VW Passat US-Modell

VW-Neuzulassungen schwächeln in den USA

— 13.01.2014

"Es wird kein Spaziergang"

Anfang 2014 hat VW in den USA wenig Grund zur Freude. Die Marktanteile bröckeln – nur dank Audi und Porsche kam der Konzern 2013 auf ein Mini-Plus.

(dpa) Vor einem Jahr hatte Jonathan Browning in Detroit noch gut Lachen. Der US-Statthalter des VW-Konzerns stand vor dem Konzeptauto Crossblue – eine eigens für den US-Markt entwickelte Geländelimousine – und strahlte in die Kameras. Dann sagte er Sätze wie: "Das ist ein sehr wichtiger Teil unserer Zukunft." Heute, ein Jahr später, hat VW in den USA wenig Grund zur Freude. Europas Branchenprimus blickt dort auf bröckelnde Marktanteile. Browning ist nicht mehr im Amt. Bei der Detroit Auto Show 2014 tritt VW-Chef Martin Winterkorn auf die Bühne und sagt über die anstehende Aufholjagd: "Es wird kein Spaziergang."

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Für VW drängt die Zeit auf dem nach China größten Automarkt der Welt: Nur dank seiner Töchter Audi und Porsche kam der Konzern 2013 auf ein Mini-Plus, obwohl der US-Markt insgesamt kräftig zulegte. Doch weil Verkäufe der wichtigen Kernmarke Volkswagen Pkw um sieben Prozent abrutschten, verlor der Konzern Anteile gegen die Rivalen General Motors (GM) und Toyota, die VW bis 2018 überholen will. Ganz offensichtlich reichen die auf den US-Markt zugeschnittenen Modelle wie Passat und Jetta nicht aus, um den Platzhirschen die Stirn bieten zu können. Nur zwei Jahre lang funktionierte die Aufholjagd – doch 2013 stellte sich Ernüchterung ein und gipfelte im Dezember in einem drastischen Verkaufseinbruch um satte 23 Prozent.

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Um so wichtiger wäre endlich ein zusätzliches Zugpferd. Doch der Crossblue komme frühestens 2016 zu den Händlern, räumte Winterkorn in Detroit ein. Was passiert bis dahin? Deutsche Branchenkenner wie die Autoprofessoren Stefan Bratzel oder Ferdinand Dudenhöffer warnen schon, dass Volkswagens Weltmarktführerpläne ohne eine Trendwende auf dem so wichtigen US-Markt scheitern dürften. Das sehen auch die Analystenkollegen in den USA ähnlich. "Es ist wirklich sehr schwierig gewesen für Volkswagen", sagt Marktexpertin Jessica Caldwell. Sie sieht zwei Gründe für die VW-Schwäche. Zum einen sei die Produktpalette schuld. So stehe der Jetta bei jungen Leuten nicht mehr so hoch im Kurs wie früher. Zum anderen sei es auch eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit. Das sieht auch ihr Kollege Brian Johnson von der Barclays-Bank so. Die in den USA so wichtigen Geländelimousinen (SUVs) verschiffe VW noch immer teuer in die Staaten, eine lokale Produktion fehle. "So sind sie beim Preis schlicht nicht wettbewerbsfähig", sagt Johnson.
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Während die Wolfsburger noch immer mit den USA fremdeln, feiern BMW und Daimler in Detroit längst ein Heimspiel. Zum Jahresende gelang beiden Herstellern sogar das Kunststück, mehr Autos ihrer teuren Premium-Modelle loszuschlagen als die Massenmarke VW mit ihren Volumen-Modellen. VW-Patriarch Ferdinand Piëch beklagt grundlegende Versäumnisse. Volkswagen kenne die Bedürfnisse der US-Kunden zu wenig. "Wir verstehen Europa, wir verstehen China, und wir verstehen Brasilien, aber wir verstehen die USA bislang nur in einem begrenzten Maße", sagte er Ende 2013 der Agentur Bloomberg.

Dieses Problem haben Daimler und BMW offensichtlich nicht. Sie verkaufen schon jeden vierten beziehungsweise fünften Wagen in den Staaten. Volkswagens Kernmarke kam 2013 auf schlappe sieben Prozent, auch Audi liegt mit zehn Prozent nur knapp darüber. Beide Marken leben vor allem von ihrem Erfolg in China, der auch den VW-Konzern bislang trotz aller Herausforderungen auf Kurs hält. Wie es laufen kann, sieht VW aber seit einiger Zeit auch im eigenen Hause: Die vor rund eineinhalb Jahren komplett übernommene Sportwagenschmiede Porsche macht ein gutes Viertel ihres Geschäfts in den USA und wuchs 2013 um gut 20 Prozent. Bei den Volumenmodellen machen dagegen die VW-Konkurrenten von GM und Toyota, aber auch die südkoreanischen Marken Boden gut. Ein erster Schritt zur Wende könnte der Crossblue werden. Aber das braucht Geduld bis 2016.

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