VW Golf II (1983-1991/92)

Gebrauchtwagen VW Golf II Gebrauchtwagen VW Golf II

VW Golf II (1983-1991/92)

— 19.01.2004

Der wahre Volkswagen

Gut und günstig als Gebrauchter: Elf Jahre nach Produktionsende überrascht die zweite Golf-Generation immer noch durch Qualität.

Qualität und Karosserie

Nicht klassisch wie der Käfer, kein Meilenstein wie der Golf I und kein Imageträger wie der VW-Porsche 914 – der Golf II ist praktisch, robust und bieder. Als Gebrauchtwagen mittlerweile spottbillig und trotzdem eine Empfehlung. Denn der Golf II ist die stille Legende aus Wolfsburg – der wahre Volkswagen.

Gut und günstig, das vereint die zweite Golf-Generation wie kaum ein anderer Wagen in sich. Gut elf Jahre nach dem Produktionsende sind gebrauchte IIer nur noch selten beim Markenhändler zu finden. Doch wer für rund 1000 Euro ein privates Ersthandmodell mit wenig Kilometern und G-Kat erwischt, hat ein Schnäppchen gemacht, fährt locker durch Lehrzeit oder Studium. Denn der Golf II ist unverwüstlich.

Nach dem Rostdebakel mit dem Vorgänger meinten es die Wolfsburger besonders gut und fluteten den IIer mit Heißwachs, das noch heute zu finden ist: Links und rechts der Heckklappe tropfen im Hochsommer Wachsreste aufs Abschlussblech – selbst bei 17-jährigen Modellen. Damit überlebte der Golf II die meisten Konkurrenten aus den 80er Jahren, die schnell verfaulten. Und deshalb sind selbst heute noch rund 1,3 Millionen Golf II zugelassen. Nur ein paar tausend weniger als vom Golf IV. Zulassungsspitzenreiter ist der Golf III mit 1,7 Millionen Stück.

Motor und Super-Gölfe

Keine Rostgefahr und robuste Motoren sind Markenzeichen des IIer-Golf, der am häufigsten mit dem 1,3-Liter Normalbenziner vorfährt (28 Prozent). Der mobilisiert zwar nur 55 Pferdestärken (40 kW), ist damit aber passabel in Stadt und Land unterwegs. Autohändler sprechen von den "Kaffeemühlen", die laufen, solange nur ein Quäntchen Schmierstoff fließt.

Beliebt ist auch der 1,6-Liter, der mit 70 PS (51 kW) deutlich flotter fährt und kaum mehr Benzin verbrennt. Noch zügiger geht es im 1.8 mit 90 PS (66 kW) voran. Wenig Freunde haben die Diesel (15 Prozent Zulassungsanteil) – oder sind die attraktiven GTD-Modelle mit 70 PS und rund sieben Liter Verbrauch schon alle ins Ausland verkauft?

Nach dem Erfolg des ersten GTI gab es natürlich auch in der zweiten Auflage Kraftmodelle. Der GTI startete mit 112 PS, legte im 16V-Modell auf 139 PS zu und erreichte seinen Höhepunkt mit dem G60-Lader und 160 PS. Solange der Lader hielt. Die Super-Gölfe hießen dann "Rallye" (160 PS) und "Limited" (210 PS). Mit dem Allradantrieb syncro, ABS und G-Kat – und so selten, dass sie in keiner Gebrauchtpreisliste jemals auftauchten.

Technik und Kaufempfehlung

Klingt zu gut, um wahr zu sein? Natürlich hat der IIer seine Schwächen. Die Radbremszylinder hinten gehören dazu. Genauso die Achsbuchsen, Bremsschläuche und -leitungen sowie leichter Öl- und Wasserverlust. Aber: Mittlerweile sind selbst jüngste Exemplare knapp zwölf Jahre alt. Die ältesten Modelle können bereits rote Oldie-Kennzeichen tragen (07). Da ist Verschleiß selbstverständlich. Aber gängige Reparaturen kosten kein Vermögen, und fast jeder Tankwart kann noch Hand anlegen. Einfache Technik, einfache Reparaturen. Denn Schweißarbeiten oder Motortausch liegen nur selten an.

Echte Minuspunkte gibt es vor allem in puncto Sicherheit und Umwelt, gemessen am Standard 2004. Der Golf II hat keine Airbags, ABS ist selten, und bei einem NCAP-Crashtest vom ADAC bekam er 2003 nur einen Stern. Auch der serienmäßige G- oder Oxi-Kat kam spät – viele Modelle wurden nachgerüstet. Fazit: Wenn andere Autos altersmäßig in die Presse wandern, ist der Golf II noch ein guter Gebrauchtwagenkauf. Der Verbrauch ist gering, mit G-Kat die Steuer erträglich, einzig die Versicherung kommt teuer – der IIer crasht als Einsteigerauto leider zu häufig.

Reparaturkosten bleiben überschaubar, auch wenn einige Neuteile wie die Hutablage nicht mehr lieferbar sind. Das Angebot ist groß; unbeliebt und billig sind nur katlose Typen, Automatikmodelle und Tuningwagen. Zugreifen sollte man bei Wagen mit Scheckheft aus Rentnerhand inklusive Kat, TÜV und Winterreifen. Nicht zu kriegen? Als Geheimtipp gelten die geschmähten baugleichen Jetta II. Noch 120.000 sind davon zugelassen.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 6/74 Neueinführung des Golf I (Typ 17) als Nachfolger des Käfers 9/83 Wechsel auf Golf II (19E) als 3-/5-Türer: Benziner: 1.3/55 PS, 1.6/75 PS; Diesel 1.6/54 PS. Basispreis (C): 13.490 DM 2/84 GTI (1.8/112 PS), GTD (1.6/70 PS); Stufenheckmodell Jetta 8/84 G-Katalysator optional für 1.8/90 PS 9/87 Facelift: ohne Dreieckfenster vorn, VW-Logo auf Abschlussblech 3/89 "Rallye" (G60/160 PS); 70 Stück "Limited" (G60-16V/210 PS) 9/89 Oxidations-Katalysator für Diesel Serie, G-Kat für Benziner Serie ab 2/90 9/91 Wechsel auf Golf III (1H); Golf II als "Function" bis 12/92

Schwachstellen • Türbleche unterhalb der Schlösser werden beim IIer-Golf oft von Dieben beschädigt. "Panzerplatten" zum Nachrüsten halten die ungebetenen Gäste auf • Bremsschläuche sind in der Regel porös – immer prüfen • Achsbuchsen hinten sind im fortgeschrittenen Alter mürbe und müssen ausgetauscht werden • Türinnenfolien hinter der Verkleidung schrumpfen mit der Zeit – der Innenraum wird ständig feucht, weil Wasser durch die Tür dringt • Zahnriemen müssen beim Benziner alle 90.000 Kilometer gewechselt werden, Wasserpumpe dabei prüfen und ggf. tauschen lassen • Radbremszylinder sind im fortgeschrittenen Alter öfter mal undicht

Reparaturkosten Preise inkl. Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel VW Golf 1.3 CL G-Kat, 40 kW/55 PS, Bj. 1990. Zivile Preise, aber das Beste: Fast jede Werkstatt um die Ecke kann den simplen IIer reparieren, und der Gebraucht- und Zubehörteilemarkt gibt fast alles her.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Die zweite Golf-Generation ist außergewöhnlich langlebig. Das verdankt sie vor allem dem sehr guten Rostschutz. Solide Lenkung, wenig Undichtigkeiten sowie robuste Antriebswellen zählen zu den weiteren Stärken. Typische Verschleißerscheinungen zeigen sich an den Bremsschläuchen, den Achsmanschetten und am Auspuff. Die Motoren sind in der Regel sehr standfest, empfehlenswert sind die kleinen Benziner mit G-Kat und der Turbodiesel." Werner Lyrmann, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung VW Golf II 1.3 CL G-Kat (40 kW/55 PS) ab 1988

Steuer/Schadstoffklasse: 140 Euro im Jahr/Euro 1 (E2) Testverbrauch: Werksangabe 7,3 Liter, gemessen 7,6 Liter (Normal) Versicherung: Vollkasko (10/300 Euro SB): 380 Euro. Teilkasko (15/150 Euro SB): 75 Euro. Haftpflicht (17): 940 Euro (ONTOS-Jahrestarife Berlin, 100 Prozent, 15.000 km/Jahr, 26 Jahre) Inspektion/Kosten: jährlich oder alle 15.000 km, 200 bis 400 Euro Wertverlust: gegen null. Bezahlt wird nach Zustand, Vorbesitzerzahl und Wartungsheft. Alte Faustregel: zwei Jahre TÜV für 1000 Euro

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