Das Leben und Schaffen des Ferdinand Piëch

VW-Patriarch Ferdinand Piëch wird 78

— 16.04.2015

Der "Feldherr von Wolfsburg"

Bei VW tobt die Führungskrise, und Patriarch Ferdinand Piëch feiert Geburtstag. Wer ist dieser "Fugen-Ferdl", was geht auf sein Konto? Ein Überblick.

2006 war Piëch maßgeblich an der Entlassung des VW-Chefs Wolfgang Pitschetsrieder beteiligt.

(dpa/mas) Es dürfte schon ruhigere Geburtstage gegeben haben für Ferdinand Piëch. Diesen Freitag, am 17. April, wird er 78 Jahre alt – und steht mitten im Zentrum einer Führungskrise bei Volkswagen. Eine Krise, die der VW-Aufsichtsratschef selbst heraufbeschworen hat, mit einem seiner typischen Piëch-Sätze. Ein paar Worte hier, ein Halbsatz dort: Schon mehrmals hat der Patriarch Karrieren beendet, so wie anno 2006 die von Bernd Pitschetsrieder als VW-Vorstandsvorsitzendem. Oder so wie jetzt möglicherweise die von Martin Winterkorn.

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Knapp und schonungslos demontierte er den Vorstandschef: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn", sagte Piëch dem Nachrichtenmagazin "Spiegel". Eine Woche ist das nun her, und seitdem tobt in Wolfsburg ein Machtkampf. Winterkorn hat zwar derzeit eine breite Unterstützer-Allianz, dennoch wird auch über diesen Piëch-Satz viel spekuliert: "Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen." In Vorstand und Aufsichtsrat müssten jeweils Techniker die Führung bekleiden.

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Der "Feldherr von Wolfsburg"

Mit der Winterkorn-Demontage machte Piëch seinem Ruf wieder einmal alle Ehre. Knallhart soll er sein, auch mal aufbrausend gegenüber seinen Managern; der Spitzname "Feldherr von Wolfsburg", als den ihn angelsächsische Medien gerne bezeichnen, scheint deshalb besser zu passen als "Fugen-Ferdl", wie er firmenintern genannt wird, weil er bei Prototypen auf jedes noch so kleine Detail achtet. Denn "Fugen-Ferdl", das klingt nach Fliesenleger, nach einem netten Typen, mit dem man abends an der Theke ein Bierchen zischt. Menschen, die Piëch gut kennen, beschreiben ihn zwar als einen, der mit dem Nimbus des Machtmenschen auch hadert. Er sei gar nicht so, wie die Medien ihn zeichneten, sagte er so manchem. Doch das Bild des gestrengen "Feldherrn" ist nunmal da.

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Piëchs Modell- und Markenstrategie

Unter Piëchs technischer Leitung entstanden bei Audi unter anderem der TDI-Diesel und der quattro-Antrieb.

Der Enkel des legendären Autokonstrukteurs Ferdinand Porsche sieht VW als sein Lebenswerk. Nach Wolfsburg kam er über Stationen bei Porsche und Audi; als freier Ingenieur arbeitete er Anfang der 70er-Jahre sogar für Daimler, entwickelte die Grundlagen des Fünfzylinder-Diesels für Mercedes. Von 1993 bis 2002 lenkte er dann den VW-Konzern selber und überwacht ihn seither als Aufsichtsratschef. Mit Erfolg: Er hat den Anfang der 90er noch schwächelnden Konzern vor allem durch strategische Entscheidungen zu einem der größten Autohersteller der Welt gemacht. Ihm ist es zu verdanken, dass der Konzern mittlerweile zwölf Marken unter sich vereint und in allen Segmenten mitspielt. Auch technisch hat er seinen Stempel aufgedrückt: Der TDI von Audi, der quattro-Antrieb oder auch das Drei-Liter-Auto-Lupo entstanden unter seiner technischen Leitung – um nur einige Beispiele zu nennen.

VW-Patriarch Ferdinand Piëch wird 78

Mit Ehefrau Ursula (58) hat Piëch drei Kinder. Sie sitzt ebenfalls im VW-Aufsichtsrat.

Denn Piëch gilt als technikversessen, und er ist jemand, der auch einen Motor zusammenschrauben kann: 1962 graduierte er mit einer Arbeit über die Entwicklung von Formel-1-Motoren zum Diplom-Ingenieur. Privat segelt er gerne, beschäftigt sich mit fernöstlicher Kultur und japanischer Ethik. In der Öffentlichkeit erscheint er meistens in Begleitung seiner Ehefrau Ursula (58), die er in den VW-Aufsichtsrat holte. Eingehakt am Arm seiner Gattin, so flanieren sie über Messen und Termine. Das Paar hat drei gemeinsame Kinder, insgesamt sind es laut Piëch zwölf (von vier verschiedenen Frauen). Sein milliardenschweres Erbe hat Piëch über ein Stiftungskonstrukt geregelt.

Autor: Maike Schade

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