VW Polo II (1981-1994)

Gebrauchtwagen VW Polo II Gebrauchtwagen VW Polo II

VW Polo II (1981-1994)

— 25.02.2002

Kein Überraschungspaket

Günstig, solide und pflegeleicht: Wer mit einem VW Polo II liebäugelt, kann kaum auf die Nase fallen.

Karosserie und Technik

Wenn Erfolg in Stückzahlen gemessen wird, gehört die zweite Polo-Generation auf die Wolfsburger Bestenliste: 1,7millionenmal wurde der kleine VW in 13 Jahren gebaut. Und selbst vier Jahre nach Serienende sind immer noch mehr als 850.000 bei uns zugelassen.

Solide Technik, niedriger Unterhalt und geringer Wertverlust sind gute Gründe für einen Polo. Der deshalb, besonders die Typen nach dem 91er Facelift, zu den beliebtesten Gebrauchten zählt. Als Einsteigermodell, Pizzakurierauto oder Knallbüchse mit dem 113 PS starken G-Lader. Der gute Ruf hat einen Grund: Durchgerostete Polo sind selten. Braune Stellen finden sich höchstens bei älteren Modellen an Schwellern und Radläufen. TÜV-Ärger gibt es deshalb trotzdem nicht. Und nach dem Facelift gammelt der Polo nicht mal ansatzweise. Unser 93er Testmodell war so makellos wie viele andere auch.

Doch der Blick aufs Bodenblech offenbart dafür eine andere Schwachstelle: Ölverlust an Motor und Getriebe, ein chronisches Wolfsburger Leiden. Meist ist nur die billig zu reparierende Ventildeckeldichtung schuld. Gelegentlich sind aber Zylinderkopfdichtung und Einspritzpumpe undicht, oder der Schaltwellen-Simmerring läßt die Schmiere entweichen. Leckagen auch im Wasserkreislauf. Die Pumpe versagt oft nach 100.000 Kilometern ihren Dienst. Bei älteren Modellen platzen Ausgleichsbehälter und lecken poröse Kühlschläuche. Ergebnis: in jedem Fall Kühlwasserverlust, der zu verbrannten Kopfdichtungen führt. Wer ein Auge aufs Wasser hat und den Zahnriemen spätestens alle 100.000 Kilometer wechselt, kann sich dafür an standfesten Motoren erfreuen.

Motor und Fahrwerk

Kein Sprinter, aber ein Sparer ist der Diesel mit 48 PS: als Fünf-Liter-Auto heute noch ein Sparkönig unter den Kleinen. Quotenkönig ist der in der Anschaffung günstigere 45-PS-Benziner, mit dem Überholvorgänge aber schnell zum Schneckenrennen werden. Spaß kommt bei 55 oder 75 PS auf. Und ein richtiger Autobahnschreck ist der G40, der dank G-Lader mit 113 PS Spitze 200 rennt. Verbrauch und Kaskoklasse liegen dann freilich auf dem Niveau eines Mercedes E 320. Von den extrem teuren G40-Ersatzteilpreisen ganz zu schweigen (Lichtmaschine für 800 Mark, G-Lader von VW für 4000 Mark).

Eine böse Überraschung kann es nach flott durcheilten Kurven oder beim Einparken geben: Urplötzlich steht das Lenkrad schief. Der Grund: ausgeschlagene Stabibuchsen. Dann unbedingt ab in die Werkstatt. Auch die Radlager schlagen mit der Zeit aus und fangen an zu brummen. Hinten ist Nachstellen möglich, vorn muß getauscht werden. Wenn jedoch alles sitzt, dann läuft der Polo wie im Bilderbuch geradeaus und meistert Kurven mit gutmütigem Untersteuern.

Dennoch wird dem Polo II das letzte Stündchen bald schlagen. Der immer stärker gehandelte Nachfolger (400.000mal zugelassen) drückt die Preise des Vorgängers. Da wird in die Wartung des alten Modells weniger investiert, Reparaturen lohnen nicht mehr. Zwei TÜV-Perioden weiter, und alte Polo wandern ohne Umweg in die Presse. Wer aber jetzt ein gepflegtes Exemplar ergattert und es regelmäßig wartet, der kann für wenig Geld noch lange Polo spielen.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/81 Vorstellung der zweiten Polo-Generation (Typ 86 C)auf der IAA: "Steilheckauto mit Kombicharakter" und Stufenheck (Derby) 9/82 Coupé-Version mit Fließheck 9/85 Kleinserie G40: Coupé mit G-Lader, 115 PS, 200 km/h 12/86 erstes von 15 Sondermodellen, genannt "Movie" 9/90 Facelift: rechteckige statt runde Scheinwerfer, andere Heckleuchten, neue Armaturen. Benziner mit 45, 55, 75 PS (alle G-Kat) und 48-PS-Diesel. Basismodell für 15.790 Mark 2/91 Spitzenmodell G40 neu mit 113 PS (Kat) ab 25.690 Mark 8/94 Vorstellung der dritten Polo-Generation (Typ 6N) auf dem Pariser Salon

Schwachstellen • Domlager schlagen im verborgenen aus – die oberen Schwenklager der Schraubfedern (rechts, oberhalb der Feder) machen oft nach 100.000 Kilometern Geräusche • Ventildeckeldichtungen aus Gummi sind schnell undicht und halten manchmal keine 30.000 Kilometer. Die Reparatur ist billig: knapp 100 Mark inklusive Dichtung • Zahnriemen mit Augenmerk behandeln. Wer nicht spätestens nach 100.000 Kilometern wechseln läßt, riskiert kapitale Motorschäden. Beim Tausch die Wasserpumpe mitchecken – meist ist sie undicht • Bremsschläuche mit porösen Stellen kennt der TÜV nach 70.000 Polo-II-Prüfungen im Zeitraum 97/98 reichlich: Ab dem fünften Zulassungsjahr sollten die Schläuche deshalb erneuert werden • Kraftstoffpumpe mit Undichtigkeiten – ein altes Polo-Leiden

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel eines VW Polo CL Coupé, 33 kW/45 PS, Baujahr 1990. Kleines Auto, kleine Preise – der Volkswagen bleibt bezahlbar, weil es viele Teile schon im Austausch (AT) gibt.

Fazit und Expertentipp

Fazit "Der alte Polo ist ein Kleinwagen-Klassiker. Günstig, solide und pflegeleicht. Das bedeutet allerdings nicht, daß die Wartung vernachlässigt werden darf. Lebenswichtig für den Motor ist die Kontrolle des Zahnriemens, der nach rund 100.000 Kilometern gewechselt werden sollte. Dabei kann die sonst schlecht zugängliche Wasserpumpe, die meist undicht ist, gleich mit gemacht werden. Ebenfalls verschleißbedingt: Ölverlust an Schaltwellen-Simmerring, Ventildeckel- und Zylinderkopfdichtung. Und wenn die Radlager hinten brummen, sollten sie nachgestellt oder getauscht werden. Fahrspaß gibt es mit 75 PS oder natürlich im G40. Die 45-PS-Sparversion ist eher untermotorisiert." Achim Koch, Kfz-Meister aus Seevetal

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