VW Jetta II (1984-1991)

Gebrauchtwagen VW Jetta II Gebrauchtwagen VW Jetta II

VW Jetta II (1984-1991)

— 25.02.2002

Eine Stufe besser

Weniger geliebt, trotzdem gut behandelt: Der VW Jetta ist meist besser in Form als seine Golf-Geschwister.

Motor und Qualität

Der VW Jetta ist ein Imageträger. Zum Leidwesen der Marktstrategen nicht von der gewünschten Sorte. Denn der Golf mit Stufenheck sah für die meist jungen Käufer in der Kompaktklasse zeitlebens zu bieder aus und wurde als Rentnerauto verspottet - auch ein Image.

"Aussehen ist nicht alles, innere Qualitäten hat er mehr als genug", formulierten die Wolfsburger verbissen in ihren Katalogen. Denn in den TÜV-Reporten der achtziger Jahre schnitt der Rucksack-Golf stets besser ab als der technisch fast identische Bestseller Golf. Kurios, erstaunlich, mysteriös? Keineswegs. Gerade die geschmähten Pensionäre mit dem klassischen Limousinen-Geschmack pflegten ihren VW oft besser als die junge Golf-Klientel. Harmonischerer Fahrstil, Garagenparkplatz und regelmäßige Inspektion lassen viele Jetta selbst im zweiten Lebens-Jahrzehnt noch gut aussehen.

Wie unser Testmodell von 87, typisch in Goldmetallic und mit der am liebsten gewählten 1,6-Liter-Maschine. Die hatte ursprünglich 75 PS ohne Kat, ungeregelt 72 und mit G-Kat 70 PS. Beide Kat-Typen begnügen sich mit acht Liter Normalbenzin, das katlose Modell braucht die gleiche Menge Super. Kaum sparsamer, doch ungleich zäher läuft die 55-PS-Version, sportlich-teuer wird es mit dem 1,8-Liter-Triebwerk. Das leistet zwischen 84 und 129 PS (16V), klettert in Teilkasko und Haftpflicht fast auf Porsche-Niveau. Rückschlüsse auf abnehmendes Fahreralter bei zunehmender Leistung sind erlaubt.

Technik und Karosserie

Diesel? Gab es als Sauger und Turbo, sind aber echte Raritäten. Alle Motoren sind allerdings als Dauerläufer bekannt, sofern der Zahnriemen regelmäßig gewechselt wurde. Nur die Ventildeckeldichtung ist oft nass, wie am Test-Jetta. Weitere Leckagen finden sich von unten, meist am Simmerring der Schaltwelle und am Servoschlauch, wenn der Erstbesitzer die Lenkhilfe mitbestellte. Undicht sind auch immer mal die Wasserpumpen, seltener die Ausgleichsbehälter.

Kritisch wird es erst bei den Bremsschläuchen, die im aktuellen TÜV Auto-Report/AUTO BILD Spezial 99 überdurchschnittlich häufig bemängelt werden. Oft sind sie porös oder angescheuert, im schlimmsten Fall blasig oder sogar undicht. Beim Blick aufs Bodenblech fallen am Testobjekt deutliche Rostspuren auf. Nicht lackierte Teile, sondern die Achskörper, Radaufhängungen und Verschraubungen zeigen braune Flecken. Durchgegammelt ist noch nichts. Wer beizeiten nachbehandelt, spart in einigen Jahren teure Tauschteile.

Seit langem bekannt sind die rostanfälligen Auspuffanlagen. Der Endtopf unseres 87er Modells wurde bereits ausgewechselt, jetzt ist das Mittelstück um den U-Kat herum undicht. Angegriffen ist auch der Bremskraftbegrenzer. Rostet er ganz fest, fällt seine regulierende Wirkung aus, die ein Überbremsen unter Last verhindert. Das fällt bei der Probefahrt aber nicht auf. Dafür kündigt die schwergängige, fast durchrutschende Kupplung nach mehr als 120.000 Stadtkilometern ihr nahes Ende an. Austausch kostet 700 Mark.

Typisch sind die wackelnden Sitze, genau wie beim Golf II. Besonders bei Zweitürern mit Klappgestühl, wie in unserem Beispiel. Dafür entschädigt der unglaubliche Kofferraum (550 Liter), der fast zehn Prozent größer ist als bei einer gleich alten Mercedes S-Klasse.Gebrauchte Jetta aus erster Hand? Sofort kaufen, mehr Auto kann es fürs Geld kaum geben. Nur bei neueren Standards wie Airbag und ABS (selten bestellt) ist der Jetta heute eine Stufe schlechter als die kompakte Konkurrenz.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 11/79 Einführung des Jetta I auf Basis des ersten Golf 2/84 Neuauflage nach Einführung des Golf II (Typ 19E) als Zwei- und Viertürer. Benziner von 55 bis 90 PS, ein Saug- und ein Turbodiesel (45 und 70 PS). Basismodell ab 15.065 Mark 10/84 Topmodell GT mit Heck- und Frontspoiler sowie schwarzen Kotflügelverbreiterungen und 112 PS ab 23.720 Mark 1/85 90-PS-Version erstmals mit G-Kat. Aufpreis: 1865 Mark 9/87 Modellpflege: Grill mit drei Lamellen, U-Kat mit 55/72/84/107 PS 2/89 Modellpflege: Stoßfänger farbig, G-Kat mit 55/70/90/107/129 PS 12/91 Produktionsende, Ablösung durch VW Vento (Basis Golf III)

Schwachstellen • Auspuffrost war schon vor zehn Jahren ein Jetta-Leiden: Rohre, Töpfe, Aufhängung • Bremsschläuche sind wie beim Golf überdurchschnittlich anfällig und meist porös • Ölverlust resultiert oft aus lecken Ventildeckeldichtungen. Ebenfalls durchlässig: Servolenkung, Schaltwellen-Simmerring • Achsbuchsen hinten werden im Alter porös, zu erkennen am sich wölbenden Gummi. Und die Traggelenke vorn schlagen ebenfalls aus • Bremskraftbegrenzer rosten fest. Dann kann es zum Überbremsen kommen, weil die regulierende Wirkung hinten fehlt • Rückrufaktion 95/96: Jetta und Golf II fielen mit undichten Wärmetauschern auf, VW ließ einen Druckminderer nachrüsten

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel eines VW Jetta II, 1.6, 55 kW/75 PS, Bj. 88. Günstige Kurse wie beim verbreiteten Bruder Golf – große Stückzahl, kleine Preise. Wem das noch zu teuer ist, der wird beim Schrott fündig. Garantiert.

Fazit und Urteil

Fazit "Die zweite Jetta-Generation zählt zu den soliden Fahrzeugen mit wenig Schwachstellen. Durchrostungen gibt es so gut wie nie, auch wenn braune Spuren an Achsen und Schrauben mittlerweile typisch sind. Typischer Verschleiß findet sich an den Bremsschläuchen, den Gelenkmanschetten und am oft rostigen Auspuff. Auch der Bremskraftbegrenzer gammelt gerne fest und verliert seine Funktion. Sorgfältig geprüft werden sollten auch die Achsbuchsen hinten und die Traggelenke vorn. Die Motoren halten lang, ob Diesel oder Benziner, ein geringer Ölverlust an den Dichtungen ist meist nicht besorgniserregend. Empfehlenswert sind der 1,6-Liter-Benziner und der Turbodiesel." Hermann Lindau, Kfz-Sachverständiger, GTÜ

AUTO BILD-Urteil: empfehlenswert

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