VW Dieselgate: Diese Modelle sind manipuliert

VW-Manager Horn vor dem US-Kongress

— 09.10.2015

"Was werden Sie im Knast lesen?"

Ein Top-Manager im Büßergewand: VW-USA-Chef Michael Horn musste vor dem Kongress unter Eid Rede und Antwort zum Abgasskandal stehen. Es wurde eine wenig vergnügliche Fragestunde.

Online-Voting

'Ihre Meinung: Steht VW zu Recht am Pranger?'

(dpa) Michael Horn hebt die rechte Hand und schwört, "die Wahrheit, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit" zu sagen. Ab jetzt steht Volkswagens US-Chef unter Eid. Der Abgasskandal hat den 53-Jährigen zu einem Top-Manager im Büßergewand gemacht. "Im Namen unseres ganzen Unternehmens und meiner Kollegen in Deutschland möchte ich eine aufrichtige Entschuldigung anbieten", sagt Horn, bevor er in Washington ins Kreuzverhör der Abgeordneten genommen wird. Die US-Politik hat ihn zur Anhörung vor den Kongress geladen – das zeigt, welche Brisanz der Fall in den Vereinigten Staaten hat.

Abgasskandal bei VW: Fragen und Antworten

Worum geht's beim Abgasskandal?

Mitte September 2015 erhebt die US-Umweltbehörde EPA schwere Vorwürfe gegen Volkswagen. Zunächst heißt es, VW habe beim Motor EA 189 (1.2, 1.6 und 2.0 TDI) eine Software eingesetzt, die den Ausstoß schädlicher Abgase auf dem Prüfstand drosselt, im Normalbetrieb aber nicht. VW gibt das zu.

1 von 24

Auch GM-Chefin Mary Barra musste 2014 im Zuge der Zündschlösser-Affäre vor dem Kongress aussagen.

Wenn der US-Kongress Top-Manager vor seine Ausschüsse zitiert, dann liegt einiges im Argen. Die Chefin des US-Autoriesen General Motors, Mary Barra, beispielsweise wurde von den Abgeordneten im letzten Jahr geradezu "gegrillt" und musste sich wegen Schlamperei-Vorwürfen bei einer tödlichen Pannenserie durch defekte Zündschlösser heftige Kritik anhören. Kevin Kennedy vom japanischen Autozulieferer Takata, dessen mangelhafte Airbags mit mehreren Unfällen mit Todesopfern in Verbindung gebracht werden, erging es im Juni nicht anders.

VW Dieselgate: Diese Modelle sind manipuliert

Nun ist Horn an der Reihe. Es ist der bislang wohl schwerste Gang als Statthalter des Wolfsburger Autokonzerns, der aufpassen muss, in den USA nicht sämtliche Sympathien zu verspielen. Horn steht im Skandal um manipulierte Abgaswerte – der in Amerika nicht als Schummel-Affäre, sondern als krimineller Betrug gesehen wird – massiv unter Druck. Bereits 2014 hatten die US-Regulierer sein Unternehmen über mögliche Verstöße informiert, nun muss er unter Eid aussagen. Die Empörung in den USA über die Dreistigkeit von VW ist groß und der Ruf nach drastischen Strafen laut. "VW wird einen hohen Preis für dieses dreckige kleine Geheimnis bezahlen", sagt der republikanische Abgeordnete Fred Upton. Andere Politiker gehen Horn scharf an: "Was werden Sie im Knast lesen?", fragt der Demokrat Paul Welch. Die meisten Abgeordneten fordern aber vor allem Aufklärung. "Wir wissen einige Dinge, aber wir wissen nicht genug", sagte die Demokratin Dianna DeGette. "Wir müssen klären, wer verantwortlich ist."

Müller soll VW aus dem Graben holen

Im Frühling 2014 habe er von möglichen Verstößen gegen Emissionsregeln erfahren, erklärt Horn. "Ich wurde informiert, dass die Vorschriften der Umweltbehörde EPA verschiedene Strafen vorsehen." Damit scheint immer klarer zu werden, was sich im Laufe der Affäre bereits abgezeichnet hatte: VW-Verantwortliche waren seit langem über die Ermittlungen im Bilde. Aber wussten sie auch von absichtlichen Tricksereien? Und war ihnen bewusst, wie schwer der Verdacht wiegt?

"Es war keine Unternehmensentscheidung"

"Ich habe vom Einsatz der Manipulations-Software nichts gewusst", beteuerte Horn vor den Abgeordneten.

Horn sagt, er sei davon ausgegangen, dass die Ingenieure des Konzerns mit der EPA an einer Lösung arbeiteten. Und er betont vor dem Kongress immer wieder, er habe zwar seit 18 Monaten von eventuellen Regelverstößen gewusst, aber nicht davon, dass der Grund dafür in gezielter Manipulation lag. "Ich hatte keine Kenntnis, dass es einen 'Defeat Device' in unseren Autos gab." Als "Defeat Device" wird die Software bezeichnet, mit der die Emissionstests ausgetrickst wurden. Ihre Installation sei keine "Unternehmensentscheidung" gewesen, der Vorstand habe sie nicht beschlossen, beteuert Horn.

Entwicklungschef in Kenntnis gesetzt?

Das alles ändert aber nichts an der wichtigen Frage: Wen hat Horn in der Wolfsburger Konzernzentrale wann über den Verdacht der US-Behörden informiert? Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Konzernkreisen erfuhr, setzte Horn schon 2014 den inzwischen beurlaubten VW-Entwicklungschef Heinz-Jakob Neußer in Kenntnis. Neußers Anwältin wollte dazu auf Anfrage keine Stellungnahme abgeben.

Kommentare zum VW-Abgasskandal

Razzia der Staatsanwaltschaft Braunschweig

Die Justiz dürfte sich für diese Details durchaus interessieren. Denn die Suche nach Schuldigen im VW-Skandal nimmt Fahrt auf. Bei einer groß angelegten Razzia hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig in Wolfsburg und anderen Orten Akten und Computer sichergestellt. Es seien sowohl Geschäftsgebäude des Konzerns als auch Privatgebäude sowie Wohnungen von VW-Mitarbeitern durchsucht worden. Fest steht: Die Manipulation der Abgaswerte ging über Jahre. Doch erst im September kam der Stein ins Rollen, nachdem Volkswagen gegenüber der EPA einräumte, in den USA seit 2009 bei den Emissionstests für fast eine halbe Million Diesel-Autos getrickst zu haben. Der tatsächliche Abgasausstoß lag um ein Vielfaches über den frisierten Messwerten. Weltweit sind rund elf Millionen Wagen betroffen. Ob die Konzernspitze wirklich so lange nichts von dem Betrug wusste, müssen die Ermittlungen zeigen.

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.