VW Passat trifft Mercedes C-Klasse

VW Passat/Mercedes C-Klasse: Vergleich

— 13.10.2014

Der Passat hat jetzt Mercedes-Qualität

VW will die Nummer eins werden – auch bei der Qualität. Der Passat greift sogar nach dem Stern im ersten Vergleich mit der Mercedes C-Klasse.

Plopp – Tür zu. Jahrzehntelang hat bei Mercedes das satte Schließgeräusch gereicht, um den Qualitätsanspruch des Sterns zu verstehen. Die Autos waren für die Ewigkeit gebaut. Dann kam Jürgen Schrempp als Chef und mit ihm der Gedanke einer Welt AG und des "Shareholder-Value", also der Gewinnmaximierung für die Aktionäre. Rostende Autos und schon bei niedrigen Kilometerständen kränkelnde Dieselmotoren waren die Folge – vom blechernen Türschließgeräusch mal ganz abgesehen. Plönk statt Plopp, das Image des Sterns mehr als nur angekratzt.
Der neue VW Passat Variant: erster Fahrbericht

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Video: Passat vs. C-Klasse

Neuer Passat im ersten Vergleich

Zum Glück Geschichte. Als sie bei Daimler die neue C-Klasse an den Start gerollt haben, gab es vor allem ein Signal: Wir haben verstanden. Vor allem die Qualität sollte endlich wieder die alles entscheidende Rolle spielen. Sie haben nicht zu viel versprochen, was für ein Comeback! Aus dem Stand hat die Mittelklasse aus Stuttgart in unseren Vergleichstests qualitativ Haptikweltmeister Audi und erst recht BMW hinter sich gelassen. Und damit ist das C-Klasse T-Modell der perfekte Gegner für den neuen Passat Variant. Moment mal, Mercedes gegen Volkswagen?! Geht’s bei denen von AUTO BILD noch?, werden Sie sich jetzt vielleicht fragen. Dabei ist der Vergleich gar nicht so abwegig, wie er sich vielleicht noch vor ein paar Jahren angehört hätte. Denn die Wolfsburger wollen künftig nicht mehr gegen Opel Insignia und Ford Mondeo antreten, sondern am liebsten der Premiumkonkurrenz ans Blech fahren – Qualität spielt eine Hauptrolle auf dem Weg der Wolfsburger zur weltweiten Nummer eins.

Die aktuelle C-Klasse zeigt sich gefällig für den asiatischen Markt

Neuer Look: Die C-Klasse hat ihre Kantigkeit verloren, soll so vor allem auf den asiatischen Märkten punkten.

Und da wir lieber alles selbst überprüfen, muss sich der Passat eben mit der C-Klasse messen. Zunächst noch statisch im Fotostudio, bevor wir ihn in der kommenden Woche das erste Mal fahren dürfen. Wobei sie bei Volkswagen mit ihren Ambitionen vielleicht gar nicht so falsch liegen. Der Passat Kombi präsentiert sich unaufgeregt und zeitlos. Alles Attribute, die früher einmal für die Autos mit dem Stern galten. Vielleicht am wichtigsten: Jetzt passen die Proportionen. Der zu kurze Radstand ist gewachsen, gleichzeitig ist der Passat breiter und flacher geworden. Vor allem im direkten Vergleich fällt auf, wie sehr sich die C-Klasse von der alten Kantigkeit entfernt hat. Der Benz wirkt weicher, dynamischer, runder. Das kommt auch bei den Kunden in China an, hier muss der Mercedes wichtige Stückzahlen machen. Auch bei näherer Betrachtung kann der Passat dem hochgesteckten Anspruch gerecht werden. Ein Blick auf die engen Fugen und die perfekt parallelen Spaltmaße zeigt es. Das geht kaum besser, Volkswagen hat offensichtlich eine Menge Geld in den Karosserierohbau im Werk Emden investiert, wo der Passat vom Band läuft. Selbst die Übergänge zwischen den Stoßfängern aus Kunststoff und den Kotflügeln sind extrem passgenau, gar nicht so leicht bei unterschiedlichen Materialien.

Da kann auch die oft gelobte C-Klasse nicht mithalten. Die Spaltmaße sind deutlich größer, Türen sind nicht ganz so exakt eingepasst wie beim VW, und so manche Fuge, vor allem an der Front, verläuft nicht ganz parallel. Vor allem rund um den Kühlergrill wirken die Spalten groß und unterschiedlich. Das ist nicht wirklich dramatisch, die C-Klasse bietet immer noch eine sehr hohe Qualität – doch der Passat kann das außen mittlerweile besser. Dazu kommt, dass bei der C-Klasse die Türen mit viel Kraft ins Schloss geworfen werden müssen.

In Sachen Anfassqualität ist beim VW noch Luft nach oben

Nicht ganz konsequent: Im unteren Bereich des Passat-Cockpits kommt Hartplastik zum Einsatz.

Bei der Funktionalität nehmen sich die Konkurrenten nicht viel. Hier wie dort finden sich solide Bügeltürgriffe, die Hauben öffnen sich dank Gasdruckdämpfern fast wie von selbst, und – fast schon selbstverständlich – die Motorhaube muss nicht mit einer billigen Stange offen gehalten werden. Im Innenraum zeigt sich jedoch, dass die VW-Ingenieure dann doch nicht aus dem Vollen schöpfen konnten. Auf den ersten Blick ist alles fein eingerichtet, mit einem ähnlich tiefenentspannten Stil wie bei der Karosseriegestaltung. Vor allem unser Testwagen mit hellem Leder, matten Holzeinlagen im Cockpit und den neuen digitalen Instrumenten wirkt richtig edel. Doch bei genauerer Betrachtung relativiert sich der Eindruck. Die Kunststoffe im unteren Bereich des Armaturenbretts erweisen sich als Hartplastik, das sich nicht so fein anfasst wie beim Benz, die Innenseite der Taschen an der Rückseite der Vordersitze ist aus einfachem Kunstleder – hier ist wenig Unterschied zum deutlich günstigeren Golf zu spüren. Vielleicht sollten sich die VW-Entwickler mal die taufrische C-Klasse ganz genau anschauen. Das Cockpit des Mercedes wirkt noch einmal hochwertiger. Das liegt nicht nur am Design, die verwendeten Kunststoffe wirken etwas edler. Bis in die letzte Ecke werden weiche Materialien verwendet, so exakt zusammengesteckt, dass wir hier kaum Raum für Verbesserungen sehen.

Der Passat kann durchaus mit der C-Klasse mithalten

Bei den Kombiqualitäten tun sich VW und Mercedes nicht viel, aber die C-Klasse ist edler ausgekleidet.

Vor allem der Testwagen mit seinem belederten Cockpit – das es nur gegen Mehrpreis gibt – zeigt einen spürbaren Unterschied zum Volkswagen. Dazu kommen Schalter und Knöpfe, die mit Metall beschichtet sind und präzise rasten – VW verwendet hier einfachere Kunststoffschalter aus dem Konzernregal. Kleiner Fauxpas bei Mercedes: Die Sitze sind zwar mit feinem Leder bezogen, aber bereits beim Neuwagen finden sich unschöne Falten an der Seite der Sitzfläche.  Ein ähnliches Bild wie im Cockpit zeigt sich auch in den Laderäumen der Kombis. Auf den ersten Blick sind kaum Unterschiede auszumachen, beide Konkurrenten überzeugen mit einem sauber ausgekleideten Gepäckabteil. Doch schon der Anfühltest zeigt: Während Volkswagen einen einfachen, relativ harten Teppich verwendet, ist die Auslegeware im Mercedes fast schon flauschig. Dazu kommen nette Details wie solide verchromte Verzurrösen. Auch die Fächer in der Seitenwand wirken etwas hochwertiger als im Passat. Schlimm? Nein. Denn im Großen und Ganzen kann der Passat durchaus mit der C-Klasse mithalten – und spielt jetzt in einer höheren Liga als Opel, Ford und die Koreaner. Das zeigt sich vor allem in einem Detail, das uns nach getaner Arbeit auffällt. Plopp – so tönt es beim Schließen der Fahrertür. Satt und hochwertig hört sich das an. Fast so wie früher bei Mercedes.


Den vollständigen Artikel mit allen Daten und Tabellen gibt es in der AUTO BILD 40/2014 oder im Online-Artikelarchiv als PDF-Download.

Neue Autos: VW Passat Variant gegen Mercedes C-Klasse T-Modell

Der vollständige Artikel ist ab sofort in unserem Online-Heftarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Folgende Modelle werden verglichen: VW Passat Variant, Mercedes C-Klasse T-Modell (Vergleichstest)

Veröffentlicht:

07.10.2014

Preis:

2,00 €

Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Qualitativ sind sich VW und Mercedes so nah wie nie zuvor. Während der Passat mit einer nahezu perfekt verarbeiteten Karosserie punktet, kann die C-Klasse vor allem mit dem feinen Innenraum überzeugen. Beide gehören zu den Besten in der Mittelklasse.

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