VW Jetta, Mazda3, Skoda Octavia: Test

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VW Jetta, Mazda3, Skoda Octavia: Test

— 14.02.2011

Erster Härtetest für den VW Jetta

Nur Spießer stehen auf Stufenhecks? Ein Vorurteil, mit dem VW Jetta, Mazda3 und Skoda Octavia aufräumen möchten. AUTO BILD hat die drei Limousinen zum Vergleich gebeten.

Partnerlook, Panzerkette, Poppertolle – wer in sein will, sollte diese Dinge meiden. Rein trendtechnisch gehören sie nämlich zu den sogenannten No-gos. Geht gar nicht! Im Prinzip gilt das Gleiche auch für Stufenheck-Limousinen – zumindest bei uns in Deutschland und unterhalb der Oberklasse genießt der klassische Viertürer nur bedingt Ansehen. Dennoch startet VW jetzt einen neuen Anlauf. Der Jetta ist zurück – und sieht dabei besser aus als je zuvor. Warum also nicht doch mal eine Stufe wagen? Viele unserer Chefredakteurskollegen aus ganz Europa haben damit sowieso kein Problem, gehört der Viertürer bei ihnen doch oft so selbstverständlich zum Straßenbild wie AUTO BILD zum Wochenende.

Überblick: Alle News und Tests zum VW Jetta

Im Rahmen von "Test the Best" in Rom stellten wir dem neuen Jetta also die gestufte Variante des Mazda3 und den Konzernbruder Skoda Octavia gegenüber. Wobei der tschechische Golf-Ableger bekanntlich als Fließheck vorfährt – auch das eine irgendwie aus der Mode gekommene Karosserieform. Doch wie etwa die gute alte Wärmflasche glänzen auch unsere formal etwas altmodischen Testkandidaten mit praktischen Vorzügen. Schauen Sie nur mal unter den Heckdeckel des Jetta – ein schwarzes Loch, in dem tatsächlich ein Koffer nach dem anderen verschwindet. Insgesamt 510 Liter schluckt das Kofferabteil – fast schon Passat-Niveau (565 l). Wem das nicht reicht, der legt die geteilte Fondlehne um und nutzt zusätzlich die Rückbank. Umzug? Kein Problem. Oder wie Sergio Veiga aus Portugal es formulierte: "Der Jetta macht dem Passat den Platz streitig." Mit dem nur sechs Zentimeter kürzeren Mazda 3 wird ein Wohnungswechsel jedenfalls deutlich schwieriger. Bei 430 Litern bekommt die Lade-Laune einen Dämpfer – der letzte Koffer aus dem Jetta muss draußen bleiben. Außerdem fällt die Ladeluke kleiner aus, sodass beim Gepäckstapeln mehr Geschick gefordert ist.

Überblick: Alle News und Tests zum Skoda Octavia

Ein Auto für jede Gelegenheit: Im Skoda Octavia fühlt man sich immer gut aufgehoben.

Das bleibt auch so, wenn die geteilte Lehne umgelegt ist – das Tor zum Innenraum erreicht beim Mazda ebenfalls nur XS-Format. Schade, doch wenigstens glänzt der Japaner mit schlanken Gasdruckdämpfern an der Klappe, während VW riesige Scharnierbügel mit Federn verbaut. Die schwenken beim Schließen weit in den Kofferraum – und zerquetschen Zerbrechliches. Octavia-Fahrer bleiben von solchen oder ähnlichen Unannehmlichkeiten verschont. Die große Heckklappe steigt von Dämpfern gestützt sanft nach oben und eröffnet allen Hobby-Spediteuren das Paradies. Obwohl mit 4,57 Metern der Kürzeste in diesem Feld, macht das Kofferpacken hier am meisten Spaß. Familien finden hinter der Fondbank 560 Liter für Kinderkarre und Kleidersack, reiselustige Pärchen können bei umgelegter Bank und 1460 Liter Stauraum auch drei Wochen Skiurlaub gelassen angehen. "Im Octavia fühlt man sich immer gut aufgehoben", bringt es der litauische Kollege Oskars Vizbulis auf einen Nenner.

Für die Anreise empfehlen die AUTO BILD-Bosse dann allerdings doch den Jetta. Denn hier fühlen sich Mama, Papa, Oma, Opa, Kind und Hund bestens aufgehoben. Tadellose Bedienung, hervorragende Sitze, ordentliche Verarbeitung – Jetta-Piloten finden nur mit Mühe etwas zu meckern. Vielleicht die mäßige Übersichtlichkeit nach hinten oder einfach, dass der Jetta insgesamt zu brav wirkt. Spätestens bei der Sitzprobe hinten verlieren sich solche Gedanken aber in der Weite des Fonds. Erstaunlich, was sich aus einem Golf so alles zaubern lässt – der Jetta geht glatt als Mini-Passat durch. Selbst unsere längsten Chefredakteurs-Kollegen reisen hier ohne Knoten in den Beinen und erhobenen Hauptes, erst zu dritt wird es kuschelig eng. Doch der flotte Dreier stößt in Octavia und Mazda3 noch viel früher an Grenzen. Besonders im Japaner kneift es gewaltig an den Knien – wenn vorn mein kräftiger litauischer Kollege einsteigt, heißt es hinten Füße einziehen.

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Hat es schwer: Der Mazda3 macht weniger Endruck als seine beiden Konkurrenten.

Auch die Luft über dem Scheitel fällt eher dünn aus, sodass spätestens ab 1,90 Meter Körpergröße die Locken am Dachhimmel schubbern. Ganz so hart trifft es Skoda-Fahrer nicht. Obwohl die Achsen im Octavia mit 2,58 Metern am dichtesten aufeinanderhocken, lässt es sich im Tschechen ganz kommod sitzen. Die einhellige Meinung der Chefredakteure: nicht ganz so luftig wie im Jetta, aber doch entspannter als im Mazda. Bleibt die Preis-Frage, die ein paar Erklärungen erfordert. In Rom stand der AUTO BILD-Führungsmannschaft nur ein 23.075 Euro teurer Jetta 1.6 TDI zur Verfügung, in den Vergleich passt aber der 1.2 TSI mit 105 PS. Und auch der kostet schon gesalzene 20.900 Euro, also immerhin fast 4000 Euro mehr als der Skoda Octavia mit gleichem Motor (ab 16.940 Euro). Puhh! Oder mit den Worten des finnischen AUTO BILD-Häuptlings Jarmo Markkanen: "Toll, der Jetta, allerdings auch teuer."

Der Fairness halber sei an dieser Stelle aber verraten, dass der Tscheche erst als Ambiente ein vergleichbares Ausstattungsniveau erreicht, sein Preisvorteil dann auf 1510 Euro schrumpft. Der Mazda3 1.6 bringt es auf 105 PS und sortiert sich mit 20.190 Euro brav in die Mitte zwischen Skoda und VW ein. In der Gunst der versammelten Chef-Clique muss sich der 3er aber hinten anstellen. Octavia und vor allem Jetta hinterließen einen stärkeren Eindruck.

Technische Daten VW Jetta: Vierzylinder, Turbo, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1197 cm³ • Leistung 77 kW (105 PS) bei 5000/min • max. Drehmoment 175 Nm bei 1550/min • Vorderradantrieb • Sechsganggetriebe • Reifen 205/55 R 16 T • L/B/H 4644/1778/1482 mm • Radstand 2651 mm • Tank 55 l • Kofferraum 510 l • Leergewicht 1230 kg • Spitze 190 km/h • 0–100 km/h in 10,9 s • Verbrauch (EU-Mix) 5,3 l Super • CO2 123 g/km • Preis: ab 20.900 Euro.

Technische Daten Mazda3: Vierzylinder, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1598 cm³ • Leistung 77 kW (105 PS) bei 6000/min • max. Drehmoment 145 Nm bei 4000/min • Vorderradantrieb • Fünfganggetriebe • Reifen 205/50 R 17 W • L/B/H 4580/1755/1470 mm • Radstand 2640 mm • Tank 55 l • Kofferraum 430 l • Leergewicht 1250 kg • Spitze 188 km/h • 0–100 km/h in 12,2 s • Verbrauch (EU-Mix) 6,5 l Super • CO2 149 g/km • Preis: ab 20.190 Euro.


Technische Daten Skoda Octavia: Vierzylinder, Turbo, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1197 cm³ • Leistung 77 kW (105 PS) bei 5000/min • max. Drehmoment 175 Nm bei 1550/min • Vorderradantrieb • Sechsganggetriebe • Reifen 205/55 R 16 V • L/B/H 4569/1769/1449 mm • Radstand 2575 mm • Tank 55 l • Kofferraum 560 l • Leergewicht 1270 kg • Spitze 192 km/h • 0–100 km/h in 10,8 s • Verbrauch (EU-Mix) 5,7 l Super • CO2 134 g/km • Preis: ab 16.940 Euro.
Gerald Czajka

Gerald Czajka

Fazit

Schon beeindruckend, wie praktisch sich die nicht gerade angesagten Kompakt-Limousinen hier präsentieren. Besonders der neue VW Jetta glänzt mit viel Platz – und verpackt diesen sehr ansehnlich. Der Skoda Octavia bietet ebenfalls solide VW-Technik, nur günstiger. Der Mazda 3 stellt die solide Alternative aus Fernost.

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