VW Golf II von Jürgen Lengler

VW Golf II von Jürgen Lengler VW Golf II von Jürgen Lengler

VW Golf II von Jürgen Lengler

— 03.09.2003

Inspiration ist alles

Ein Auto im Internet zu kaufen, ist durchaus normal. Einen Turbo-Golf mit 240 PS im Web zu finden, ist ein Volltreffer und die ideale Basis für diesen Traum-Wagen.

Cleaning statt Schrottpresse

Das Internet ist gar nicht schlecht. Neben einer Unmenge unterhaltsamer Seiten voll mit nackten Mädels gibt es auch noch Websites anderer Themenbereiche. Das wissen die meisten von euch gar nicht, stimmt's? Da gibt es zum Beispiel noch die tollen Online-Automärkte.

Bei einer dieser Börsen fand Jürgen Lengler im vergangenen Jahr die Reste der Tuningambitionen eines Mannes, den die Lust an seinem VW Golf verlassen hatte. Für ganz kleines Geld stand der Zweier, Baujahr 84, zum Verkauf. Einen Golf von 1984 – wer kauft denn so was? Jeder Schrauber mit Grips. Denn in diesem Exemplar schlug bereits ein 1,8-Liter-Turbo-Herz aus einem Audi TT. Jürgen fackelte nicht lang und griff zu.

Eine erste Bestandsaufnahme am Neuerwerb ergab Ernüchterndes. Der Gesamtzustand des VW hätte jedem KfZ-Verwerter veranlasst, die Schrottpresse warmlaufen zu lassen. Nur der Motor war spitze. Das Turbo-Triebwerk mit Ansaugbrücke und Luftführung aus dem 225-PS-TT, G60-Rallye-Ladeluftkühler, Leistungssteigerung und einer MTM-Auspuffanlage in Edelstahl leistet satte 240 PS. So etwas versöhnt.

Porsche Turbo-Felgen in 17 Zoll

"Was soll's?", dachte sich Jürgen und begann mit der Restaurierung. Nur einen Winter veranschlagte der Enthusiast aus Garfling bei Deggendorf für das Projekt. Und bediente sich dafür ausgiebig bei den verschiedensten Autotypen. Jetzt ist er fertig, der Golf – und steht gut da. Schöne Räder, mächtig Tiefgang. Ein KW-Gewindefahrwerk Variante 2, das an der Vorderachse kürzere Rennsportfedern trägt, bringt eine Tieferlegung von 115 Millimeter vorn und 105 Millimeter hinten. Sagt Jürgen. Nachgemessen haben wir nicht. Nicht dass uns wieder Klagen kommen …

Die Räder sind aber weniger eine Auslegungssache als eine echte Ansage: Dreiteilige Porsche Turbo-Felgen in 7,5 und 8x17 Zoll wurden mittels Adaptersystem von SCC angepasst. Dahinter verbirgt sich eine Bremsanlage aus dem Golf G60. Sterne und Schrauben der Turbo-Silberlinge sind verchromt, die Außenbetten hochglanzpoliert.

In neuem Glanz erstrahlt auch die Karosserie. Cleaning – hier ist dieser Begriff zu Hause: keine Blinker, keine Antenne, keine Zeichen und Schriftzüge – noch was? Ja: Wo einst die Nebelscheinwerfer ihren Schein warfen ist alles glatt, die Aussparungen von Auspuff und Abschlepphaken – glatt. Türgriffe gibt es auch nach der Cleaning-Aktion. Nur eben andere. Die von Audi.

Kurze Nummernschilder sind "Pflicht"

Zierleisten hat der Schrauber abgeschafft, das Luftgitter in der Motorhaube hat ausgedient. Statt der Serienware verlässt sich Jürgen auf einen verchromten Bonrath-Einarmwischer. Das Loch für den zweiten Wischer wurde geschlossen. An der Heckklappe fehlt das Regenhelferlein gänzlich. Natürlich wurden nicht nur alle möglichen Teile wegrationalisiert, sondern auch üppig aufgerüstet.

Die Stoßstangen sind ebenfalls aalglatt (inklusive des Frontspoilers) und um die Porsche-Felgen unterbringen zu können, wurden die Kotflügel vorn um drei und hinten um zwei Zentimeter gezogen. Den emblemlosen Grill ziert eine Jetta-Grillleiste an der Unterkante und ein Kamei-Spoiler oben.

Ein Golf II muss kurze Nummernschilder tragen, um Jürgen zu gefallen. Und irgendwie gelang es dem Messtechniker bisher immer, die begehrten "Kurzen" zu ergattern! Beziehungen? Bestechung? Egal. Jedenfalls bestand auch diesmal kein Grund es bei hässlichen großen Kennzeichen-Mulden zu belassen. So könnten wir die Beschreibung noch fortsetzen. Einiges müssen wir weglassen (bei einem drei Seiten langen, kleingeschriebenen Datenblatt), doch den gepflegten Motorraum wollen wir hier gern erwähnen. So soll es sein.

Motorraum ist mehr als aufgeräumt

Das Innenleben des Vorderwagen ist aufgeräumter als ein Spind bei der Bundeswehr. Ganz ohne Spritzwand und ohne Batterie (die steckt jetzt im Kofferraum). Leitungen, Servobehälter – alles, was in einem Motorraum rumfleucht wurde gut versteckt oder neu verlegt. Zusätzlich verwendete Jürgen einen flachen Rennsportlüfter, der sich ganz eng an den Kühler kuschelt. Viele Teile wurden poliert oder verchromt. Hinzu kommt noch ein Luftfilter von K&N und fertig ist das Sahnestück. Klingt simpel, war aber echte Arbeit.

Womit wir bei den Leuchteinheiten des Wolfsburgers wären. Die sind nämlich ebenfalls erste Sahne. Jürgen setzt auf Klarglasware. Vorn und hinten. Der besondere Clou sind dabei nicht etwa die klaren Blinker vorn oder die rot-weißen Rückleuchten.

Es ist die Xenon-Technik der Scheinwerfer, die besondere Anerkennung verdient. Wer kann schon von sich behaupten, mit Mercedes-Benz-Xenon durch die Nacht zu fahren? Okay, da gibt es sicher den einen oder den anderen. Aber Bi-Xenon von einem Mercedes-Benz CL-Coupè? Das hat nun wirklich nicht jeder!

Seidennappa-Leder im Innenraum

Genauso wenig alltäglich ist das Seidennappa-Leder im Innenraum. Es trägt den schönen Namen Magnolia und stammt aus dem neuen A8-Modell-Programm. Der Kofferraum trägt übrigens die gleiche edle Haut. Vom Audi S3 hat sich Jürgen Lengler die elektrischen Sitze "geborgt" und ebenfalls "magnolisiert".

Die Rückbank gehörte mal zu einem Golf III GTI Edition. Serien-Türpaneele? Nicht im Turbo-Golf aus Grafling! Die Doorboards fertigte der Bastler höchstselbst – ohne Aussparungen für Spiegelverstellung oder Fensterheber. Das Auf und Ab der Seitenscheiben steuert man jetzt von der Mittelkonsole aus. Dort "wohnt", in direkter Nachbarschaft, auch eine Ladedruckanzeige.

Damit sind wir mit den inneren Werten noch längst nicht am Ende. Fahrzeughimmel und schwarzer Teppich stammen aus einem Golf G60 Baujahr '90. Geschaltet wird mit einem Golf-IV-Knauf. Als Rarität bezeichnet Jürgen die Happich Ausstellfenster hinten. Garantiert selten ist aber eine Heckscheibe ohne Heizdrähte. Schließlich verzichtet Jürgen auf den Winterbetrieb.

Technische Daten im Überblick

Wäre auch schade um den Golf mit edlen Zutaten von Audi, Mercedes-Benz, Porsche und Citroën. Den Franzosen verdankt der Zweier nämlich seine coole Farbe. Von welchem genau, verraten wir nicht. (Vielleicht gegen fette Schecks?) Die Cleveren unter euch wissen es sowieso schon.

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