VW Passat V Variant (1997-2000)

— 10.07.2002

Problemfall Passat?

Trotz gutem Ruf beim TÜV: Der Passat Variant vom Typ 3B fällt künftig negativ auf.



Diesel mit Top-Ausstattung, wenig Kilometer auf der Uhr und nicht älter als fünf Jahre bitte. So einen Passat Variant suchen viele Familien für Kind und Kegel. Aber kaum ein Gebrauchtwagen-Interessent findet diesen Ideal-Variant. Der typische Passat-Kombi hat bereits nach wenigen Jahren reichlich Kilometer gesammelt, günstige Gelegenheiten sind meist Ex-Firmenwagen mit spartanischer Ausstattung und unattraktiven Farben. So viel zum Markt, aber ist der Passat Variant ab 1997 zu Recht so ein gefragter Familien-Frachter?

Technik und Marktlage

Sieht man die TÜV-Zahlen an, spricht wenig gegen den Typ 3B, so die interne Bezeichnung. Bei den Dreijährigen ernten die Bremsschläuche vermehrt TÜV-Kritik. Sie werden spröde, typisch für VW. Man darf gespannt sein, wann die Wolfsburger den Lieferanten für dieses Teil wechseln. Eine weitere Schwachstelle sind die Antriebswellen, deren Lager rasch ausgeschlagen sind. Die Haltbarkeit der Bremsscheiben steht in Zusammenhang mit dem Fahrstil. Vielleicht sind Passat-Fahrer sportlicher, als wir glauben. Dies jedenfalls würde die hohe Zahl an Beanstandungen bei der TÜV-Prüfung erklären.

Ein Blick in unseren Kummerkasten zeigt, dass es selten bei Kleinigkeiten bleibt. Und auch unser Aufmacher-Foto ist leider ein vertrauter Anblick. Ein Passat am Standstreifen – alles andere als eine Seltenheit. Die Bremsen bereiten nicht nur beim TÜV Probleme, vielmehr bringen sie den Fahrer häufig auf salznasser Fahrbahn ins Schwitzen. Da lässt die Bremsleistung stark nach. Zunächst dementierte VW, suchte die Schuld beim Kunden. Erst später sorgte ein Nachrüst-Spoiler für Abhilfe.

Fahrwerk unf Antrieb

Ein Meisterwerk ist die Vorderachse. Jedes Vorderrad wird von vier voneinander unabhängig aufgehängten Querlenkern geführt. Allerdings nicht ewig geräuschlos, oft gesellt sich nach nur 30.000 Kilometern ein beständiges Quietschen und Knarren hinzu. Ein Materialfehler der Gummilager, für den der Kunde nichts kann. Abhilfe schafft ein Austausch für etwa 1000 Euro. Bei den Ersatzteilen verwendete VW bereits andere Werkstoffe, nach einer Reparatur mit Originalteilen gilt dieser Materialfehler als behoben.

Komfortabel in der Stadt, wenn auch nicht über längere Zeit technisch problemlos, sind die Automatikgetriebe. Streikt der Selbstschalter, kann kaum ein Mechaniker den komplizierten Automaten zerlegen, den Fehler erkennen, beheben und danach das Getriebe wieder korrekt zusammenbauen. Es hilft also auch hier nur ein kompletter Austausch. Selten an die Tankstelle, aber häufig in die Werkstatt fahren TDI-Besitzer. Einige glauben, auf den teuren Zahnriemenwechsel (etwa 400 Euro bei TDI V6) verzichten zu können. Das Resultat kommt dann noch teurer, denn meist folgt ein kapitaler Motorschaden. Einen defekten Luftmassenmesser erkennt der Fachmann mit dem Testgerät, zahlreiche Leser berichteten von einem plötzlichen Leistungsverlust des Motors. Kosten: zirka 250 Euro.

Wassereinbruch in den Innenraum ist häufig, meist liegt es am verstopften Abflussloch unter der Batterie im Wasserkasten. Oder an einer Fehlbedienung der Klimaanlage, dann bildet sich Kondenswasser im Cockpit. Wer den Passat 3B wählt, entscheidet sich für viele Sorgen. Tipp: Lieber den Vorgänger nehmen, der ist besser. Oder gleich das facegeliftete Modell (ab 2000, Typ 3BG). Denn das fällt in unserem Kummerkasten bislang kaum negativ auf.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 3/97 fünfte Neuauflage: größer und länger als sein Vorgänger (Typ 35I); vollverzinkte Karosserie 10/98 TDI mit 115 PS und Pumpe-Düse-Technik 1/99 2,5-Liter-V6-TDI mit 150 PS 3/99 VR6 und VR6-TDI mit Xenonlicht und Kopfairbags gegen Aufpreis 4/99 Syncro wird zu 4Motion, VR5 zu V5, ESPauf Wunsch, neue Radio-Navigation lieferbar 1/00 Sondermodell Edition, 115-PS-TDI mit Sechsganggetriebe 9/00 Modellpflege (Typ 3BG): neuer Kühlergrill, Doppelscheinwerfer in Klarglasoptik, Heckleuchten mit zwei prägnanten Linsen für Brems- und Rücklicht 3/05 sechste Generation wird auf dem Genfer Salon vorgestellt

Schwachstellen • die Vorderachse nervt ab 30.000 Kilometern mit beständigem Knarren • Fehler an der Motorsteuerung legen den Passat komplett lahm • ebenso parkt am Standstreifen, wer den Zahnriemenwechsel-Intervall nicht einhält – die Folge ist ein teurer Motorschaden • nicht standfest sind die Bremsscheiben an der Vorderachse • die Blinker liegen beim TÜV über dem Durchschnitt, zeigen also Fehlfunktionen. Im Scheinwerfer sahen wir schon häufig Wasser • Automatikgetriebe sind anfällig und selbst für die Markenwerkstatt nur schwer zu reparieren • Wasser kommt in den Innenraum, wenn das Abflussloch im Wasserkasten verstopft ist oder sich Kondenswasser beim Einsatz der Klimaanlage bildet • nicht besonders haltbar ist auch der Luftmassenmesser

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel VW Passat Variant TDI mit 85 kW/115 PS, Baujahr 1999. Selbst die anfälligen Querlenker der Vorderachse gibt es im Nachbau, die Qualität der Originalteile ist aber vermutlich ihr Geld wert.

ReparaturkostenVW Passat Variant TDI (85 kw/115 PS), Bj. 1999
Kotflügel vorn, lackiert386 Euro
Scheinwerfer komplett220 Euro
Bremsscheiben vorn162 Euro
Bremsklötze vorn (ein Satz)134 Euro
Getriebe (AT)2065 Euro
Teilmotor (AT)1586 Euro
Lichtmaschine (AT)376 Euro
Anlasser (AT)205 Euro
Wasserpumpe 194 Euro
Auspuff ohne Kat165 Euro

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Der VW Passat vom Typ 3B gilt bei unseren Hauptuntersuchungen als unauffälliger Kandidat. Doch auch hier gibt es wiederholt Kritik, etwa an den Bremsscheiben. Ebenso bemerken unsere Prüfer häufig spröde Bremsschläuche und Defekte am Blinker. Überdurchschnittlich oft monieren wir die Antriebswellen. Rost ist kein Thema, unsere Bestnote vergeben wir weiters für die Feststellbremse, die Bremskraftregelung und die Bremsleitungen." Gunnar Dahm, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung VW Passat Variant 1.9 TDI (85 kW/115 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 262 Euro im Jahr/D3 Testverbrauch: Werksangabe 5,3 Liter, gemessen 6,5 Liter (Diesel) Versicherung: Vollkasko (19/1000 Euro SB): 1013 Euro. Teilkasko (33/300 Euro SB): 296 Euro. Haftpflicht (17): 945 Euro (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 200 bis 300 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 39 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 1500 Euro Verlust

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