VW Golf III VR6 (1991-1998)

Gebrauchtwagen VW Golf VR6 Gebrauchtwagen VW Golf VR6

VW Golf III VR6 (1991-1998)

— 01.09.2003

Ein gespanntes Verhältnis

Golf VR6 – für viele jahrelang ein Traumwagen. Erst jetzt purzeln so langsam die Preise. Ein billiges Vergnügen wird der Luxus-Golf trotzdem nie.

Preis und Marktgeschehen

Ein Golf mit Sechszylinder, Luxus-Ausstattung und edlem Auftritt – wer heute über 30 Jahre zählt, kann sich gut an den ersten VR6 erinnern. Das Auto war wie geschaffen für die gerade mit Führerschein ausgestattete Generation Golf, doch 40.300 Mark waren eine schwere Hürde. Zu schwer – und so blieb ein abgeorgelter Golf I der Alltagswagen und der VR6 ein Traum.

Mit den Jahren passte sich der Preis für gebrauchte VR6 schmaleren Brieftaschen an. Unser Testwagen aus 96 steht mit etwa 6000 Euro in der Liste. Wer kalkuliert, sollte auf die teure Haftpflichtversicherung (Klasse 21) und den heftigen Kraftstoffverbrauch (selten unter 12 Liter Super) achten. Die gängigsten Verschleiß- und Ersatzteile sind meistens teurer als für andere Golf-Motorisierungen.

Der VR6 sieht zwar auf den ersten Blick wie ein normaler Golf aus, die Unterschiede im Detail (Fahrwerk, Bremsen, Getriebe) sind aber zahlreich. Selbst mit viel Geld geht bei VW nicht alles, denn einige Ersatzteile sind bereits heute nicht mehr lieferbar. Wo das Werk versagt, wird die Szene aktiv. Gebrauchte VR6-Motoren sind der Renner am Teile-Markt, Unfallwagen gelten als begehrt. Begnadete Hände schaffen es, den VR6 in zahlreiche Modelle einzupflanzen. Vom Golf II bis zum Golf IV Cabrio – Bastler kennen kein Pardon.

Motor und Technik

Ob 2.8 oder 2.9 – beide VR6- Motoren haben ein großes technisches Problem, das VW bis heute nicht lösen konnte: die Kettenspanner der Steuerkette. Lässt die Spannkraft nach, beginnt der Motor laut zu rasseln. Damit ist erst Schluss, wenn entweder der Kettenspanner erneuert wurde oder die überspringende Kette einen Motorschaden verursacht hat. Ein nagelneuer Motor ist nicht mehr lieferbar, VW kann nur noch mit aufbereiteten Austauschteilen dienen.

Mit Fahrspaß geizt der schnelle Golf nicht, doch bei diesen technischen Problemen will ein Gebrauchtwagenkauf sehr gut überlegt sein. Kaum ein VW wurde so häufig getunt wie der Golf VR6. Beliebt waren vor allem Abt und Nothelle. Ben Arnold, Experte von AUTO BILD test&tuning, gibt aber zu bedenken, dass die Qualität der Tuner zu dieser Zeit oft in den Kinderschuhen steckte. Von Fahrzeugen mit Leistungssteigerung raten wir daher ab. Lieber empfehlen wir einen Original-Golf, dessen Verkäufer die gängigsten Problembereiter wie Wasserpumpe, Thermostat und Kupplung in der jüngeren Vergangenheit getauscht hat.

Zu den motortypischen Leiden kommen sämtliche Golf-III-Krankheiten dazu. Also abfallende Kunststoff-Teile im Innenraum, ständig Probleme mit elektrischen Fensterhebern und Schiebedach. Natürlich vermerken auch bei diesem VW die TÜV-Prüfer bei der Hauptuntersuchung poröse Bremsschläuche im Protokoll. Doch selbst gegen diese Kinderkrankheit gibt es von VW nach elf Jahren keine echte Abhilfe – erneuter Ärger in zwei, drei Jahren ist vorprogrammiert.

Qualität und Ausstattung

Stellt sich bei all diesen Schwachstellen die Frage, ob so ein Auto wirklich empfehlenswert ist. Ein Vernunftkauf ist der VR6 keinesfalls. Daran ändert auch wenig, dass die Preise stabil sind und ein Top-Exemplar nicht lange auf seinen Käufer warten muss. VR6-Fahrer sind meist handwerklich begabt und empfinden Arbeiten am Wagen mehr als Hobby, nicht als Belastung. Welchen nehmen? Der Variant mit Sechszylinder und Allrad gilt als seltenes Ereignis, kompakte Ausführungen dominieren den Markt.

Da der Trendsetter VR6 immer schon gerne mit Extras überhäuft wurde, sind vier Türen an der Tagesordnung, zwei Türen ziemlich selten. Die Wahl ist eine Geschmackssache, dies gilt auch für den Hubraum. Der 2,8-Liter ist nicht anfälliger als der 2,9er. Bei Letzterem sind nur die Getriebeschäden häufiger. Mag sein, dass das am erhöhten Drehmoment liegt. Den Syncro mit permanentem Allrad gibt es nur mit 2,9-Liter. Was der Motor mehr an Leistung bietet (plus 16 PS), schluckt der Antriebsstrang. Fans greifen deshalb lieber zum Frontantrieb und achten auf Extras wie Leder, Klimaanlage und möglichst unbeschädigte Original-Aluminiumfelgen.

Die letzten beiden Baujahre sind empfehlenswerter als die ersten Fahrzeuge. Denn die Verarbeitung wurde besser, und ab 94 sorgte eine "renovierte" Motorelektronik mit neuer Drosselklappe und leicht geändertem Luftmengenmesser für einen ruhigeren Lauf. Trotz des ganzen Ärgers, den man sich mit einem VR6 einhandeln kann, ist eines gewiss: Bei guter Pflege gibt es in Zukunft deutlich mehr Fahrspaß als Wertverlust.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/91 Einführung des Golf VR6 mit 2,8 Liter Hubraum und 128 kW/174 PS. Serienmäßig an Bord: ABS, Bordcomputer, Scheibenbremse vorn und hinten 8/93 Sondermodell VR6 Highline mit BBS-Felgen "Solitude", Lederausstattung, beheizbaren Vordersitzen, Klimaanlage 9/94 Sondermodell Colour Concept mit Recaro-Sportsitzen, Sonderlederausstattung (Teile in Wagenfarbe) 11/94 Einführung VR6 Syncro, Leistung 140 kW/190 PS, auch als Variant lieferbar. 8/97 Produktionsende, bis 3/98 Syncro Variant gebaut

Schwachstellen • die Scheibenbremse an der Hinterachse zeigt am Prüfstand nicht selten Schwächen • ebenfalls schwach ist die Verarbeitung, irgendetwas scheppert immer; Kunststoffteile fallen häufig ab • Motorschäden finden ihre Ursache meist im Kettenspanner • die Kupplung bei den 2,9-Liter-Motoren gilt als nicht besonders haltbar • elektrische Fensterheber und Schiebedächer nervten schon zahlreiche Leser mit Fehlfunktionen • wackelige Sitze und spröde Bremsschläuche sind typische Golf-Leiden – auch der VR6 bleibt davon nicht verschont • die Auspuffanlage rostet rasch, dafür ist die Karosserie bei unfallfreien Fahrzeugen meist frei von Durchrostungen. Korrosionsspuren finden sich gelegentlich an der Heckklappe

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel VW Golf VR6 G-Kat, 128 kW/174 PS. Wer sich für diesen Wagen entscheidet, sollte besser über geschickte Hände, eine große Garage und genügend Bargeld verfügen. Der VR6 dankt es mit Fahrfreude.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Der Golf zeigt bei unseren Hauptuntersuchungen ein breites Schwachstellenspektrum. Probleme bereiten wiederholt die beiden Achsen, nach sieben Jahren bemerken unsere Prüfer auch Schwächen der Fußbremsenwirkung. Die Bremsschläuche beanstanden wir in allen Jahrgängen. Gut vorgesorgt hat VW bei Rostschutz, hier ist der Golf stets besser als der Durchschnitt aller von uns geprüften Fahrzeuge aus vergleichbaren Baujahren." Gunnar Dahm, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung VW Golf VR6 (128 kW/174 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 172 Euro im Jahr/Euro 2 Testverbrauch: Werksangabe 9,7 Liter, gemessen 13,5 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (26/500 Euro SB): 1994,11 Euro. Teilkasko (38/150 Euro SB): 700,78 Euro. Haftpflicht (21): 1102,64 Euro (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 150 bis 300 Euro Wertverlust: Gut gepflegte Golf VR6 halten ihren Preis. Verluste sind hingegen bei Tuning-Autos zu befürchten

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