VW kauft sich bei MAN ein

VW kauft sich bei MAN ein

VW kauft sich bei MAN ein

— 05.10.2006

Lkw-Konzern am Haken

Volkswagen steigt mit 15 Prozent bei MAN ein. Damit sichert sich der Konzern eine führende Rolle im Poker um eine Dreier-Allianz mit Scania und MAN.

VW hat den milliardenschweren Übernahmekampf um den schwedischen Lkw-Bauer Scania mit einem Einstieg bei MAN so gut wie entschieden. Eine Nutzfahrzeugallianz der drei Unternehmen nimmt damit zunehmend Gestalt an. Die Wolfsburger übernahmen 15,06 Prozent an MAN (rund 1,5 Milliarden Euro) und sind damit größter Aktionär des Münchener Unternehmens. VW will so eine befürchtete feindliche Übernahme von MAN durch unbekannte Investoren verhindern und sich eine bessere Ausgangsposition bei der anstehenden Konsolidierung der Lkw-Branche sichern.

"MAN begrüßt Volkswagen als strategischen Aktionär und wertet dies als einen positiven Schritt im Zusammenhang mit dem Angebot für Scania", teilte das Unternehmen mit. Mit dem Kauf ist VW seinem strategischen Ziel näher gekommen, den schwedischen Nutzfahrzeughersteller Scania, MAN und das eigene Lastwagengeschäft in ein Dreierbündnis einzubringen. VW-Chef Bernd Pischetsrieder bezeichnete die Beteiligung an MAN als freundlich, eine vollständige Übernahme sei nicht geplant.

Objekt der Begierde: VW möchte die Lkw-Geschäfte von Scania und MAN zusammenführen.

VW ist größter Scania-Aktionär und hält rund 34 Prozent der Stimmrechte an dem schwedischen Unternehmen. MAN hatte vor kurzem ein Übernahmeangebot für Scania im Volumen von 9,6 Milliarden Euro unterbreitet, das von den Scania-Aktionären jedoch als unzureichend und feindlich zurückgewiesen wurde. Nun will VW nach Einschätzung von Beobachtern die Regie selber in die Hand nehmen und MAN dazu bewegen, sein Lkw-Geschäft mit Scania zusammenzubringen.

Kommentar von WELT-Redakteur Marco Dalan: "Dem Zusammenschluss von Scania und MAN steht nur noch wenig entgegen. Denn Scania-Großaktionär Volkswagen hat durch den Kauf von 15 Prozent an MAN eine weitere Voraussetzung erfüllt. Im Fall einer deutsch-schwedischen Lkw-Hochzeit kämen die Wolfsburger nun einer Sperrminorität von 25 Prozent an dem neuen Konzern sehr nahe. Dass Pischetsrieder dennoch erneut das MAN-Milliardenangebot für Scania zurückweist, ist nicht mehr als taktisches Geplänkel. Dem Konzernchef geht es darum, bei der Konsolidierung der Lkw-Bauer möglichst viel für seinen Konzern herauszuschlagen. Vor allem will er sein Geschäft mit schweren Lastwagen in Brasilien sowie Kleinlastern und Transportern in Deutschland in das Bündnis einbringen – Bereiche, die Scania bislang nicht haben wollte. Damit wird auch nachvollziehbar, warum VW bereit ist, für diese Ausgangsposition mit knapp 1,6 Mrd. Euro einen hohen Preis zu zahlen. Volkswagen kann es sich nicht leisten, bei der Konsolidierung der Lkw-Branche Zuschauer zu sein. Zu groß sind die Kostenvorteile in Entwicklung, Produktion und Einkauf, die sich durch einen Zusammenschluss erzielen lassen. Jetzt hingegen kann Pischetsrieder seine Position auf beiden Seiten im Sinne Volkswagens ausspielen. Taktisch geschickt ist er so doch noch zum Königsmacher avanciert."

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