VW Passat W8

VW Passat W8 4Motion VW Passat W8 4Motion

VW Passat W8

— 02.03.2002

Sternstunde für VW

So einen Volkswagen gab es noch nie: ein Passat mit Achtzylinder, 275 PS und 250 Spitze - die Wolfsburger wollen nach ganz oben.

W8 - Wolfsburgs Achter

Sehen wir es sportlich. So wie es dem VfL Wolfsburg nicht mehr reicht, nur im Mittelfeld der Bundesliga mitzukicken, zieht es auch VW längst in die Spitze der automobilen Eliteliga. Man will sich mit den Champions messen. Dafür müssen die Trainer das richtige Händchen haben und ihre Teams klug einstellen. Zweifellos beherrscht der VW- Trainer diese Taktik wie kein Zweiter. Dr. Ferdinand Piëch höchstpersönlich steht seit Jahren fest auf dem Gaspedal. Und das endet derzeit (natürlich drahtlos) an der Drosselklappe des W8-Motors, der mit 275 PS leistungsmäßig genau vier PS unter dem V8 eines Mercedes E430 liegt.

Die E-Klasse dürfte für Piëch in diesem Fall so etwas wie Bayern München auf Rädern sein: das Maß der Dinge. Deshalb muss die Mercedes-Mittelklasse für diesen ersten Fahrvergleich herhalten. Passen die beiden Autos technisch doch gut zusammen. 4,3 Liter Hubraum im 430, im Passat 300 Kubik weniger. Hinterrad- gegen Allradantrieb. V8 gegen W8. Wobei das W etwas übertrieben ist. Im Prinzip zeichnet der Motor auch ein V, bei dem aber jeder Schenkel noch mal im schmalen Winkel von 15 Grad auseinander klafft.

Theoretisches Techniker-Thema. Das Ergebnis zählt. Ist denn nun dieser teuerste VW aller Zeiten etwas Besonderes? Antwort: Jawohl! Er fühlt sich unglaublich souverän an, und sein Achtzylinder ist wirklich eine Wucht. Er hängt gierig am Gas, dreht kräftig hoch, und der Allradantrieb packt sicher zu. Dazu eine direkte Lenkung, die den stärksten Passat unglaublich handlich wirken lässt. Keine Frage: Der W8 ist fahrdynamisch Spitze. Im Gegensatz dazu wirkt die E-Klasse behäbiger, wackelt bei vollem Gaspedaltritt schon fühlbar mit dem Hinterteil.

Motor und Preis

Und wie fühlt sich das neue Wolfsburger Vorzeigestück sonst an? Wie ein besonders hübsch gemachter Passat. Und das ist wirklich sein einziger Nachteil. Der W8 steckt eben nicht in einer Sonder-Karosse, sondern in einem Großserien-Passat, der zu Hunderttausenden an Taxiständen parkt. Wenn Sie aber mit geschlossenen Augen Platz nehmen und die Finger tasten lassen, wird es klar: Besser geht es kaum. Hochwertige Materialien, penibel gefertigt, dazu liebevolle Details wie das kleine rote Lämpchen, das nachts die Alu-Schaltkulisse beleuchtet. Okay, die Mercedes E-Klasse hat ein wenig mehr Platz, verströmt eben immer noch den Hauch von S-Klasse. Dafür tritt der Passat mit einem ungewöhnlichen Motor an. Und der klingt auch so.

Der W8-Motor faucht einen förmlich an. Das nur 42 Zentimeter kurze Aggregat (kaum länger als eine PC-Tastatur) dreht blitzartig bis 6200 Touren, vermittelt innen leise Töne - während es außen schon deutlichen Sportwagen-Sound anklingen lässt. Kein Wunder, vier Rohre zeigen den Überholten, wer sie gerade versägt hat. Tempo 100 lässt sich handgeschaltet über Sechsganggetriebe in 6,5 Sekunden erreichen, per Fünfgangautomatik (Aufpreis 3374 Mark) in 7,8 Sekunden, bei 250 Sachen wird abgeregelt. Der Mercedes E 430 mit Hinterradantrieb und serienmäßiger Fünfgangautomatik gibt sich bescheidener, zeigt keinerlei Endrohr-Orgie und kann dennoch mithalten: 6,6 Sekunden beim Spurt, 250 bei der Spitze. Auch mit dem Vierradantrieb 4Matic ist er nur 0,2 Sekunden langsamer.

Dafür aber preislich weit auf der Überholspur: 114.144 Mark kostet ein E 430 4matic Elegance. Ohne Allrad kommt er auch noch auf stattliche 107.392 Mark. Fast schon wie ein Schnäppchen wirkt da der Passat: 79.602 Mark kostet der Schalter, 82.976 die Automatikgetriebe-Version. Wer einen Variant mit W8 befeuern will, muss 2250 Mark drauflegen. Trozdem bleibt zur E-Klasse noch reichlich Abstand - den der gönnerhafte Gatte seiner Gattin mit einem schönen Golf versüßen könnte. Der eklatante Preisunterschied zum Sternmobil hat keinen wirklich greifbaren Grund. Er heißt schlicht und ergreifend Image. VW ist hier halt der Emporkömmling, Mercedes der Herr im Haus. Drastischer ausgedrückt: Süddeutscher Auto-Adel muss sich gegen Passat-Proletariat wehren.

Ausstattung und Extras

Das ist der Lauf der Zeit. Vorbei die Klassen-Gesellschaft, in der klar aufgeteilt war, wer welche Schicht motorisieren durfte. Spätestens seit Mercedes massiv die Unterklasse beliefert, gilt ein fröhliches "Feuer frei!" für alle Hersteller in allen Disziplinen. Der Passat W8 ist dabei vermutlich nur ein Windhauch gegen den im nächsten Jahr anrollenden D1 (Arbeitstitel) aus der gläsernen Fabrik in Dresden. Der wird mit Sicherheit einen Sturm auslösen. Der Passat W8 lässt ahnen, wohin die Reise geht. Sportlichkeit, aber nicht zu krawallig. Komfort, aber nicht zu sänftig. Luxus, aber nicht zu aufgesetzt. In der Seele eben immer noch ein Wagen fürs Volk. Das in den letzten Jahrzehnten ja nicht gerade ärmer geworden ist. Wer dem Golf entwachsen ist und beim Passat nicht genug Leistung findet, kann sich ab September mit W8-Kraft bedienen lassen und muss nicht nach den Sternen greifen.

In der Ausstattung sind die Unterschiede gering: Bremsassistent, elektronische Stabilitätskontrolle und Differenzialsperre (ESP, EDS) sowie die Antriebsschlupfregelung ASR sorgen unten im Passat dafür, dass sich oben alle in technisch machbarer Sicherheit wiegen können. Der E-430-Fahrer muss nur auf EDS verzichten. Die Airbagkissen im Innenraum werden hoffentlich nie ausgelöst, wenn ja, dann lauern sie serienmäßig in Front, Seite und neben den Fenstern. Wobei die Windowairbags erst in letzter Minute ins Serienpaket rutschten. Die dritte Kopfstütze hinten muss eigenartigerweise genauso extra bezahlt werden wie der dritte Dreipunktgurt (274 Mark) oder die Nebelscheinwerfer (270 Mark).

Neu und serienmäßig sind beim W8 dafür die Bi-Xenon-Scheinwerfer (schalten per beweglicher Blende von Abblend- auf Fernlicht) mit extrem sensibler Leuchtweiten-Regulierung, die so genannten Madras-Leichtmetallfelgen (17 Zoll) und eine originelle Kleinigkeit: die neuartigen, bumerangähnlichen Wischerblätter. Zuerst im Lupo GTI eingeführt, zeigen sie auch im W8, dass die extrem leichten und elastischen Gummilippen selbst bei hohem Tempo noch die Wassertropfen entfernen können. Bleibt die Schlussfrage: Schafft der große Meister in Wolfsburg tatsächlich sein Meisterstück, den lange geplanten Griff nach den Sternen? Wer zweifelt schon ernsthaft daran? Schließlich hat Piëch als Trainer die passende Antwort bereits vor Jahren gegeben. Mit seinem früheren Club Audi hat er den Aufstieg in die Champions League längst geschafft.

Technische Daten

Technik Achtzylinder-W-Motor • vier Ventile je Zylinder • Hubraum 3999 cm3 • Leistung 202 kW (275 PS) bei 6000/min • max. Drehmoment 370 Nm bei 2750/min • Allradantrieb • Sechsgangschaltung oder Fünfgangautomatik • Einzelradaufhängung vorn McPherson-Mehrlenkerachse, hinten Doppelquerlenker • innenbelüftete Scheibenbremsen, ABS, EBV, Bremsassistent, ESP • Leergewicht 1730 Kilo • Zuladung 560 Kilo • Reifen 225/45 R 17 W · 0-100 km/h in 6,8 Sek. • Höchstgeschw. 250 km/h • Verbrauch 13,2l7100km (Werksangaben) • Preis ab 79.602 Mark/40.700 Euro

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