VW Golf II von Maik Kallenbach

Golf II von Maik Kallenbach (2007) Golf II von Maik Kallenbach (2007)

VW Golf II von Maik Kallenbach

— 11.05.2007

Macht hoch die Tür

In der Youngtimer-Szene wird der Golf II momentan als Geheimtipp gehandelt. Noch gibt es sehr gut erhaltene Exemplare zu überschaubaren Preisen. Doch diese Tatsache ruft auch Freunde extremer Umbauten auf den Plan. Sie sind ebenfalls begeistert von einer rostfreien Substanz, von einem Auto also, das es nicht erst zu restaurieren gilt, bevor man ihm Flügel verleiht!

1999 kaufte sich Maik Kallenbach einen Golf GTI 16V Edition One. 20 Lenze zählte er damals und in diesen jungen Jahren hat man weder Respekt vor dem Alter, noch kommt man auf die Idee, einen gebrauchten VW als technisches Kulturgut zu betrachten. Diesem Umstand ist zu verdanken, dass der Wagen heute ein leuchtendes Beispiel dafür abgibt, was die Generation Golf zu leisten vermag. Vergessen Sie also, was Ihnen das Fernsehen als GTI-Fans präsentierte. Maik Kallenbach ist ein begeisterter Anhänger des VW-Bestsellers, fuhr den Golf aber nur im Sommer – im Winter reifte das Gefährt zum automobilen Juwel.

Der Schrauber kaufte einen VR6-Motor, dessen Hubraum durch Erweiterung der Bohrung und den Einsatz größtmöglicher Kolben auf knapp drei Liter anwuchs. Die Krönung allerdings stellt ein bearbeiteter Spezialzylinderkopf von Schrick dar. Er brachte spezielle Ventile, doppelte Ventilfedern, starre Stößel und Sportnockenwellen mit sich. Dazu gab es einen Fächerkrümmer nebst Gruppe-A-Rohrwerk und -Schalldämpfern. Selbstverständlich wurde das elektronische Motormanagement den neuen Gegebenheiten angepasst, sodass jetzt circa 210 PS auf das von einem Corrado VR6 stammende Fünfganggetriebe einwirken. Selbstredend bedurfte der hochkarätige Antriebsstrang einiger Verankerungen, die beim Golf II ab Werk nicht vorhanden sind.

Raum ist in der kleinsten Hütte: 6 Zylinder im Golf II

Der Golf II von Kallenbach weist umfangreiche Karosseriearbeiten auf.

Nachdem das Schweißgerät bereits aktiv war, verschwanden nebenbei 39 überflüssige Bohrungen im Maschinenraum. Die Spritzwand flog raus; die Fahrgestellnummer nahm im Boden neben dem Beifahrersitz Platz. Auch der Heizungskühler wanderte in den Innenraum. Sein Gebläse saugt Frischluft über die modifizierte rechte A-Säule an, denn der serienmäßige Lufteinlass in der Motorhaube entfiel im Zuge der Verlängerungsarbeiten an diesem Bauteil. Auch fahrwerkstechnisch hat sich einiges getan. Die Achsen des Zweiers wurden der nächsten Generation Golf entnommen, woraus unter anderem die Radanbindung im Lochkreis 5x100 resultierte. Ein Federnsatz reduzierte die Bodenfreiheit um acht Zentimeter. Gelbe Koni-Dämpfer in Rebound-Ausführung sorgen für den sicheren Bodenkontakt der 205/40er-Reifen, die in den Betten von Oxigin-1-Alus vom Format 7,5x17 ET 35 liegen.

An der Hinterachse sind 30 Millimeter starke Spurplatten zwischen Bremsscheiben und Rädern verschraubt. Über der Hinterachse wurden Radläufe vom Golf I verschweißt. Vorn trieb man das Originalblech nach außen. Zudem wurden Audi-Türklinken statt der üblichen Golf-Griffe verbaut, die Regenrinnen beseitigt sowie das Heck von jeglichem "Unrat" befreit.

Die Verbreiterung der Karosserie ließ sich nicht vermeiden

Die Verstärkungen an der A-Säule und an den Türen halten die Flügel.

Die Außenhäute der Türen wurden vorübergehend entfernt, um einen Stahlrahmen einsetzen zu können, der die Türscharniere trägt. Sie sind innenliegend verbaut, weshalb auch Formveränderungen und eine Verstärkung an den A-Säulen erforderlich waren. Zwei Gasdruck-Lifts heben die Türen selbsttätig an, sobald sie etwa zehn Zentimeter weit geöffnet sind. Auch die Kotflügel mussten sich chirurgische Eingriffe gefallen lassen. So entstanden das perfekte, zackige Spaltmaß und die eigenwillige Frontansicht. Die Xenon-Scheinwerfer sind vom Corrado. Sie zogen den Einbau einer Scheinwerferreinigungsanlage nach sich. In den Scheinwerfern übernahmen geprüfte Zubehörteile die Blinkfunktion. Die Möbel des Edition One hat der Fahrzeugeigentümer nebst Tür und Seitenverkleidungen mit naturgegerbtem Leder bezogen. Auf den Recaros sitzend, hat man Corrado-Armaturenbrett und -Mittelkonsole direkt vor Augen. Klasse ist der eigenhändige Griff ins 30er-Victor-Sportlenkrad. Musikalisch begleitet einen hier ein Pyle-DVD-Radio, das bei Bedarf Filme auf die vor dem Schalthebel stehende Sieben-Zoll-Leinwand projiziert. Für den guten Ton sorgen dabei ein Zweiwegesystem vorn, ein Dreiwegesystem hinten sowie ein 30er-Subwoofer, der einem Ersatzrad keine Chance mehr lässt. Die dazugehörigen Verstärker verstecken sich im lederbezogenen GFK-Kofferraumausbau.

Momentan steht die Installation eines Airride-Fahrwerks und die Umstellung auf 18-Zoll-Räder an. Darüber hinaus ist der Einbau eines Kompressors geplant, mit dem die 300-PS-Marke keine Hürde mehr darstellt. Trotzdem gedenkt der handwerkliche Überflieger Maik Kallenbach auch weiterhin auf dem Boden zu bleiben!

Autor: Helmut Horn

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