VW Polo I (1975-1981)

Gebrauchtwagen VW Polo I (1975-1981) Gebrauchtwagen VW Polo I (1975-1981)

VW Polo I (1975-1981)

— 22.03.2002

Schrott oder Schnäppchen?

Wir wollten wissen: Was taugt ein Auto für einen Euro? Die Antwort: Finger weg. Es sei denn, Sie sind Schrauber.

Wo gibt es Ein-Euro-Autos?

Was hat die Höhle gekostet? Einen Euro? Das kann doch nur ein Fall für den Schrott sein, spotteten die Kollegen. Die Höhle, das ist ein VW Polo Baujahr 1980. Treuen Lesern bereits aus Heft 5 bekannt, wo wir den grünen Ur-Polo mit seinem modernen Nachfahren verglichen. Am Wolfsburger Youngtimer interessierte uns aber mehr als seine historische Bedeutung: Was ist dran am Gebrauchten für einen Euro?

Angeboten werden Schnäppchen dieser Art bei Online- Auktionen, im Anzeigenteil der Regionalblätter und gelegentlich beim Gebrauchtwagenhändler. Neuwagenhändler nehmen Alteisen zwar in Zahlung, verschrotten es aber gleich. Wer sich für einen Oldie interessiert, muss vor allem bedenken, was nicht dran ist: ein Kat zum Beispiel. Ergebnis: Steuern bis 25,36 Euro pro 100 Kubik. Gültige TÜV- und AU-Plaketten fehlen meist ebenfalls.

Wenn der alte Wagen ein VW ist, fällt die Ersatzteilversorgung besser aus als bei anderen Firmen. Viele Teile gibt es als preisgünstigen Nachbau, etwa im Classic Part Center Wolfsburg. So zum Beispiel die Bremsen der Vorderachse. Die Nachbauteile kosteten inklusive Bremsflüssigkeit 95 Euro. Originale VW-Ware für 106,27 Euro hält vielleicht länger, doch bis die neuen Bremsen abgefahren sind, haben andere Leiden den Polo wahrscheinlich schon aus dem Verkehr gezogen.

Was kostet die Reparatur?

Bei den Stoßdämpfern unseres Ein-Euro-Stücks blieb nur der Tausch. An den Federbeinen klebte Öl, nach Bodenwellen schwankte der Polo wie ein Segelboot im Sturm. VW kann nur noch für die Vorderachse Dämpfer liefern und verlangt dafür 134,40 Euro. Wir wählten den Nachbau, bezahlten für vier Stück 100 Euro. Arbeitszeiten sind in den Preisangaben nicht enthalten, denn wer den VW-Betrieb beauftragt, wird aus dem Traum vom Billig-Auto schnell erwachen.

Dass unser Polo mehrere Durchrostungen hat, sahen wir schon vor dem Kauf. In Heckblech, Radhäuser und Seitenschweller investierten wir Spachtelmasse, Blech und einen Arbeitstag. Viele Mängel konnten wir nicht mit finanziell vertretbarem Aufwand beseitigen. Zum Beispiel den Ölverlust an Motor und Getriebe: Nahezu alle Dichtungen machen ihrem Namen keine Ehre mehr. Immerhin, mit kleinen Investitionen - zusammen rund 300 Euro inklusive neuer Batterie und neuer Kleinteile - fährt der Polo jetzt ohne Schwierigkeiten, bekam sogar den Segen vom TÜV für weitere zwei Jahre. Fazit: Noch billiger als unser Polo ist nur geschenkt. Doch wer kein Händchen fürs Schrauben hat, sollte die Finger von derartigen Autos lassen. Sonst wir aus Billigangeboten ganz schnell ein teures Vergnügen.

Rost- und Kat-Probleme

Rost Im Laufe der Jahre wurde die Rostvorsorge der Hersteller immer besser, in einigen Jahren kennen junge TÜV-Prüfer das Problem nur noch aus Erzählungen. Heute müssen Käufer älterer Fahrzeuge mit Schäden an der Karosserie leben beziehungsweise diese beheben lassen. Zeigen Rahmen oder tragende Teile Gammel-Spuren, zückt der TÜV-Prüfer die rote Karte und verweigert die Plakette. Bei einem Unfall würden sich nämlich die ohnehin meist schlechten Crash-Eigenschaften noch dramatisch verschlechtern. Damit wäre so ein Auto eine Gefahr für alle. Bei Reparaturen ist das Material billig, teuer kommt die Arbeitszeit. Wo man nicht schweißen muss, kommt ein Austausch billiger, etwa an Türen oder Hauben.

Kat Die erste Frage aller Gebrauchtwageninteressenten gilt stets dem Katalysator. Nicht weil das Gewissen die Umwelt schützen will, sondern das Finanzamt bei katlosen Autos kräftig die Hand aufhält. Für alle gängigen Marken und Typen werden Nachrüst-Katalysatoren angeboten, die nur einen Haken haben: Ihr Preis übersteigt schnell den Wagen-Wert. Für ein Audi Coupé aus 81 mit 115 PS sind schnell 2000 Euro ausgegeben. Um jemals eine Kostenersparnis zu genießen, muss der Audi noch viele Jahre und Kilometer fahren. Was aber bei seinem Alter fraglich ist. Kaltlaufregler sind nur für Fahrzeuge mit Katalysator eine Möglichkeit, die Steuer zu drücken. Unser Tipp: Fragen Sie schon vor dem Kauf, ob das Auto einen Kat hat. Und bevor Sie noch zuschlagen, besser die fällige Steuer und Sparmöglichkeiten sorgfältig prüfen.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 3/75 Markteinführung des Polo (3863 Euro) mit 40 PS und 0,9 Liter Hubraum. Großteils baugleich mit dem Audi 50, der bereits sechs Monate zuvor eingeführt wurde 8/76 Aufwertung der Technik und Ausstattung, Kopfstützen jetzt serienmäßig. Motoren mit 50 und 60 PS 2/77 Alternativ zum Polo erscheint die Stufenheck-Limousine Derby 8/77 Neuer 1,3-Liter-Motor mit 60 PS 9/79 Vorstellung des VW Polo GT auf der IAA in Frankfurt 7/81 Stopp für den Polo I nach etwa 1,1 Millionen Fahrzeugen

Schwachstellen • Rost ist das größte Problem, nahezu alle Stellen sind betroffen. Seitenschweller und Radläufe sind besonders schwer zu tauschen • Längere Fahrt bei hoher Drehzahl bedeutet ein frühes Ende der Zylinderkopfdichtung, deren Austausch aber unkompliziert ist • Bremsen und Kupplung sind typische Verschleißteile. Weisen die Stoßdämpfer Ölspuren auf, empfiehlt sich ein Austausch • Unruhiger Leerlauf und hoher Kraftstoffverbrauch sind ein Zeichen für verstopfte Vergaser-Düsen • Die Scheinwerfer-Reflektoren rosten, wenn sie über längere Zeit feucht sind • Fehlt häufig Flüssigkeit im Kühler, leckt vermutlich die Wasserpumpe • Defekte Auspuffanlagen sollten besser gleich getauscht und nicht geschweißt werden.

Reparaturkosten Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel VW Polo, 40 PS, 0,9-Liter, Baujahr 1980. Mit gebrauchten Teilen vom Schrott- platz sieht es mittlerweile schlecht aus. Nachbauteile sind die einzige Möglichkeit, sich den teureren Original-Ersatz zu sparen.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Alte Autos überraschen ihre Besitzer häufig mit Defekten und Reparaturen, da ist auch der VW Polo keine Ausnahme. Wer genau rechnen muss und wirklich nicht mehr als einen Euro plus Steuer und Versicherung investieren will, sollte nicht zugreifen. Kostenbewusste Schrauber mit Geschick sind dagegen mit dem Polo gut beraten. Sie erhalten ein Fahrzeug, bei dem man auch ohne Spezialwerkzeug vom Hersteller eine Menge selbst erledigen kann." Nikolaus Eickmann, Kfz-Mechaniker und AUTO BILD-Redakteur

Modellempfehlung VW Polo (37 kW/50 PS)

Steuer/Schlüsselnummer: 279 Euro im Jahr/00 Testverbrauch: Werksangabe 8,1 Liter, gemessen 8,9 Liter (Normal) Versicherung: Vollkasko (12/500 Euro SB): 449 Euro. Teilkasko (11/150 Euro SB): 42 Euro. Haftpflicht (16): 894 Euro (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: alle 15.000 Kilometer, ca. 100 Euro Wertverlust: Der erste Polo (Typ 86) wird je nach Zustand gehandelt. Einen echten Wertverlust kann man kaum noch errechnen.

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