VW Polo Fun TDI und Rover Streetwise R2

Rover Streetwise R2 und VW Polo Fun TDI Rover Streetwise R2 und VW Polo Fun TDI

VW Polo Fun TDI und Rover Streetwise R2

— 23.02.2004

Nur zum Spaß

Sie sehen aus wie kleine Geländewagen, sind aber reine Asphalttreter für die City. Mehr Schein als Sein? Falscher Ansatz. Die wollen nur spielen!

Polo: 20 Millimeter höher gelegt

Spaßgesellschaft? Lange nichts mehr davon gehört. Das Wort scheint in den vergangenen Jahren irgendwo zwischen Depression, Wirtschaftskrise und Rationalisierung verloren gegangen zu sein. Man muss doch nur die Schlagzeilen lesen, und schon weiß man Bescheid: Maut-Desaster, Reformstreit, Agenda 2010. Spaß kommt da in keiner Zeile vor.

Seit neuestem gibt es aber Autos, die sich vorgenommen haben, schlechte Nachrichten einfach abzuschütteln. Das jüngste heißt VW Polo Fun, was wörtlich übersetzt Spaß bedeutet. Ein Polo, der schon im Namen Freude am Fahren verspricht.

Außen unterscheidet sich der VW von seinem Bruder durch eine um 20 Millimeter höher gelegte Karosserie, 17-Zoll-Aluräder, Nebelscheinwerfer, silberne Dachreling und glänzende Außenspiegel. Der Preis: 18.125 Euro – satte 3625 Euro mehr als der normale Polo TDI. Mit dem teilt er auch die Technik – also Front- statt, wie zunächst vermutet, Allradantrieb.

Rover: Viel Lärm um nichts

Auch Rovers Marketingabteilung hat entdeckt, dass sich Alltagsautos in Geländewagen-Optik zurzeit ganz gut verkaufen lassen. Deshalb entwarfen die Briten für ihren in der Grundkonzeption fast 20 Jahre alten Rover 25 eine moderne Kunststoffrüstung. Durch Stoßfänger, Radlaufblenden und seitliche Schutzleisten aus schwarzem Plastik soll der 19.595 Euro teure Streetwise R2 gewappnet sein gegen die Gefahren des Großstadtdschungels. Rempler und leichte Stöße prallen einfach an ihm ab.

Ärger droht aber nicht erst an der nächsten Bordsteinkante, sondern ist in dem frontgetriebenen Viersitzer bereits ab Werk eingebaut – hoffentlich nicht in Serie. Die Verkleidung des Radlaufs löste sich bei unserem Wagen schon nach wenigen Kilometern, die Heckklappe stand einen Spaltbreit offen, und in manche Zwischenräume hätten wir locker das Mitgliedsbuch einer britischen Gewerkschaft schieben können – VW hat den Polo deutlich besser gefertigt.

Auch im Cockpit lässt sich die Sparpolitik des britischen Herstellers förmlich greifen: Die Kunststoffe dürften besser entgratet sein, die Verkleidung des Schalthebels rastet regelmäßig aus. Bei der Dämmung des rauen 2,0-Liter-Diesels (101 PS) sollte Rover dringend nachbessern. Der Vierzylinder dröhnt nach dem Start wie ein Traktor.

Motorleistung und Fahrverhalten

Der Dreizylinder-Diesel (75 PS) des Polo Fun arbeitet nicht messbar leiser, klingt aber angenehmer. Obwohl die Motorhaube das Nageln tapfer schluckt, hören die Passagiere im Cockpit ein asthmatisches Husten. Insgesamt bietet Volkswagen sieben Motoren im Fun an, fünf Benziner (55, 64, 75, 86, 100 PS) und zwei Diesel (75, 100 PS). Rover-Kunden können zwischen dem Turbodiesel (101 PS) und zwei Benzinern (103, 109 PS) wählen, die alle beim Abgas nur Euro 3 erfüllen.

In allen Bereichen wirkt der Polo besser durchdacht. Das beginnt bei der Verstellung der fest gepolsterten Sportsitze, die sich ritsch, ratsch per Hebel auf Van-Höhe positionieren lassen. Im Rover dreht sich der Fahrer einen Wolf – dieses Kurbelprinzip mit Mini-Rädchen unterhalb des Sitzes haben alle deutschen Autohersteller abgeschafft.

Schwergängig arbeitet auch die Rover-Lenkung, die kaum Auskunft über den Radeinschlag gibt. Selbst in lang gezogenen Kurven legt sich der R2 weit zur Seite. Halt finden die Passagiere dann in den straffen Seitenwülsten der Sportsitze, die für kleine Kleidergrößen super geschnitten sind. Das bessere Unterhaltungsprogramm bietet aber der Fun. Obwohl die Servolenkung des kleinen VW leichter einschlägt, leistet sie bei Manövern bessere Hilfe. Durch Kurven fährt der Hochsitz-Polo (1,53 Meter) aufrecht, allerdings bezahlen die Passagiere dafür mit einem straffen Fahrwerk. Asphaltdellen und Kopfsteinpflaster verteilen Stöße bis in den Rücken.

Kosten und Ausstattungen

Im Kopf aber reift die Gewissheit, dass der Fun auch ohne Stabilitätsprogramm lange sicher bleibt. In den Modellen mit 100 PS gehört ESP inklusive Bremsassistent zur Serie. Die Helferlein stellen sicher, dass das Auto nicht ins Schleudern gerät und bei einer Notbremsung die volle Bremskraft erreicht. So viel Hightech fehlt dem Briten gänzlich – von Seitenairbags ganz zu schweigen. So verabschiedet sich der Rover-Fahrer von der Spaßgesellschaft spätestens, wenn ihm die Straße ausgeht.

Fazit und Technische Daten

Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko Rover Streetwise und Polo Fun sind teure Vergnügen: Für satte 18.000 Euro gibt's auch deutlich größere Autos. Dennoch: Der von Wolfsburg verordnete Spaß für den Polo ist rundum gelungen. Der Fun sieht pfiffig aus und bereitet jede Menge Vergnügen. Der Rover ist nur für England-Fans zu empfehlen, die Leiden gewöhnt sind. Denn weder der Diesel (rau) noch das Fahrwerk (antiquiert) noch die Verarbeitung (schludrig) rechtfertigen den hohen Preis. Da hört der Spaß ganz einfach auf. Übrigens: Diesmal gibt's keine Punktwertung, weil sich die Motorleistungen zu stark unterscheiden.

Polo Fun oder Rover Streetwise – Ihr Urteil

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für VW Polo Fun TDI und Rover Streetwise R2.

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