VW Multivan 2.5 TDI syncro Panamericana

VW Multivan 2.5 TDI syncro Panamericana VW Multivan 2.5 TDI syncro Panamericana

VW Multivan 2.5 TDI syncro Panamericana

— 26.03.2002

Für die Baustelle viel zu schade

Endlich: Nach zehn Jahren Bauzeit spendiert VW dem T4 Bus eine Karosserie-Höherlegung und nennt das Ganze vielversprechend Panamericana.

Abgespeckte Geländeversion

Das Wehklagen aus den sandigen Wüsten Nordafrikas war in den letzten zehn Jahren nicht zu überhören. Dennoch hatte Volkswagen kein Ohr für die deutschen Jünger in der Sahara, die in dieser Zeit immer und immer wieder das gleiche Stoßgebet Richtung Wolfsburg schickten: Heiliger VW-Vorstand, gib uns wieder eine geländetaugliche Version des VW Busses! Aber das Gebet blieb unerhört, die Volkswagen AG stur.

1992 endete die Produktion des Heckmotor-Busses T3 und damit auch die Produktion der geländetauglichen 16-Zoll-syncro-Version mit erhöhter Bodenfreiheit und kurzem Geländegang. Der seitdem gebaute T4 mit Frontmotor in der kurzen Stummelschnauze hatte zwar wieder auf Wunsch den syncro-Allradantrieb, aber nie ordentlich Luft unter dem langen Bauch. Jetzt endlich lenkt VW ein.

Nicht nur, dass im Herbst endlich der lang angekündigte VW-Geländewagen namens Touareg mit Preisen ab 40.000 Euro zu uns kommt, ab sofort gibt es für Großraum-Fans mit Offroad-Ambitionen den T4 Panamericana. Aber freut euch nicht zu früh, liebe VW-Bus-Fans. Die Wolfsburger haben es sich diesmal leicht gemacht. Der Panamericana hat keinen kurzen Geländegang und keine Fahrwerksverstärkungen wie sein Vorgänger. Aber immerhin eine Karosserie-Höherlegung und damit mehr Bodenfreiheit sowie einen soliden Stahlrohr-Unterfahrschutz unter dem Vorderwagen.

Viel Luft unter dem Bauch

Das dicke Rohrgeflecht begrenzt die Bodenfreiheit auf brauchbare 200 Millimeter unter der Vorderachse. Damit erreicht man ein Maß, das auch mittelgroße Geländewagen bieten. Ohne "Panzerung" wären es sogar 250, dann aber wären wichtige Aggregate schutzlos. Das Mehr an Millimetern findet sich dafür unter dem langen Bauch des VW, wo der Auspufftopf hängt. Die zur Panamericana-Ausstattung gehörenden Edelstahl-Seitenschutzrohre liegen ebenfalls auf 250 Millimeter über Grund, wodurch man beim Überfahren einer spitzen Kuppe stets schön sehen kann, ob es für den Unterboden gefährlich wird.

VW verwendet für den Panamericana 16-Zoll-Räder mit der Reifengröße 215/65 R 16. Das ist praktisch, weil es in dieser Dimension nicht nur gute Straßenreifen, sondern auch ordentliche Winterreifen und sogar geländetaugliche Mischreifen gibt - beispielsweise den Michelin 4x4 A/T oder den Yokohama Geolandar A/T. Damit kommt man auf modderigen Alm- und Waldwegen noch weiter als mit den serienmäßigen Ganzjahresreifen (Pirelli Scorpion S/T), die aber immerhin ein Minimum an Geländetraktion bringen.

Dank des wirksamen 4x4-Antriebs kommt der über 2,2 Tonnen schwere Bus verblüffend gut voran. Bei der syncro-Allradtechnik des T4 wird die Vorderachse direkt angetrieben, die Hinterachse über eine Viskokupplung umso mehr, je stärker die Vorderräder durchdrehen. Das funktioniert ohne nennenswerte Verzögerung. Einziger Wermuttropfen: Die kräftig vorgespannte Viskokupplung führt beim Einparken auf Asphalt ungewollt zu spürbaren, wenngleich ungefährlichen Verspannungen.

2,5-Liter-Motor mit drei PS-Versionen

Zusätzlich hat der syncro-VW serienmäßig EDS an der Vorderachse. VW kürzt so die "elektronische Differenzialsperre" ab, die aber in Wahrheit gar keine ist, sondern lediglich eine elektronische Schlupfregelung durch Bremseneingriff. Diesen Differenzialsperren-Ersatz à la M-Klasse gibt es aber nur vorn. Die Regelung setzt erst bei extremem Durchdrehen eines Vorderrades ein. An der Hinterachse wirkt dagegen eine echte 100-Prozent-Achssperre. Die braucht der T4 syncro aber auch dringend, wenn der Boden etwas uneben ist.

Durch die schlechte Verschränkung verpufft sonst die Motorkraft an einem durchdrehenden Hinterrad. Deshalb sollte man die 731 Euro Aufpreis nicht scheuen und die Hinterachssperre unbedingt dazubestellen, wenn man mal auf weichem Boden fahren will - oder die zwei Tonnen Anhängelast nutzen will. In den T4 syncro baut VW lediglich die 102-PS-Ausführung des Fünfzylinder-Turbodiesels ein, also die mittlere der insgesamt drei Leistungsversionen (88 PS, 102 PS, 150 PS) des 2.5 TDI.

Die macht ihre Sache gar nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass der 2,5-Liter-Motor ein fast 2,3 Tonnen schweres und 1,92 Meter hohes Großraummobil mit Allradantrieb zu schleppen hat. Bis Tempo 120 empfindet man das Temperament als befriedigend, darüber braucht man trotz des recht kurzen fünften Ganges ein wenig Geduld. Nur zögerlich stellt sich auch die Höchstgeschwindigkeit von 155 km/h ein. Bergab geht es noch zehn km/h schneller voran, allerdings zeigt der Drehzahlmesser dann Besorgnis erregende Werte weit über der Nenndrehzahl an.

Beim Klettern auf Almwegen geht dem Turbomotor unterhalb von 1500 Touren schlagartig die Puste aus. Dort, und beim Anfahren am steilen Berg, vermisst man ganz klar ein Untersetzungsgetriebe, wie es echte Geländewagen haben. Also muss der Fahrer viele Hindernisse mutig mit Schwung angehen, statt sich vorsichtig voranzutasten.

80-Liter-Tank sorgt für Reichweite

Angenehm ist der niedrige Verbrauch des VW. Je nach Fahrweise pendelt er zwischen neun und elf Liter/100 km, was mit dem 80-Liter-Tank ordentliche Reichweiten zulässt. Die hervorragenden Reisequalitäten des Panamericana bleiben von der Höherlegung unberührt. Das moderne Fahrwerk steckt Unebenheiten aller Art sanft wiegend weg. Die Fahrsicherheit leidet unter der komfortablen Abstimmung nicht. Nur bei extremen Ausweichmanövern kann mal das Heck ausschwenken, was eher ungeübte Fahrer überfordern könnte.

Eine weitere Stärke des T4 ist seine Variantenvielfalt. Das Panamericana-Paket mit Höherlegung, 16-Zoll-Leichtmetallrädern, Unterfahrschutz, Edelstahlschmuck und Xenon-Scheinwerfern kostet 7151 Euro und ist für viele T4-syncro-Ausführungen lieferbar. Egal ob ein neunsitziger Caravelle-Bus oder schlichter Kombi mit Riesenstauraum gefragt ist, der T4 bietet da schier unendlich viel Auswahl - allerdings zu gepfefferten Preisen. Die Basis unseres Testfahrzeugs - ein Multivan mit Klapptisch und Fondbank, die sich aber nur schwer und zu einer etwas unebenen Liegefläche ausziehen ließ - kostet als TDI-syncro bereits in der Grundausstattung 35.038 Euro. Nimmt man das Panamericana-Paket dazu, sind 42.189 Euro fällig. Da hat man aber immer noch keine Klimaanlage, keine zweite Batterie, kein Schiebefenster hinten, keine Hinterachssperre, kein Radio, keine Nebelscheinwerfer und keine Standheizung. So kann man für einen im Grunde seines Wesens schlichten VW-Transporter locker 50.000 Euro und mehr ausgeben, ohne dass irgendjemand merkt, wie viel Geld im Auto steckt.

Fazit Der VW T4 syncro ist sicher auch mit dem neuen Panamericana-Paket inklusive Höherlegung kein vollwertiger Ersatz für einen Geländewagen. Dazu fehlt es trotz Bodenfreiheit an der Geländetauglichkeit. Aber der teure Großraum-VW überzeugt dennoch: mit ausgereifter Verarbeitung, viel Platz und Variabilität sowie einem sparsamen TDI-Motor.

Technische Daten

41,3 Meter Bremsweg aus Tempo 100 sind für einen Transporter gar nicht übel. Mit warmer Bremse sind es 43,3 Meter. ABS ist serienmäßig.

Ausstattung und Kosten

Als Schnäppchen geht der T4 syncro nicht gerade durch. Unbedingt mitbestellen: die 100-Prozent-Hinterachssperre für 731 Euro.

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