Fahrbericht VW Golf GTI

VW Golf GTI: Fahrbericht

— 17.04.2013

Er ist wieder da

Für manche sind es nur drei Buchstaben, für Autofans fast heilige Insignien: GTI – das Sportmodell des VW Golf. Generation sieben im Fahrbericht.

GTI – drei Buchstaben, ein Versprechen: unanständig viel Spaß für relativ wenig Geld. Und das jetzt schon in der siebten Generation. Okay, zwischenzeitlich hatten die Wolfsburger Schnellermacher mal den roten Faden verloren. Aber inzwischen ist er wieder voll auf Kurs, der legendärste aller Golf. Während anderswo aggressiv aufgerüstet wird, legt der GTI nur um schlanke 10 PS zu. Das ab 28 350 Euro teure Grundmodell leistet 220 PS, in Verbindung mit dem Performance-Paket für 1175 Euro gibt es 230 PS.

Überblick: Alle News und Tests zum VW Golf GTI

Kompaktsportler: Der Basis-GTI rennt in 6,5 Sekunden von null auf 100 km/h und läuft 246 km/h Spitze.

So oder so bleibt die siebte Generation aber Großmutters Originalrezept treu – mit Leichtmetallrädern im Wählscheiben-Look, schwarzen Anbauteilen rundum, rotem Lidstrich bis in die Augenwinkel der Scheinwerfer, Dröhnland-Auspuff mit zwei Endrohren und den unvermeidlichen Stoffsitzkaros. Die Handschaltung wird ganz traditionell über einen Golfball-Knauf bedient, und die Instrumente tragen ein eigenständiges Design – nur das unten abgeflachte Lenkrad will nicht so recht zum allgegenwärtigen GTI-Purismus passen. Unsere Wunschoption wäre: "Lenkrad, rund – ohne Mehrpreis." Der Basis-GTI sprintet in 6,5 Sekunden von null auf 100 km/h und läuft 246 km/h Spitze, der Verbrauch beträgt sechs Liter (DSG 6,4 l). Auf dem Prüfstand, wohlgemerkt. In der Praxis lässt sich das sicher leicht verdoppeln. Doch dafür war GTI fahren auch noch nie so vielseitig und unterhaltsam wie heute. Lieber gleiten als hetzen? Nichts einfacher als das. Das Getriebe ist in den obersten zwei Gängen ohnehin ellenlang übersetzt, im Eco-Fahrprogramm des 1900 Euro teuren DSG-Räderwerks wird früh hoch- und spät zurückgeschaltet, Start-Stopp ist Serie, und auf Wunsch kann im Leerlauf fast geräuschlos gesegelt werden.

Überblick: Knackige Sportler bei AUTO BILD SPORTSCARS

Fahrspaßgarant: Die serienmäßige Progressivlenkung teilt sich jederzeit genau richtig mit.

Kaum zu glauben, aber der Ehrgeiz, wenig zu verbrauchen, ist nach einer halben Stunde Fahrt fast so ausgeprägt wie der Jagdtrieb, der einst für den GTI so typisch war. Natürlich befriedigt der Power-Golf diesen auch heute noch. Vor allem dann, wenn der Fahrer den GTI über die 120 Euro teure "Driving Mode Selection" scharf stellt. Dann wird der Golf zum knackigen Kurvenkünstler und zum zackigen Drehzahlkletterer, der ohne Zugkraftverlust schaltet, gierig am Gas hängt, direkt einlenkt und satt auf der Straße liegt. Leider schalten die Chips in "Sport" zu spät in den nächsten Gang und bestehen selbst bei Konstantfahrt auf hohen Drehzahlen. Deshalb speichern wir unser Lieblings-Set-up im Individual-Modus ab. Wobei das ESP sich verweigert. Ein kurzer Tastendruck macht die Antriebsschlupf-Regelung arbeitslos, ein langer Druck aktiviert die Sportabstimmung, aber kein Trick der Welt schaltet das System komplett ab. Dennoch kommt der Spaß beim neuen GTI nicht zu kurz. Lust, mal eben die Kurven auf der Landstraße zwischen Niederberghausen und Oberberghausen neu zu vermessen? Kein Problem.

Als wichtigstes Handwerkzeug entpuppt sich dabei die serienmäßige Progressivlenkung. Die macht alles richtig, denn sie ist weder einsilbig noch geschwätzig, sondern kommuniziert genau so viel mit dem Fahrer, wie es gerade nötig ist. Der flinke Golf hebt zwar gelegentlich kurz das kurveninnere Bein, doch das tut der Erdverbundenheit des souverän abgestimmten Fünfsitzers keinen Abbruch. Ein weiteres wichtiges Glied in der Kette der vertrauensbildenden Maßnahmen sind die vier Scheibenbremsen, die gemeinsam mit den Conti-SportContact-Reifen prompt und spurtreu wirken. Keine Frage: Dieser Golf GTI erweist sich als ausgesprochen stimmige Fahrmaschine, eine stets quicklebendige und bei aller Unvernunft immer noch bezahlbare Legende. Man kann entspannt reisen oder Kampflinie fahren, den Familienfreund geben oder nach Scheitelpunkten schnappen. Und damit geben die drei Buchstaben genau genommen ja schon zwei Versprechen. Mindestens.
Georg Kacher

Georg Kacher

Fazit

Klar – es gibt schnellere und stärkere Kompakte. Aber nur einen echten GTI. Und nur der erscheint in der Summe seiner Eigenschaften so überzeugend wie der gerade noch erschwingliche Golf mit dem legendären Drei-Buchstaben-Kürzel.

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.