VW Golf IV Variant (ab 1999)

Gebrauchtwagen VW Golf IV Variant Gebrauchtwagen VW Golf IV Variant

VW Golf IV Variant (ab 1999)

— 26.01.2005

Der Diesel soll es sein

Wenn Golf IV, dann möglichst als Kombi mit TDI. Für große Zuverlässigkeit bürgt diese Kombination allerdings nicht.

Qualität und Wartung

In Sachen Marketing macht ja den Wolfsburgern kaum einer was vor. Wer es nicht glaubt, sollte sich mal im Straßenverkehr umsehen: Deutschland steht auf den Golf IV, wenn möglich mit TDI-Motor, gern auch mit Kombi-Heck. Ob Tanzmusiker auf Tour oder Pannenhelfer bei der Arbeit – alle schätzen den Golf Variant. Dabei ist die vierte Generation deutlich anfälliger als ihr Ruf.

Der Golf war stets führend bei Verkaufszahlen, doch in Sachen Zuverlässigkeit sieht er die Spitze nur aus großer Entfernung. Die Qualität im Detail – vor allem im Innenraum – wurde zwar nach 2002 wesentlich verbessert, dafür blieben Tausende Golf mit defekten Luftmassenmessern liegen. Erst als wir die Wolfsburger massiv mit den Problemen unserer Leser konfrontiert hatten, wurden sie kulant.

Ein weiterer Krisenherd ist der Zahnriemen. Bei Kilometerstand 60.000 steht ein Austausch auf dem Plan, der möglichst einzuhalten ist. Sonst droht ein Zahnriemenriß, der einen kapitalen Motorschaden bewirkt. Wer sich nicht selber belügen will, berücksichtigt die erfoderlichen 800 Euro für den Riemenwechsel in der Kostenrechnung – und schon sieht er den ach so wirtschaftlichen Diesel unter einem ganz anderen Licht.

Elektrik und Antrieb

Tragisch ist die Unzuverlässigkeit der Fenster-heber: Allein 243 Leser meldeten uns Defekte. Ein Erlebnis für jeden Betroffenen, da die elektrischen Helfer selten in der heimischen Garage ihre Arbeit einstellen. Nachts, bei Regen und fern der Heimat entspricht da eher den Berichten unserer Leser.

Doch der Fensterheber ist nicht die einzige Strom-Schwachstelle: Bestens bekannt sind auch die zahlreichen Warnleuchten im Cockpit, die nicht selten einen Defekt im Airbagsystem und dem ABS anzeigen. Dann hilft selbst dem ambitionierten Freizeitschrauber nur ein Termin in der Werkstatt, denn in diesen Fällen ist der Fehlerspeicher mittels Computer auszulesen. Das gilt auch für Systemstörungen des ESP, ein weiterer Dauerbrenner unserer Leser. Doch hier sind meistens nur Sensoren defekt, verhältnismäßig günstige Teile.

Weniger günstig ist das Schaltgetriebe, das mit dem hohen Drehmoment der Diesel seine Probleme hat. Probleme bedeutet in diesem Fall soviel wie Totalschaden, also Austausch. An dieser Stelle wollen wir dem Golf aber die Stange halten: Vor allem der TDI wird häufig getunt, und eine Leistungssteigerung bewirkt nicht selten eine Verkürzung der Getriebe-Laufleistung. Wenn wir an dieser Stelle schon über den Motor sprechen: Auch hier häufen sich Schäden, vor allem bei den TDI mit Pumpe-Düse-System. Kein billiges Vergnügen. Ein 115-PS-TDI-Austauschmotor kostet knapp 4400 Euro. Und die Chancen, daß ein neuer Motor gebraucht wird, stehen nicht schlecht.

Stellt sich nur die Frage, warum der Golf trotzdem so beliebt ist. Sind es die hochwertigen Materialien im Innenraum? Das typische, zeit- und klassenlose VW-Design? Der geringe Wertverlust? Spätestens als unser Golf IV Variant TDI, ein Dauertest-Kandidat mit nachgerüstetem Partikelfilter, gestohlen wurde, haben wir uns die Frage selber gestellt – und keine wirklich befriedigende Antwort gefunden. Deutschland ist halt Golfland. Und ein wenig Patriotismus kann in diesen Zeiten ja auch nicht schaden, oder?

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/97 Vorstellung des Golf IV mit Benzinmotoren von 1,4 bis 2,3 Liter (75 bis 150 PS) und drei 1,9-Liter-Dieselmotoren (68 bis 110 PS) 3/99 Debüt Golf Variant. Neuer 2,0-Liter-Benziner (115 PS) schafft als erstes Triebwerk die Abgasnorm Euro 4 4/99 Neuer Pumpe-Düse-Diesel (115 PS) mit Sechsganggetriebe und serienmäßiger Antriebsschlupfregelung. 1,8-Liter-Benziner (125 PS) entfällt 9/99 ESP serienmäßig bei allen Modellen mit Euro 4

Schwachstellen • die Scheinwerfer punkten zwar mit ihrer Funktion, allerdings sammelt sich recht häufig Wasser zwischen Scheibe und Reflektor • die Verarbeitung der Fahrzeuge bis Baujahr 2002 ist teilweise mangelhaft, wie beständiges Scheppern und Klappern bestätigen • eine große Schwachstelle ist die Elektrik. Hier nerven vor allem defekte Fensterheber, die Zentralverriegelung oder ein Sensor störte die Funktion von ABS und/oder ESP • das Getriebe fällt vor allem bei den drehmomentstarken TDI-Modellen mit seiner kurzen Lebenszeit negativ auf • wird der Zahnriemen nicht nach der vom Hersteller vorgesehenen Kilometerleistung getauscht, riskiert man einen teueren Motorschaden.

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel VW Golf IV Variant, 85 kW/115 PS, Baujahr 2001. Gute Nachricht: Viele Teile gibt es billig im Austausch. Weniger gut: Billig sind sie deshalb noch lange nicht, wie die Lichtmaschine eindrucksvoll zeigt.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Der Golf IV ist zwar kein Anwärter für Spitzenplätze in der TÜV-Statistik, doch immer noch besser als der Durchschnitt aller geprüften Fahrzeuge dieser Altersgruppen. Eine echte Problemstelle hat die Bremsanlage mit der Wirkung der Fußbremse der Dreijährigen, alle anderen Zahlen für Achsen, Lenkungsspiel und die Auspuffanlage sind im grünen Bereich. Wirklich vorbildlich gelungen ist die Rostvorsorge, beide Jahrgänge erhalten die Bestnote." Werner Lyrmann, Gutachter TÜV Rheinland Group

Modellempfehlung VW Golf IV TDI Variant (66 kW/90 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 294 Euro im Jahr/Euro 3 Testverbrauch: Werksangabe 4,9 Liter, gemessen 6,3 Liter (Diesel) Versicherung: Vollkasko (16/500 Euro SB): 776 Euro. Teilkasko (33/150 Euro SB): 296 Euro. Haftpflicht (15): 856 Euro (Basis: ONTOS-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 150 bis 300 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 36 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 1100 Euro Verlust

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