VW Polo III (1994-2001)

Gebrauchtwagen VW Polo Gebrauchtwagen VW Polo

VW Polo III (1994-2001)

— 25.02.2002

Offen und ehrlich

Kauf ohne Risiko? Da ist der Polo III erste Wahl. Nur diverse Kleinigkeiten können den Fahrspaß im Alltag trüben.

Erfahrungen und Erkenntnisse

"Fettmops" und "Säufer" lautete das vernichtende Urteil aus Greenpeace-Kehlen bei der Vorstellung des Polo III im Sommer 94. Denn der Wolfsburger Nachwuchs brachte es fast auf das Gewicht seines Golf-Bruders und brauchte deshalb rund acht Liter alle hundert Kilometer, um in Fahrt zu kommen. Das Saufen verging dem Polo dank neuer Motoren (95/96), ein Crashtest von AUTO BILD (Heft 51/94) bewies: Die gewichtigere Karosse brachte auch mehr Sicherheit – kein Kleinwagen war so sicher wie der Polo.

Seitdem gibt es nur noch wenig Grund zur Klage, bei TÜV-Prüfungen schneidet der Polo sehr gut ab, in der ADAC-Pannenstatistik fährt er unter den Besten. Auch unser 95er Testmodell mit rund 60.000 Kilometern präsentierte sich weitgehend makellos. Nur an einer Schweißnaht der Hinterachse zeigte sich ein Anflug von Rost. Guter Unterbodenschutz und reichlich Wachs in Hohlräumen (AUTO BILD-Dauertest, Heft 4/98) reichen als Langzeitkonservierung.

Anfälliger sind da Schon die Gelenkwellen. In unserem Fall war eine Manschette löchrig (Austausch kostet rund 160 Mark), und die Außenhaut einer Antriebswelle blätterte ab (Ersatz etwa 600 Mark inklusive Arbeitslohn). Früher Verschleiß, im AUTO BILD-Dauertest war eine Welle sogar schon nach 100.000 Kilometern ausgeschlagen.

Motoren und Technik

Ordentlich trocken war dafür der alte 1,3-Liter-Motor mit 55 PS. Im AUTO BILD-Test (Heft 25/95) verbrauchte das ab 3000 Touren dröhnende Triebwerk mit 7,7 Litern genausoviel wie der kleinere 45-PS-Graugußmotor, der sich bei dem hohen Fahrzeuggewicht mächtig anstrengen muß. Da beide Motoren – bekannt aus dem Vorgänger – sehr starke Vibrationen erzeugen, gibt es häufig gebrochene oder gerissene Auspuffkrümmer (ab 500 Mark). Das Testmodell lief bereits mit dem dritten Ersatz.

Und auch die Dichtungen von Ventildeckel und Zylinderkopf halten nicht immer. Empfehlenswerter sind die ruhigeren und spritsparenden Alumotoren mit 50 und 60 PS, die den Verbrauch um einen Liter reduzieren. Mehr Gas, mehr Spaß lautet die Formel im 75-PS-Polo, der sich nicht unter acht Litern begnügt. Richtig teuer im Unterhalt sind Polo 16V (100 PS) und GTI (120 PS). Wer auf verschleißfördernde Kraftmeierei verzichtet, hat nur selten Ärger beim Polospiel – solange die Spannung stimmt. Denn defekte Batterien und viele Elektrikpannen an Zündung, Thermostat, Fensterheber und Zentralverriegelung vergällen die Fahrfreude. Und die serienmäßige Wegfahrsperre sperrt Besitzer schon mal aus.

Das Angebot gebrauchter Polo ist riesig: mit zehn Ausstattungen, zehn Motorisierungen und drei Versionen. Aber die Nachfrage auch: Selbst die nackte Basis von 94 mit 45 PS ohne Servolenkung wird noch mit der Hälfte des Neupreises gehandelt. Billiges Angebot? Dann ist bei aller Ehrlichkeit des VW Polo Vorsicht geboten. Meist handelt es sich um stark strapazierte Ex-Mietwagen oder Re-Importe mit einfacher Serienausstattung. Beide lassen sich jedoch mit einem schnellen Blick in den Brief entlarven.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 8/94 Vorstellung des Polo III (6N) als Steilheck-Limousine (3- und 5-Türer); Benziner: 1,0/45 PS, 1,3/55 PS, 1,6/75 PS und ein Wirbelkammer-Diesel1,9/64 PS. Basisversion Fox ab 18.295 Mark 5/95 neuer Alumotor (1,4/60 PS) ersetzt 55-PS-Version 8/95 Doppel-Airbag serienmäßig (davor 400 Mark Aufpreis) 10/95 viertürige Stufenheckversion Classic (früher Polo II Derby) 9/96 ABS serienmäßig; 1,0/50-PS-Alumotor statt 45-PS-Version; Topmodell 16V mit 1,4/100 PS ab 26.500 Mark 12/96 neuer Saugdiesel-Direkteinspritzer 1,9/64 PS 7/97 fünftürige Kombiversion Variant ab 24.750 Mark 9/99 große Modellüberarbeitung, geänderte Motorenpalette 9/01 Vorstellung des neuen VW Polo IV (9N)auf der IAA

Schwachstellen • die Elektrik kann versagen, wenn (wie beim AUTO BILD-Dauertest) die Masseanschlüsse korrodiert sind. Unsere Lesertester ärgerten defekte Fensterheber, Wegfahrsperren und Zentralverriegelungen • die Kupplungen fallen durch überdurchschnittlich schnellen Verschleiß auf. Immerhin - die neuen Kupplungsseile seit 96 halten länger • Schiebedächer mit Klappergeräuschen - das melden die Lesertester. Im Dauertest war die Luke schwergängig; ein Fertigungsfehler • Abgasanlage mit zwei Schwächen: im Zeitraffer rostende Endtöpfe und gerissene Auspuffkrümmer an den vibrierenden Graugußmotoren • Ölverluste an Motor und Getriebe können vereinzelt auftreten. Wie beim Vorgänger ist vor allem der Simmerring der Schaltwelle schon nach 50.000 Kilometern verschlissen

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel eines VW Polo Fox 1.0, 33 kW/45 PS, Bj. 1995. Kleiner heißt nicht gleich günstiger – die billige Basis ist bei Bremsscheiben und Wasserpumpe fast genauso teuer wie der große Bruder Golf III.

Fazit und Urteil

Fazit "Der Polo III ist wie sein Vorgänger ein zuverlässiges Auto. Allerdings erst bei der zweiten Motorengeneration (Alu statt Grauguß) hörten ein paar typische Mängel auf. Dazu gehören vor allem gerissene Auspuffkrümmer und gebrochene Abgasanlagen zwischen Vor- und Nachschalldämpfer. Ebenfalls auffällig sind Ölverluste am Simmerring des Schaltgestänges und gerissene Kupplungsseile. Anfällige Zahnriemen waren nur bis 95 problematisch, danach begrenzten eine automatische Spannrolle und neues Riemenmaterial die Motorschäden. Empfehlenswert sind in jedem Fall die neuen Alutriebwerke mit 50 und 60 PS. Die alte Basis mit 45 und 55 PS ist zu schwach, rauh und durstig." Kfz-Meister Ralf Schmechel, Tornesch

AUTO BILD-Urteil: Empfehlenswert

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.