VW Golf II 3.2 V6 Turbo mit 650 PS

— 15.05.2008

Auf Biegen und Brechen

Im Vorfeld der Speeddays Alkersleben 2008 zeigen zwei Erfurter Brüder, was ihr 650 PS starker Golf II 3.2 V6 Turbo draufhat. Eine Demonstration der Stärke, die es in sich hat.
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Von Andreas Rogotzki Mit souveräner Gelassenheit schaltet Thomas Fulsche – von Beruf Mechaniker und begnadeter Beschleuniger – Gang für Gang rauf, betätigt den Kippschalter, der den 4Motion-Allradantrieb steuert und tritt beherzt aufs Gas. Was dann passiert, erleben vielleicht Formel-1-Piloten und kühne Zweiradhelden – ich kannte derartige Beschleunigungsorgien bis dato nur vom Hörensagen. Mit unglaublicher Gewalt reißen die Antriebswellen an den Rädern und stemmen dabei die Karosse aus den Federn des KW-Gewindefahrwerks. 650 PS und 820 Nm Drehmoment drücken mich in den Beifahrersitz. Abrupt kommt mir die Geschichte mit dem Geldschein ins Gedächtnis, der aufs Amaturenbrett aufgeklebt ist und beim Beschleunigen ergattert werden will ...
In zehn Sekunden auf Tempo 230
Als Antrieb dient ein 3,2-Liter-V6 Biturbo mit 650 PS und einer Topspeed von 324 Km/h.
Als Antrieb dient ein 3,2-Liter-V6 Biturbo mit 650 PS und einer Topspeed von 324 Km/h.
Der alte Golf ächzt und knarzt so laut, als trennen sich im nächsten Moment Chassis und Aufbau. Dass sich bei knapp 2,0 bar Ladedruck und dem damit verbundenen Vortrieb die komplette Karosse verzieht und die Türen aus den Einstiegen gedrückt werden, ist keine Besonderheit, erklärt Thomas' älterer Bruder Heiko später. Die Tachonadel zeigt 150, 190 dann 210 – nach etwas mehr als zehn Sekunden und 402,34 gefahrenen Metern ist Tempo 230 erreicht! Plötzlich wechselt Thomas Fulsche abrupt vom Gas- auf das Bremspedal. Als die Brembo-Bremszangen sich in die 332-Millimeter-Scheiben beißen, ist ein leichtes Schlingern des Vorderwagens deutlich spürbar. Thomas Fulsch hat Mühe, den Golf auf Kurs zu halten – verzieht dabei nicht eine Sekunde das Gesicht. Im nächsten Moment lenkt er ein, und der Golf läuft in einer scharfen Rechtskurve aus. Das schelmische Grinsen von Thomas gibt über seinen Gemütszustand Auskunft. "Bisher war noch jeder Mitfahrer für einen Augenblick sprachlos", sagt er stolz. Mir bleibt daraufhin nichts anderes übrig, als leicht geschockt mitzulachen.
Golf-R32-Technik trifft durchwachsene Optik
Die Schaltzentrale des Fulsche-Golf wirkt nüchtern und funktionell.
Die Schaltzentrale des Fulsche-Golf wirkt nüchtern und funktionell.
Der alte IIer macht in seiner Hülle eine eher mäßige Figur, niemand käme auch nur im Geringsten auf die Idee, dass unter dem blassgrünen 80er-Jahre-Blechkleid ein echter Dampfhammer schlummert. Fans von großen Alufelgen, Breitreifen und hochwertiger Kreativlackierungen huscht beim Anblick des Golf II lediglich ein müdes Lächeln übers Gesicht. Ihre Show und Shine Krone ist definitiv nicht in Gefahr. Mit einem Schulterzucken bestätigen die Fulsche-Brüder meine Sichtweise: "Uns kommt es nicht auf die Optik an, unsere Genugtuung spielt sich auf der Viertelmeilendistanz von 402,34 Metern ab. Nicht mehr und nicht weniger." Das ihr Über-Golf über eine Straßenzulassung verfügt und schon so manch hochgezüchteter Spoilerbude das Fürchten gelehrt hat, erwähnen beide trotzdem gerne.
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Ein Motorumbau für 43.500 Euro
Bei den Speeddays in Alkersleben (16. bis 18. Mai 2008) wollen die beiden Erfurter ihren Ehrgeiz erneut unter Beweis stellen. Wenn es in der Street-4WD-Klasse (Allrad, schneller als zwölf Sekunden) um den Titel "King of Germany" geht. Technisch jedenfalls sind die Brüder, die die Firma K&M Turbo Technik in Erfurt betreiben, bestens gerüstet. Das 3,2-Liter-V6-Triebwerk ihres Golf II wurde für die stolze Summe von 43.500 Euro umfangreich modifiziert. Neben dem Einbau eines größeren Turboladers wurde in etwa sechmonatiger Bauzeit klassisches Motortuning vom Feinsten betrieben: Eine feingewuchtete Kurbelwelle ersetzt das Serienbauteil, statt der R32-Pleuelstangen kommen exotische Pendants aus den USA zum Einsatz. Und als absolut kurios gilt die Ümrüstung von wartungsarmen Hydrostößel auf mechanische Ventileinstellung. Die Wasser-Alkohol-Einspritzung, die für besseres Ansprechverhalten sorgen soll, rückt unter diesen Umständen ebenso in den Hintergrund, wie der Spezialkrümmer (Stoßaufladung) oder die geänderte Ansaugführung. Um den wahnsinnigen Aufwand zu komplettieren: Das Sechsgang-Getriebe (4Motion-Allrad) verfügt über eine Sachs-Rennportkupplung und eine Brembo-Bremsanlage sorgt schließlich für adäquate Verzögerungswerte.

Besucher der Speeddays Alkersleben 2008 dürfen also gespannt sein, um wie viel Zentimeter sich die Spaltmaße der Fulsche-Golfkarosserie vergrößern. Ich drücke den Brüdern beide Daumen und wünsche allzeit knitterfreies Blech.
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