VW Golf Sportsvan 1.4 TSI im Dauertest

VW Golf Sportsvan 1.4 TSI Highline: 100.000-Kilometer-Dauertest

— 08.06.2017

Dieser Golf ist Spitze – und fährt weiter!

Herzensbrecher sehen anders aus als der Golf Sportsvan, aber dieser VW ist endlich zuverlässig. Na also, geht doch, Wolfsburg.

"Sportlich ist nur, dass er viele Sporttaschen packt." Zugegeben, nicht die freundlichste Art, wie Mario Pukšec, Chef vom Dienst und Hobby-Rennfahrer, den neuen Dauertester empfing – bloß weil VW dessen Namen tiefergelegt hat: Golf Sportsvan. Pfui, Mario, denn hinter frischen Kanten und forschem Gesicht steckt eigentlich ein alter Bekannter: der Golf Plus. Pummeliger Traum aller Rentner, Inbegriff der Langeweile und Image-Altlast für den neuen Sportsvan, der sich zwischen alle Stühle setzt: höher als ein Kombi, kompakter als ein Van, so trat der 150 PS starke 1.4 TSI mit Direktschaltgetriebe zum 100.000-Kilometer-Marathon an. Es war vor allem dieser Antrieb, der eine gehörige Portion Skepsis mitfahren ließ, nachdem zuvor ein gleich motorisierter Golf über 200.000 Kilometer mit der Note 3– enttäuscht hatte.

Gebrauchtwagensuche: VW Golf Sportsvan

Bei vier Personen mit Urlaubsgepäck kapituliert der Sportsvan

Video: VW Golf Sportsvan

Das Beste aus zwei Welten

Doch der Sportsvan lief vom Start weg überzeugender. "Gute Sitze, viel Platz, sehr guter Komfort und vor allem: endlich mal schön übersichtlich," schrieb Kollege Wilfried Kock ins Fahrtenbuch. Das "Rundum-sorglos-Auto" ist kein Kurvenfreund und wird auf der Autobahn trotz flottem Topspeed nur ungern vorbeigelassen, weil niemand hinter dem hohen Aufbau hinterherfahren will. Aber der bringt nun mal den größten Vorteil dieses Golf-Ablegers – den Kofferraum. Variabel und wandelbar, wie es besser kaum geht, finden ihn einige Tester überraschenderweise "für vier Personen mit Urlaubsgepäck zu klein". Was stimmt. Von maximalen 1520 Litern bleiben bei besetzter Rückbank nur 590 Liter über. Aber was heißt hier nur? Der "normale" Golf hat 380 Liter, ein Tiguan 520, der Golf Variant 605 Liter. Erst der Touran packt mehr: 834 Liter, wenn er als Fünfsitzer im Einsatz ist. Der Vergleich zeigt, was der Sportsvan im tiefsten Inneren ist: ein rollender Kompromiss. Und zwar ein guter. Er bietet hohes Sitzen und Überblick ohne das Machogehabe eines SUV, ist geräumig und variabel wie ein Van, ohne zum Schiff auszuarten – für viele Senioren die eierlegende Wollmilchsau auf Rädern. Die Tester monierten dagegen die instabile Bluetooth-Verbindung, die starken Lichtreflexionen des Klavierlacks oder die fummelige Bedienung des Touchscreens. "Statt Annäherungssensor hätte ich lieber Stauinfo in Echtzeit", notierte Klassik-Redakteur Martin Puthz. Kleinigkeiten in diesem Stressless-Sessel, genau wie die spät einsetzende Wasserzufuhr beim Scheibenwischer.
Mehr zum Thema: Die Dauertest-Rangliste mit allen Testergebnissen

Klagen übers DSG reißen nicht ab

Das Turboloch und die Gedenksekunde des Getriebes addieren sich zum Schlaf-Schock-Trauma: Gas, erst Tiefschlaf, dann rums und Rennstart.

Beim Rappeln aus dem Antrieb (Kilometerstand 36.620) wurden wir hellhöriger, denn Klagen übers DSG begleiten den Sportsvan wie Mücken auf der Frontscheibe. "Beim Anfahren sehr ruppig, ruckelig beim Rangieren, vor allem im Start-Stopp-Modus", so Tester Henning Klipp. Das Turboloch des TSI und die Gedenksekunde des Getriebes addieren sich zum Schlaf-Schock-Trauma: Gas, erst Tiefschlaf, dann rums und Rennstart. Da half nur, den Gasfuß zu erziehen. Klar, der tiefenentspannte Sportsvan schreit geradezu nach einer Getriebeautomatik (bestellt knapp die Hälfte aller Sportsvan-Käufer). Leider bekommt VW es nicht hin, dem Doppelkupplungsgetriebe den Anfahrkomfort einer Wandlerautomatik in die Software zu diktieren. Was die Kunden allerdings auch nicht beanstanden, sagt zumindest VW. Auch der AUTO BILD-Kummerkasten meldet beim Sportsvan zu diesem Thema: keine Leserpost. In unserem Postfach fanden sich nur wenige, leichte Einzelfälle aus der Zeit des Modellanlaufs Ende 2013/Anfang 2014. Ein faltiger Sitzbezug, eine unsaubere Schweißnaht – nichts, was sich auffällig häuft oder auf einen Schwachpunkt der Konstruktion hinweist.
Überblick: Alles zum VW Golf Sportsvan

Der Sportsvan ist der beste aller Dauertest-Golf

Während des Dauertests sammelt der Golf Sportsvan wei Fehlerpunkte zusammen. Dafür gibt's die Note 1 – Glückwunsch!

Warum können wir so ausgiebig darüber reden? Weil der Sportsvan seine Kilometer problemlos abspulte. Er ist der beste von zehn Gölfen, die bei AUTO BILD seit 1986 im Dauertest fuhren (inklusive Ablegern wie Cabrio und Variant). Allerdings ist der Westentaschen-Van auch der teuerste. Schon beim Grundpreis von 30.050 Euro bekommt mancher Kaufinteressent Schnappatmung. Hat er sich darüber beruhigt und verliert sich in den Fallstricken der Preisliste, kommt er leicht auf die 40.253 Euro für unseren Testkandidaten: ein üppiges Highline-Exemplar mit Annehmlichkeiten wie Xenonscheinwerfern mit "Dynamic Light Assist" (sehr empfehlenswert), der drahtlos beheizbaren Frontscheibe (toll), adaptiver Fahrwerksregelung DCC (ein Muss nur für Vielfahrer) und, und, und ... Der üppige Preis wird bisher zum großen Teil durch Qualität gerechtfertigt. Zwar ist der VW am Dauertestende einen Hauch lauter und durstiger (0,6 Liter im Testschnitt) geworden, aber ausgefallen ist er nie. Nach gut 90.000 Kilometern gab es frische Bremsscheiben und -beläge für die Vorderachse (572,75 Euro), doch neben den drei vorgeschriebenen Servicestopps keine zusätzlichen Werkstattkosten. Wir notieren: Zwei Fehlerpunkte für leichte Rostansätze und das ruckelnde Direktschaltgetriebe ergeben als Note eine 1.

Jetzt stehen die nächsten 100.000 Kilometer an

Was die anfängliche Skepsis über die Zuverlässigkeit des Antriebs zumindest besänftigen kann. Fürs Erste, denn der kompakte 1.4 TSI machte nach 134.000 Kilometern Theater. Also Anfrage an VW: Wie wär's mit einer Verlängerung des Dauertests? Es folgten ausgiebige Proberunden mit Wolfsburger Technikern sowie die bei AUTO BILD übliche tiefgehende technische Untersuchung. Zusammen mit den DEKRA-Spezialisten der Abteilung "Sondergutachten" rückten wir dem Kandidaten auf und unters Blech. Schauten in Schwellern, Längsträgern und Türen nach dem Rechten, drangen per Endoskop bis an die Ventile in den Motor hinein. Die Mechaniker standen schon zur Demontage bereit, da fiel das Urteil: WOB-PR 232 fährt weiter. Jetzt sind 200.000 Kilometer die neue Ziellinie. Und als Messlatte gilt die 2+, die eine Mercedes A-Klasse über diese Distanz erzielt hat. Denn Autos bauen können sie bei VW – und jetzt wird sich zeigen, ob der tornadorote Sportsvan auch hält, was er bisher versprach.

In der Bildergalerie erfahren Sie, was während des Tests außerdem aufgefallen ist.

VW Golf Sportsvan 1.4 TSI Highline im Dauertest

Wertung: VW Golf Sportsvan
Fehlerpunkte max.
Zuverlässigkeit
Liegenbleiber 0 x 15 0
Motor-/Getriebeschaden 0 x 15 0
Defekte Antriebs-/Funktionsteile 0 x 5 0
Zusätzlicher kurzer Werkstattbesuch 0 x 3 0
Zusätzlicher mehrtägiger Werkstattaufenthalt 0 x 5 0
Defekte und Sonderarbeiten (Radio/Navi/Flüssigkeiten etc.) 0 x 2 0
Defekte Kleinteile (Lampen etc.) 0 x 1 0
Langzeitqualität (aus Demontage)
Karosserie (Konservierung, Lack, Teppiche, Verkleidungen) 0–5 1
Motor (Leistung, Dichtigkeit, Ablagerungen, Laufspuren) 0–5 0
Getriebe (Dichtigkeit, Abrieb, Zustand, Kupplung) 0–5 0
Abgasanlage (Zustand, Kat, Aufhängung, Abschirmbleche) 0–5 0
Fahrwerk (Achsen, Federung, Lenkung, Befestigung) 0–5 0
Elektrik (Kabel, Stecker, Steuergeräte, Sicherungen) 0–5 0
Alltagswertung/Fahren
Ergibt sich aus den Eintragungen im Fahrtenbuch 0–10 1
Gesamtpunkte 2
Note: 1
0 Punkte: 1+; 1–4 Punkte: 1; 5–8 Punkte: 1-; 9–12 Punkte: 2+; 13–16 Punkte: 2; 17–20 Punkte: 2-; 21–24 Punkte: 3+; 25–28 Punkte: 3; 29–32 Punkte: 3-; 33–36 Punkte: 4+; 37–40 Punkte: 4; 41–44 Punkte: 4-; 45–48 Punkte: 5+; 49–52 Punkte: 5; 53–56 Punkte: 5-; ab 57 Punkte: 6.

Autor:

Manfred Klangwald

Fazit

Ausgemeckert: Vor knapp einem Jahr haben wir nach dem ausgezeichneten Resultat für einen Kia Sportage (Note 1) geunkt, dass fast nur Asiaten Spitzenergebnisse einfahren. Und jetzt? Audi an der Spitze, VW direkt dahinter, Mercedes mit der V-Klasse in den Top Ten. Läuft, oder? Mit dem Sportsvan sogar in die Verlängerung!

Autoren: Manfred Klangwald, Joachim Staat

Stichworte:

Kompaktklasse

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung