VW Passat V (1996-2005)

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VW Passat V (1996-2005)

— 28.10.2004

Wehe, wenn der Riemen reißt

Warum ist der Passat nur so beliebt? An der Qualität kann es kaum liegen.

Qualität und Marktlage

Mein Freund Hugo ist ein glücklicher Mensch. Er hat eine schöne Wohnung, drei gelungene Töchter und eine liebe Frau – eben ein typischer Passat-Besitzer alter Schule. Untypisch ist seine Zufriedenheit mit dem Variant. Er kaufte nun schon den dritten gebrauchten Kombi und hatte nie ernsthafte Probleme. Auch solche VW-Fahrer gibt es noch.

Auf der anderen Seite der Zufriedenheitsskala stehen jene Kunden, die sich mit Klagen an unsere Redaktion wenden. Und das sind nicht wenige. Ihre Briefe erzählen von Werkstattärger, Technikproblemen und abgelehnten Kulanzanträgen. Die gleiche Sprache spricht der AUTO BILD TÜV-Report 2004: Der Passat liegt nach fünf Jahren mit seinen Beanstandungen im Rahmen der Hauptuntersuchung nur auf Platz 69.

Eher beschämend für einen Mittelklassewagen der mindestens 21.650 Euro kostet und wie der Golf Aushängeschild der Wolfsburger sein möchte. Dennoch: Der Beliebtheit schadet die Anfälligkeit nicht. Ein bürgerlich gepreister Passat wartet selten lange auf seinen Käufer.

Gefragt sind TDI und Variant, gern in Silber oder Schwarz. Starke Benziner und exotische Farben sind dagen beliebt wie Reformvorschläge der Regierung: Sie werden nur unter Protest, also mit gehörigem Preisabschlag angenommen.

Motor und Technik

Ist der Passat wirklich so schlecht? Die Frage kann leider häufig nur mit einem Verweis auf den Vorbesitzer beantwortet werden. Kommen zur kaputtgesparten VW-Qualität auch noch schlechte oder gar fehlende Wartung, sind größere Defekte programmiert.

Typisches Beispiel ist der Zahnriemen: Ein Austausch kostet bei einem TDI V6 mit 150 PS eindrucksvolle 580 Euro. Ein Betrag, der nicht in jeder Brieftasche steckt, um es mal vornehm zu sagen. Wer hier spart, kann gleich einen neuen Motor bestellen. Finanziell lohnt diese Strategie natürlich nicht: Ein V6-TDI-Austauschmotor kostet mehr als 12.000 Euro.

Oft liegt die Unzuverlässigkeit des Passat aber ganz klar an VW. Anders kann man es nicht bezeichnen, wenn wie im Vorjahr plötzlich Tausende Luftmassenmesser defekt sind. Für eine kundenfreundliche Kulanzregelung kämpfte AUTOBILD solange, bis VW einlenkte. Streikende Fensterheber, spröde Fahrwerk-Gummilager und Wassereinbruch im Innenraum sind ebenfalls deutliche Zeichen mangelnder Qualität.

Die Liste der Leser-Beanstandungen ist lang: ausgeschlagene Spurstangenköpfe, Bremsleistungsverlust bei Nässe, gebrochene Fahrwerkfedern, Rost nach vier Jahren an der Heckklappe, spröde Bremsschläuche, defekte Lambdasonden ... – nahezu jedes Bauteil wurde schon mal negativ erwähnt. Von diesem Wagen raten wir ab. Die Wahrscheinlichkeit, daß Sie mit dem Passat so glücklich werden wie mein Freund Hugo, ist eher gering.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 10/96 Einführung der fünften Passat-Generation(3B), zunächst nur als Limousine 3/97 Neuauflage des Variant: größer und länger als sein Vorgänger; vollverzinkte Karosserie 10/98 TDI mit 115 PS und Pumpe-Düse-Technik 1/99 2,5-Liter-V6-TDI mit 150 PS 3/99 VR6 und VR6-TDI mit Xenonlicht und Kopfairbags gegen Aufpreis 4/99 Syncro wird zu 4Motion, VR5 zu V5, ESP auf Wunsch, neue Radio-Navigation lieferbar 1/00 Sondermodell Edition, 115-PS-TDI mit Sechsganggetriebe 9/00 großes Facelift: Klarglasscheinwerfer vorn, Linsen-Rücklichter 3/05 sechste Generation auf dem Genfer Salon vorgestellt

Schwachstellen • die Vorderachse nervt ab 30.000 km mit beständigem Knarren • Fehler an der Motorsteuerung legen den Passat komplett lahm • ebenso parkt am Randstreifen, wer das Zahnriemenwechsel-Intervall nicht einhält, die Folge ist ein teurer Motorschaden • nicht besonders standfest sind die Bremsscheiben an der Vorderachse • die Blinker liegen beim TÜV über dem Durchschnitt, zeigen also Fehlfunktionen • im Scheinwerfer steht häufig das Wasser • die Automatikgetriebe sind anfällig und selbst für die Markenwerkstatt nur schwer zu reparieren • Wasser kommt in den Innenraum, wenn das Abflußloch im Wasserkasten verstopft • der Luftmassenmesser gilt als nicht besonders haltbar

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel VW Passat Variant 2.5 TDI (Typ B3), 110 kW/150 PS, Baujahr 2000 mit Sechsgangschaltgetriebe. Zum Preis eines AT-Motors gibt es schon einen guten gebrauchten Golf beim VW-Händler.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Vollverzinktes Blech macht sich mit den Jahren bezahlt, Korrosion an Rahmen oder tragenden Teilen gibt es am Passat nicht. Die Hinterachse wird nach fünf Jahren häufig moniert, ebenso das Lenkungsspiel. Ein geteiltes Bild zeichnet die Beleuchtungsanlage: Der Fünfjährige ist hier sehr viel besser als der jüngere Dreijährige. Gute Noten gibt es für die Abgas-Anlage und die Wirkung der Fußbremse, Kritik ernten Bremsleitungen und -schläuche." Werner Lyrmann, Gutachter TÜV Rheinland Group

Modellempfehlung VW Passat Variant 1.9 TDI (85 kW/115 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 293 Euro im Jahr/D3 Testverbrauch: Werksangabe 5,3 Liter, gemessen 6,5 Liter (Diesel) Versicherung: Vollkasko (24/504 Euro SB): 1458 Euro. Teilkasko (37/151 Euro SB): 538 Euro. Haftpflicht (17): 945 Euro. (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 200 bis 300 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 39 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 1500 Euro Verlust

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