdrehen gehindert, fegt der Clubsport aus der Startaufstellung und der ersten Schikane entgegen. Zweimal rastet der Schalthebel in der präzisen Sechsgangbox ein, und zack, nach 6,3 Sekunden liegt Tempo 100 an.

Auf der Rennstrecke ist der Clubsport dynamisch und präzise

Die feine Clubsport-Lenkung verfehlt die Ideallinie nur um Millimeter, meldet zeit- und gefühlsecht.

Ging ja schnell, der GTI 16V müht sich noch irgendwo bei Tempo 70 und erreicht gut zweieinhalb Sekunden später die 100er-Marke. Nicht schlecht für einen H-Kennzeichen-Berechtigten, der mit 1065 Kilo austrainiert dasteht. Die Musik spielt aber trotzdem im jungen Wilden – daran ändert das Gewichtshandicap von über 300 Kilo nichts. Nach der langen Geraden heißt es also heftig bremsen, um die nächste Rechts nicht als Zuschauer aus dem Kiesbett zu erleben. Kein Problem für die jüngste GTI-Größe, die herzhaft zupackt und mit sattem Pedalgefühl unser Vertrauen gewinnt. Nur wenig mehr als 36 Meter braucht der Clubsport, um aus Tempo 100 absoluten Stillstand zu erreichen. Der Golf II GTI schiebt da noch eine ganze Wagenlänge weiter – konnte er sich mit 40 Metern vor 30 Jahren absolut sehen lassen, bedeutet das heute einen bösen Blechschaden. Der Clubsport eilt derweil schon durch die Kurvenkombination Richtung Meer. Die feine Lenkung verfehlt die Ideallinie höchstens um Millimeter, meldet zeit- und gefühlsecht, was zwischen Vorderrädern und Fahrbahn los ist. Ein brauchbares Feedback erhalten wir auch von der Lenkung im GTI 16V, allerdings erfordert sie ungleich mehr Arbeit. Servounterstützung? Kostete damals stolze 1186 Mark extra. Aus heutiger Sicht eine absolut notwendige Investition – auch wenn nur 195er-Gummis zu bewegen sind.

Das bessere Auto findet der GTI-Fan eindeutig in der Moderne

Keine Chance für den GTI-Veteranen: Der Clubsport ist dem Golf II in allen Belangen haushoch überlegen.

In der Bergaufpassage zurück zum Start/Ziel verliert der Clubsport seinen Vorfahren endgültig aus dem Rückspiegel. Lustvoll knurrend stürmt der Zweiliter-Turbo die Anhöhe, als warte oben das automobile Paradies. In keinem Drehzahlbereich leistet er sich eine Schwäche, jeder Ganganschluss passt, erst über 6000 Touren verliert er die Lust. Dank der elektronischen Differenzialsperre kommt der heißeste aller GTI auch ohne Qualm und Quietsch aus den engen Kehren des Kurses, wo der 2er-GTI schon mal stur geradeaus schiebt oder mit dem kurveninneren Rad ein wenig hilflos nach Halt sucht. Außer ABS hatte der 16V bei elektronischen Assistenten nicht viel zu bieten. Das macht ihn zwar unverfälschter, aber nicht schneller. Der Clubsport nutzt die schlauen Schaltkreise dagegen nicht nur auf der Jagd nach Zehntelsekunden, sondern auch beim entspannten Cruisen. Das Verstellfahrwerk DCC (1035 Euro extra) verleiht dem tiefergelegten Golf-Geschoss genug Komfort, um bei der Liebsten nicht durchzufallen und auch Kinder nicht zu verschrecken. Der für damalige Verhältnisse extraharte GTI 16V geht auf ungepflegten Pisten schon spürbar härter zu Werke und zeigt uns deutlich, dass wir nicht mehr 30 sind. Das Haben-wollen-Gefühl stellt sich dennoch sofort ein.

Der damals 26.045 Mark teure GTI 16V gehört heute nicht umsonst zu den gesuchten Oldies – unverbastelte Exemplare bedürfen schon einiger Suche. Der GTI Clubsport präsentiert sich natürlich ungleich moderner und talentierter, kostet aber auch mindestens 34.500 Euro. Gibt es da nicht auch eine Studie, nach der Männer ab 30 richtig viel Geld verdienen?
Fahrzeugdaten VW Golf VII GTI Clubsport VW Golf II GTI 16V
Motor Vierzylinder, Turbo Vierzylinder
Einbaulage vorn quer vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Zahnriemen
Hubraum 1984 cm³ 1781 cm³
kW (PS) bei 1/min 195 (265)/5350 102 (139, mit Kat 129)/6300
Nm bei 1/min 380*/1700 168/4500
Vmax 250 km/h 208 km/h
Getriebe Sechsgang manuell Fünfgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/35 R 19 Y 195/50 R 16 H
Reifentyp Pirelli PZero Goodyear Excellence
Länge/Breite/Höhe 4268/1799/1442 mm 4040/1680/1405 mm
Kofferraumvolumen 380 Liter 320 Liter
0-100 km/h 6,3 s 8,9 s
Elastizität
60-100 km/h (4. Gang) 4,4 s 8,1 s
60-100 km/h (5. Gang) 6,3 s 11,7 s
Leergewicht 1379 kg 1065 kg
Zuladung 471 kg 335 kg
Innengeräusch
bei 50 km/h 57 61 dB (A)
bei 100 km/h 66 dB (A) 69 dB (A)
bei 130 km/h 69 dB (A) 75 dB (A)
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 37,0 m 40,5 m
aus 100 km/h warm 36,2 m 40,5 m
Testwagenpreis 35.090 Euro 27.935 DM (1986)

VW Golf GTI Clubsport gegen GTI 16V

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt vom VW Golf II GTI 16V und VW Golf VII GTI Clubsport (Vergleichstest).

Veröffentlicht:

18.03.2016

Preis:

1,00 €

Gerald Czajka

Gerald Czajka

Fazit

Die Faszination bleibt ungebrochen. Auch wenn der GTI Clubsport alles besser kann als der GTI 16V, können wir uns der Anziehungskraft des Oldies nicht entziehen. Zu schön die Erinnerungen, zu lebendig der GTI-Geist. Mit dem Clubsport liefern die Wolfsburger schließlich das Meisterstück im Segment der heißen Kompakten. Viel mehr geht nicht.

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