VW-Machtkampf

VW-Machtkampf

— 24.04.2015

Breitseite gegen Piëch

VW kommt nicht zur Ruhe. Laut Medienberichten bekommt Ferdinand Piëch heftigen Gegenwind aus dem Aufsichtsrat. Derweil warnen Experten den Konzern vor einem dauerhaften Machtkampf.

Online-Voting

'Ist Ferdinand Piëch als Aufsichtsratschef noch tragbar?'

(dpa/Reuters/cj) Im anhaltenden VW-Machtkampf zwischen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und dem Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn gerät offenbar Patriarch Piëch mehr und mehr unter Druck. Laut "Spiegel Online" kritisierten Mitglieder des Aufsichtsrats ihn als "nicht mehr tragbar", weil der 78-Jährige anscheinend weiter die Ablösung Winterkorns vorantreibt. Piëch hintergehe damit einen Beschluss des Aufsichtsratspräsidiums vom 17. April 2015, der mit großer Mehrheit dem VW-Chef den Rücken gestärkt hatte.

VW-Patriarch Ferdinand Piëch wird 78

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters droht Piëch sogar die Abwahl, sollte er weiter hinter den Kulissen Winterkorns Demontage forcieren. "Noch zwei, drei solche Sachen sollte er sich jetzt nicht mehr leisten", sagte eine Person mit Kenntnis der Situation. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der das Land im Präsidium des VW-Aufsichtsrats vertritt, hatte in den vergangenen Tagen von der VW-Spitze wiederholt mehr Professionalität gefordert. Auch einige Arbeitnehmer im Aufsichtsrat gingen auf Distanz zu Piech. Für eine Abwahl des Aufsichtsratsvorsitzenden müssten 14 der insgesamt 20 Mitglieder des Kontrollrats stimmen. Die Familien Porsche und Piëch haben bisher immer an einem Strang gezogen. Sie kämen zusammen mit dem Emirat Katar auf sieben Stimmen und könnten Piech so im Amt halten.

Zwischen den einstmaligen Verbündeten Ferdinand Piëch und Martin Winterkorn ist ein dicker Riss entstanden.

Piëch hatte am Donnerstag (23. April 2015) Berichte über weitere Angriffe von seiner Seite dementiert: "Herr Winterkorn und ich haben uns vergangene Woche ausgesprochen und uns auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit geeinigt. Ich betreibe die Ablösung von Martin Winterkorn nicht." NDR, dpa und "Welt" hatten  hingegen zuvor gemeldet, der Aufsichtsratschef suche in seiner Familie eine Mehrheit, um den VW-Chef doch noch vor der Hauptversammlung am 5. Mai aus dem Amt zu drängen. Dem "Spiegel"-Bericht zufolge soll Piëch Anfang der Woche Porsche-Chef Matthias Müller gebeten haben, sich für einen Wechsel auf die Position des Vorstandsvorsitzenden des Wolfsburger Autokonzerns vorzubereiten.

Zitate von Ferdinand Piëch

Aktionärsschützer und Branchenexperten warnten derweil vor einer massiven Verunsicherung. Europas größter Autobauer müsse aufpassen, sein Kapital bei kleineren Aktionären, aber auch bei vielen Beschäftigten nicht zu verspielen, sagte der Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker. Mit Blick auf die Hauptversammlung betonte er, auch die Aktionäre erhofften sich von Piëch Klarheit über dessen Motive für die Attacke auf Vorstandschef Winterkorn: "Nur mit sechs Worten der Indiskretion ist es nicht getan." Auch aus Sicht des Branchenexperten Stefan Bratzel sollte der Führungsstreit zügig beendet werden. "Der VW-Konzern kann sich einen Machtkampf nicht lange leisten, wenn man nicht im Wettbewerb zurückfallen möchte." Volkswagen müsse sich nun wieder vollständig auf die drängenden inhaltlichen Aufgaben und Probleme konzentrieren. Es warteten viele neue Herausforderungen rund um die Vernetzung des Autos, autonomes Fahren, alternative Antriebe und neue Geschäftsmodelle.

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