VW Lupo 1.4 gegen Mini One 1.6

VW Lupo 16V Trendline gegen Mini One VW Lupo 16V Trendline gegen Mini One

VW Lupo 1.4 gegen Mini One 1.6

— 19.02.2002

Deutschland : England - Die Revanche

Okay, die Engländer spielen manchmal den besseren Fußball. Aber bauen sie auch die besseren Autos? Ein ganz besonderes Länderspiel zwischen Lupo und Mini.

Schein und Sein

Das Debakel schmerzt noch Wochen später: Mit 5:1 putzten Beckham und Co. die deutschen Kicker in der WM-Quali. Hier kommt die Revanche - in einer Sportart, in der die Deutschen eigentlich nicht verlieren können - bei den Autos. Es treten an: der VW Lupo als Beispiel typisch deutscher Ingenieurkunst und der Mini One als Vertreter britischer Lebensart.

Sicher, der Mini gehört zu BMW, wird aber in England gebaut. Und ist ein Auto, wie es englischer nicht sein könnte. Obwohl er viel größer ist als sein unvergessener Vorgänger, erinnert er mit jeder Karosseriefalte, jedem Griff und jeder Zierleiste an den historischen Winzling. Ein Hingucker, elegant wie Michael Owen beim Dribbling durch die versteinerten deutschen Abwehr-Reihen. Der Lupo sieht verglichen damit so unbeholfen aus wie der überbewertete Jens Nowotny, der angesichts englischer Übermacht den Ball nur noch ins Aus schlägt. Wenn er denn überhaupt in seine Nähe kommt.

Klar, in einer Stadt, aus der die graue Bundesliga-Maus VfL Wolfsburg kommt, geht man unaufgeregt an das Kleinwagen-Design. Die großen Kulleraugen oder auch das bullige Mittel-Endrohr helfen da nicht mehr viel, der Charme-Offensive des Briten kann Klein Lupo nicht viel entgegensetzen. Schon gar nicht, wenn du drin sitzt. Der Mini wirkt so elegant wie der englische Trainer Sven-Göran Eriksson. Dieser Gentleman mit den perfekten Manieren und dem gepflegten Englisch ist zwar ein Schwede, aber stets in allerfeinstes Tuch gewandet. So was wäre im Mini angemessen.

Innenraum und Komfort

Der Mini ist mit diesem Gefühl für Tradition und Stil eingerichtet, das besonders die Engländer haben. Du fühlst dich so entspannt wie der geniale Briten-Regisseur David Beckham beim Verteilen der Bälle im Mittelfeld. Und egal ob Tacho, Lüftungsdüse oder Schalterleiste - es ist ein Genuss, hinzuschauen und anzufassen. Die kleinen englischen Schnurren passen da wunderbar ins Bild. Auch der greise National-Torhüter David Seaman leistet sich ja einen Pferdeschwanz.

Den bratpfannengroßen Tacho so zu gestalten, dass er trotzdem schlecht abzulesen ist, ist jedenfalls schon gehobene Kunst. Und die Logik des Klapp-Mechanismus für die Sitze - zum Einstieg in den Fond - erschließt sich wahrscheinlich nur Leuten von der Insel. So etwas passiert im Lupo natürlich nicht, hier funktioniert alles reibungslos. Nüchterne Funktion zählt traditionell bei den Deutschen mehr als wohlige Atmosphäre. Die Schalter hier fasst man etwa so gern an wie der gedemütigte Olli Kahn die Bälle, die er aus dem Kasten holen musste. Aber man findet sie jedenfalls auf Anhieb.

Passender Dress-Code im Lupo sind Jeans und Adidas-Sportschuhe: praktisch, nützlich und unauffällig. Unser Rudi wirkt ja im ausgebeulten Trainingsanzug auch glaubhafter als im offiziellen grau-blauen Einreiher. Seine Tore hat er damals mit Einsatz, Kraft und Willen gemacht - typisch deutschen Tugenden also. Das kann der Lupo auch - nur weil er ein bisschen braver aussieht als sein schicker Gegner, sollte ihn niemand unterschätzen.

Kraft und Technik

Mit seinem 1,4-Liter und den 100 PS kann derLupo dem Mini jedenfalls einfach davonjagen, pfeilschnell wie Oliver Neuville selten genug den englischen Verteidigern. Der schwachbrüstige Brite - 1,6-Liter, müde 90 PS - hat dem kernigen und quicklebendigen Deutschen nicht viel entgegenzusetzen. Dazu leidet er unter einer ellenlangen Übersetzung - der Aufenthalt in der linken Spur der Autobahn ist etwa so angenehm wie der für Carsten Jancker im gegnerischen Strafraum. Hier kommt immer ganz schnell jemand, der den Mini wegscheucht, dort kommt meistens einer, der Jancker den Ball wegnimmt.

Klar, für Leute, die mehr Temperament wollen, gibt es den Mini Cooper mit 115 PS (für 32.076 Mark), und das ist noch lange nicht zu viel. Das Fahrwerk jedenfalls würde locker noch mehr Leistung vertragen. Der Mini liegt satt und energisch auf der Straße, fährt sich knackig wie ein Gokart. Die Lenkung packt zu wie der beinharte Verteidiger Ashley Cole beim Tackling. Und für das sportliche Fahrgefühl müssen kräftige Komforteinbußen in Kauf genommen werden. Im Lupo lassen dagegen die feine Lenkung und die komfortable Federung den Gedanken an Sport erst gar nicht aufkommen.

Mit solchen Tugenden gewinnt der VW die Punktwertung; Stil und Persönlichkeit des Briten lassen sich eben viel schwerer bewerten. Die Revanche ist damit halbwegs geglückt - aber so klar wie beim Fußball ist das Ergebnis hier bei weitem nicht.

Fazit und Zeugnis

Fazit Die Revanche ist geglückt: In unserem Länderspiel der kleinen Sportler gewinnt Deutschland mit 4:2. Der Lupo 16V entscheidet doppelt so viele Kapitel für sich wie der Mini One. Preiswert und praktisch ist der Lupo ohne Frage. Dazu geräumiger und schneller. Anders als das 1:5 hat aber diese Niederlage keine tragische Dimension für den Engländer. Denn bei einem echten Mini-Nachfolger geht es nicht um Vernunft und Millimeter. Es zählen Tradition, Stil und Fahrspaß. Und von alledem bietet der Mini mehr als der Lupo. Ähnlich schwach wie der deutsche Sturm ist nur sein Motor.

Punktewertung

Ein deutlicher Vorsprung mit 12 Punkten für Deutschland in diesem - inoffiziellen - Länderspiel.

Technische Daten

Ist der Lupo der technisch bessere Mini? An den zehn Mehr-PS allein kann es nicht liegen.

Preise und Kosten

Ein Stückchen preiswerter ist der Wolfsburger - aber hat er auch so viel Charme wie der bayerische Mini?

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