VW-Machtkampf

VW-Machtkampf: Rückendeckung für Piëch

— 22.04.2015

"Er hat unermesslich viel getan"

Altkanzler Gerhard Schröder stärkt Ferdinand Piëch im Volkswagen-Machtkampf den Rücken. Der Aufbau einer Billigmarke soll Fahrt aufnehmen.

(dpa) Im weiterhin schwelenden Machtkampf an der Spitze von Volkswagen ist Altkanzler und Ex-VW-Aufseher Gerhard Schröder Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch zur Seite gesprungen. Er warnte davor, die Verdienste Piëchs in der Debatte um die Ausrichtung von Europas größtem Autobauer zu vernachlässigen. Der 78-Jährige habe für den Konzern und dessen Beschäftigte "unermesslich viel getan", sagte Schröder der BILD-Zeitung.

1997: Der damalige Ministerpräsident Schröder zeichnet Piëch mit der Landesmedaille als "hervorragenden Industriemanager" aus.

Der schleppende Aufbau einer Billigmarke – einer der angeblichen Gründe für die öffentlich geäußerte Skepsis gegenüber Vorstandschef Martin Winterkorn – soll laut einem Bericht des "Manager Magazins" wieder vorankommen. "Das Unternehmen braucht weiterhin seine Expertise, seine Kontakte und seinen strategischen Fähigkeiten", sagte Schröder über Piëch. Als Ministerpräsident von Niedersachsen hatte er von 1990 bis 1998 selbst im obersten Kontrollgremium der Wolfsburger gesessen. Das Land ist nach den Familien Porsche und Piëch zweitgrößter VW-Anteilseigner.

VW-Patriarch Ferdinand Piëch wird 78

Obwohl Piëch im Magazin "Spiegel" von Winterkorn abgerückt war, hatten sich die meisten Aufsichtsratsmitglieder hinter den Konzernchef gestellt. Daraufhin war Kritik am Vorgehen des VW-Patriarchen laut geworden. Schröder stärkte Piëch nun jedoch den Rücken: "Der Aufsichtsrat würde einen großen Fehler machen, wenn er jetzt von seinem Aufsichtsratschef abrücken würde." Er selbst habe als Regierungschef in Hannover 1993 den Manager "gegen Widerstände" an die VW-Spitze geholt. "Alle müssen jetzt an einem Strang ziehen", sagte Schröder. Der Betriebsratschef der VW-Tochter Audi hatte am Dienstag (21. April 2015) eine Rückkehr zu Sachthemen gefordert. "Vor allem die Frage, wie wir mit den Auswirkungen in den Krisenherden dieser Welt umgehen, sollte im Vordergrund stehen", betonte Peter Mosch im "Handelsblatt".

Probleme mit "Budget Car" für Schwellenländer

Denn eines der drängendsten Themen für den insgesamt sehr erfolgreichen Konzern ist neben der Renditeschwäche der VW-Kernmarke und den noch geringen Marktanteilen in den USA die stockende Entwicklung eines "Budget Car" für den boomenden Märkte in den Schwellenländern. Nach Informationen des "Manager Magazins" prüft Volkswagen dazu nun eine Zusammenarbeit mit dem chinesischen Unternehmen Great Wall – nachdem Planspiele für ein Billigauto bisher ohne konkretes Ergebnis waren. VW wollte dies nicht kommentieren: "Wir beteiligen uns grundsätzlich nicht an Spekulationen", sagte ein Sprecher in Wolfsburg. Dem Magazin zufolge soll Vertriebsvorstand Christian Klingler das Projekt leiten.

Die Gewinner und Verlierer von VW

VW Golf VII VW Passat (B8) VW Polo
Der Konzern versucht schon länger, mit einer eigenen Billigmarke, die vor allem auf die wachsende Mittelschicht in Südostasien, Indien und China zugeschnitten ist, Marktanteile zu gewinnen. Dafür hatte man den früheren Opel-Chef Hans Demant verpflichtet. Beim Thema "Budget Car" setzte VW zudem auf die Expertise des japanischen Autobauers Suzuki. Zwischen beiden Partnern brach dann aber ein heftiger Streit um den Motoren-Einkauf und Einblicke in die Modellentwicklung aus. In Hannover unterzeichnete Winterkorn am Mittwoch, 22. April 2015, mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) eine Erklärung zum Bau eines Leichtbau-Zentrums in Wolfsburg. Es war sein erster öffentlicher Auftritt seit der Absage seines Besuchs auf der Automesse in Shanghai in der vergangenen Woche.

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