VW, Audi, Porsche: Vorschau

VW Roadster Illustration Audi R5 Illustration

VW Roadster: Vorschau

— 07.02.2011

Der neue Volks-Porsche kommt!

VW, Audi und Porsche wollen ab 2014 mit gemeinsamer Technik antreten und den neuen Mittelmotor-Sportler jeweils zur Marke passend einkleiden. Das Ganze zu sportlich fairen Preisen: Bei 27.500 Euro geht es los.

In Wolfsburg wissen sie, wie schwer es sein kann, immer und überall Erfolg zu haben. Der dortige Fußballverein gewann zwar 2009 – für alle überraschend – die deutsche Meisterschaft, doch der Titel blieb eine Sternschnuppe. Schön, aber selten. Derzeit krebst der VfL im Mittelfeld herum – zu wenig für die hohen Ziele. Die hat auch der Autohersteller aus der gleichen Stadt, der jedoch eher auf dem Niveau der Bayern spielt. Erfolgreich, weltberühmt und gespickt mit Stars wie Golf oder Polo. Trotzdem kann VW bei Sportwagen keinen Blumentopf gewinnen. Das soll sich ändern, wenn der Konzern ab 2013 einen neuen Sportklub gründet, der gleich unter drei Markenemblemen antritt: ein Mittelmotor-Auto, das intern nur noch Mimo abgekürzt wird. Mimo soll bei VW, Audi und Porsche antreten – und damit gehen die Probleme los.

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Knackiger Roadster mit Stoffach: die VW-Variante des neuen Mittelmotorsportlers.

Denn der neue Sportklub zeigt, wie schwer es sein kann, drei Marken unter einen Hut zu bekommen – selbst wenn sie dem gleichen Konzern angehören. Porsche tut sich schwer, in volumenstarke und renditeschwache Niederungen hinabzusteigen. Und Audi findet zwischen neuem TT und R8-Nachfolger kaum Platz für einen dritten Sportwagen. Wenigstens die Systemführerschaft ist geklärt: VW trägt die Verantwortung für den Aufbau, Porsche kümmert sich um das Plattformkonzept, und jede Marke steuert ihre eigene Motorisierung bei. Geeinigt hat man sich inzwischen auch darüber, was bei Mimo nicht in frage kommt: • kein 2+2-Sitzer • kein versenkbares Hardtop • keine markenspezifischen Achsen • keine Gleichteile bei der Gestaltung der Außenbleche und des Innenraums. Natürlich gibt es übergreifende Fixpunkte, an denen nicht zu rütteln ist. Dazu gehören zum Beispiel Vorderwagen und Hinterwagen, Schottwand und Spritzwand, die Elektronikplattform sowie das Sicherheitspaket, von den Crashboxen über die Airbags bis zum aktiven Überrollschutz. VW könnte zwar durch eine Federbeinachse vorn ein paar Euro sparen, doch unterm Strich spricht alles für Doppelquerlenker rundum und für die neue, in der Abstimmung variable, elektrisch unterstützte Servolenkung. Bei den Dimensionen sind kleine Abweichungen möglich, unterschiedlich lange Radstände erscheinen aus heutiger Sicht dagegen als verzichtbar.

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Bei allen Herstellern sind mehrere Varianten geplant: hier der Audi R5 als Coupé.

Alle drei Marken wollen mindestens zwei Karosserievarianten bauen. Den Anfang macht wohl durch die Bank der Roadster, den Porsche mittelfristig durch einen puristischen Speedster ergänzen könnte. Das Modell mit festem Dach ist entweder als knackiges Stummelheck, als Fixed Head Coupé mit der Dachform des geschlossenen Spyder oder als Schrägheck-Coupé nach Art des Cayman denkbar. Aus der Audi-Ecke wird sogar ein Shooting Brake angeregt, der eine neue Marktnische aufmachen und sich darüber hinaus sauber zur TT-Konkurrenz aus dem eigenen Haus abgrenzen würde. Die Mimo-Grundidee geht zurück auf die wunderschönen Studien BlueSport (2009) und Concept R (2003), die ersten Testballons für den Publikums-Geschmack. Noch immer sollen Gleichteile aus der Großserie die Kosten senken: Module aus dem Baukasten für Golf und Polo bieten angeblich pro Fahrzeug ein hohes dreistelliges Einsparpotenzial. Gebaut werden sollen die Mittelmotor-Sportler in erster Linie bei Karmann in Osnabrück, mit Reserven in Zuffenhausen und Györ (Audi). Dort könnten jährlich über 100.000 Autos vom Band rollen.

Natürlich fehlt es nicht an Unkenrufern und Heckenschützen. Der neuen Sportklub trete zu unifom auf, mosern manche. Wirklich? Jeder der Athleten bekommt seine eigene Außenhaut, ein originäres Interieur, spezifischen Antriebsstrang und seine individuelle Fahrwerk-Lenkung-Bremsen-DNA. Identische Sitze dürfen sein, aber Nahtbild und Polsterung müssen sich unterscheiden. Ähnliches gilt für Optionen wie Drive Select (Audi), Sport Chrono (Porsche) oder BlueMotion (VW). Audi ist in den Sportklub bislang nur halbherzig eingestiegen und ziert sich noch. Nur Fünfzylinder oder auch einen Vierzylinder? Offen. Fünfzylinder längs oder quer eingebaut? Offen. Nur Heckantrieb oder auch quattro? Offen. Nur TFSI oder auch ein starker TDI? Offen. E-tron als besonders kompromisslose Alternative zu BlueMotion? Offen. Klar ist nur, dass zwischen einem leistungsbegrenzten TT und dem R8 genug Platz bleibt für einen kernigkräftigen R5. Weil Porsche den Boxster schützen muss, könnte Audi mit einem 350 PS starken R5 RS sogar den leistungsstärksten Mimo-Ableger auf die Räder stellen.

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Der kleinste Porsche: Den 550 setzt ein 1,6 Liter großer Vierzylinder-Boxer in Bewegung.

Der Porsche-Sportler wird 550 heißen und einen Vierzylinder-Boxer unter der Haube haben: Der komplett neue 1,6-Liter soll unter anderem durch ein sehr effizientes Brennverfahren punkten. Die schwächere Version mobilisiert 210 PS und 290 Nm, das schärfer aufgeladene Aggregat dürfte 250 PS und 340 Nm haben. Dazu passen PDK und Handschalter, jeweils mit sieben Gängen. Der noch namenlose VW soll ebenfalls mit völlig neuen Motoren antreten. Bei den Benzinern stehen zunächst zwei 1,4 Liter große TFSI (Baureihe 211) mit 110 und 150 PS im Fokus. Darüber rangiert der optimierte Zweiliter (Baureihe 888) mit zunächst 180 PS. Die stark verbesserten Vierzylinder sind laufruhiger, antrittsschneller, bulliger und rund zehn Prozent sparsamer. Auch hier kann der Kunde wählen zwischen DSG-Getriebe und selbst schalten. Ursprünglich wollte VW seinen Mimo schon Ende 2012 ins Rennen schicken, doch nun wird es wohl nichts mit der Premiere vor Mitte 2014. Das liegt vor allem am Projektstau bei Porsche, wo neben dem 550 auch der Cajun sowie die Nachfolger von 911, Boxster und Cayman angeschoben werden müssen. Wolfsburgs Sportklub kämpft noch mit Startproblemen – das schenkt ihnen Zeit für die richtige Aufstellung.
Georg Kacher

Georg Kacher

Fazit

Spät kommt sie, aber sie kommt: Deutschlands Antwort auf den Mazda MX-5. Und das sogar in dreifacher Form, in unterschiedlicher Ausprägung, mit ganz speziellen Schwerpunkten. Wo BMW und Mercedes sich mit Frontmotor-Zweisitzern bescheiden, setzen Porsche, VW und Audi auf Mittelmotor. Das bringt nicht nur ein Plus an Power und Prestige, sondern hoffentlich auch Fahreigenschaften, die süchtig machen und bezahlbar bleiben. 

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