VW-Schwimmwagen

VW-Schwimmwagen

— 30.10.2003

... auf ewig mein

Dieser Schwimmer ist fr immer: Ein ehemaliger Soldat des Zweiten Weltkriegs fhrt einen VW-Schwimmwagen des Typs 166 bis heute und das auch noch im Alltag. Es ist fr Klemens Bley halt ein echtes Langzeitauto.

Schwimmer fahren hlt fit

Das Khlgeblse des Boxers singt sein saugendes Lied, die massive Mechanik stimmt ein mit mahlendem Ton, und der blecherne Karosserie-Krper sorgt fr raue Resonanzen. Der Starterknopf ist blankes Blech, der Schlssel vom zigtausendfachen Anfassen zum Zerbrechen dnn. Wie viele Kilometer der Schwimmwagen drauf hat? "Eine Million, zwei?! Keine Ahnung", sagt Klemens Bley (77), schwingt sich locker ber den Rand und greift zum drren Lenkrad Schwimmer fahren hlt fit.

Bley ist ein bescheidener, ein gemtlicher, ein netter Mann. Er liebt sein Menden im Sauerland und seine Eleonore (69) und ist meistens gut gelaunt. Kommt das Gesprch auf das Auto seiner Frau, diesen Opel mit Automatik, dann ist es vorbei mit Gemtlichkeit. "Nh, ich brauch kein Auto, wozu denn? Ich hab doch eins!" Klemens Bley erhebt sich dabei leicht emprt aus dem Sessel. Genau! Er hat eins! Eins und kein anderes: einen VW Typ 166, Baujahr 1944. Als Alltags-Automobil. Frs Einkaufen, fr den Urlaub, fr immer. Seit unglaublichen 58 Jahren.

Obwohl man ein paar Jahre eigentlich abziehen msste. Jahre, in denen der Schwimmer stand und Klemens Bley, gelernter Kfz-Schlosser und eingezogener Soldat, sa. Zerlegt und zerrupft der eine, festgesetzt der andere, in beiden Fllen kriegsbedingt. "Den Typ 166 kannte ich vom Reparieren aus dem Heereskraftfahrpark, einmal durfte ich damit fahren. Toll! Ich war noch in englischer Gefangenschaft, als ich meinem Vater geschrieben habe: Wenn er einen Schwimmwagen finde, solle er ihn sofort kaufen!"

Fast alles war abmontiert oder geplndert

Bley schildert das, als ob er 1945 keine anderen Sorgen gehabt htte. Vater Ferdinand fand tatschlich, was der Filius wollte. Drei Jahre spter kaufte der zum letzten Mal in seinem Leben einen Gebrauchtwagen. Oder besser gesagt: Verbrauchtwagen. "Fast alles war abmontiert oder geplndert. Nur noch die Hlle, die Achsen und der Schraubenantrieb waren dran, der Motor zur Hlfte zerrissen. Mein Vater hat ihn zusammen mit Nachbarn aus dem Wald geholt."

798 Reichsmark zahlt Ferdinand Bley 1945 fr die weder fahr- noch schwimmtauglichen Reste des VW 166 mit der Fahrgestell-Nummer 7014114. "1948 kam ich zurck aus Schottland, anmelden durfte ich den Wagen aber nicht. Da war der Dampfkessel-berwachungsverein vor." Sein rger ber den Vorlufer des TV ist auch nach fast 60 Jahren noch sprbar und hebt ihn heute noch leicht aus dem Sessel. Eine feste Frontscheibe, verdeckte Rder vorn und einen heruntergelegten Auspuff hinten fordert der TV-Ahne am ausgemusterten Kriegsgert.

Sollte er haben, die Karosserie wurde selbst gebaut, mit frischer Energie und alten Kapitn-Teilen. "Ich habe bei Opel gelernt, woll?! Die Scheibe und die vorderen Kotflgel kamen vom Kapitn, die hinteren Kotflgel vom Olympia. Einen Maanzug habe ich geschweit, dann war Ruhe."

Das Drehmoment reicht auch zum Klettern

Sogar eine Khlergrill-Attrappe bekam der von Ferdinand Porsche entwickelte Allesknner mit dem Ersatzrad an die runde Schnauze geklebt. "Nur die Eigenbau-Tr auf der Beifahrerseite ein Frevel", gesteht der Schwimmer-Kapitn heute ein. "Aber bequem war sie doch", sagt Eleonore Bley, Ehefrau und beifahrendes Gedchtnis, lachend. "So habe ich ihn 1953 kennen gelernt. Der Doktor hatte einen DKW und der Klemens einen VW. Jetzt fahre ich schon seit 50 Jahren mit."

Ein Schwimmer fr immer. Fast 15.000 Einheiten des kleinen, aber VW-typisch unermdlichen Gelndegngers waren von Wolfsburg aus ins Feld geschickt worden. Mit beschaulichen 24,5 PS aus rund 1100 Kubik. "Damit ist heute kaum noch einer unterwegs. Das Drehmoment reicht aber, um bei steiler Bschung aus dem Wasser zu kommen", sagt der Schwimmwagen-Experte. Was beim Klettern hilft, macht tosende 80 km/h in der befestigten Ebene, gemtlich pltschernde zehn Stundenkilometer zu Wasser und Unterhaltungen fast immer unmglich. "Geredet wird erst wieder, wenn wir da sind. Man muss sonst so schreien", erzhlt Eleonore Bley ber die rauen Reisen.

"In Ulm habe ich mal gefragt, wie lange es noch bis Innsbruck dauert. Mein Mann murmelte nur: Noch 'ne halbe Stunde." So ging's dahin, mit minimalen, bockharten Federwegen, mit Kfer-Rdern oder grobstolligen Gelndepneus, in Tarnfarbe und mit dem Wappen der sauerlndischen Windhund-Division auf der Flanke.

Kein Urlaub ohne schiffbares Gewsser

Ein halbes Jahrhundert in Erinnerungen und leicht verblassten Fotos zieht vorbei. Die Bleys in den Bergen, die Bleys in Berlin, Klemens Bley mit zerlegtem Getriebe am Straenrand, mit dem Kopf unter der Haube, mit Eleonore beim Ein- und wieder Auftauchen. Fast immer ist auf den Bildern Wasser zu sehen. 1959 die Fahrt zum ersten Treffen der noch jungen Schwimmer-Fangemeinde nach sterreich. An nur einem Wochenende hin und zurck. "Schon fast wieder original, ohne die Opel- Karosserie, mit zugeschweiter Tr und endlich wieder schwimmfhig."

Ein Urlaub ohne schiffbares Gewsser? "Nh, dat gibt's nicht." Die Seen sterreichs und Bayerns, Rhein, Main, Donau, Mosel, Ems alles wurde immer auf eigener Achse besucht. "Alles bereit? Es geht wieder an die Mosel!"

Technische Daten Volkswagen Typ 166: 4-Zylinder-Boxer 1131 cm 24,5 PS bei 3300/min max. Drehmoment 66,7 Nm bei 2000/min Heckantrieb, Vorderrder zuschaltbar, zwei Sperrdifferenziale 4-G.-Schaltgetriebe mit Gelndegang Radstand 2000 mm LxBxH 3825x1480x1615 mm Bodenfreiheit 240 mm Tiefgang 770 mm Leergewicht 910 kg Wendekreis 11,5 m Hchstgeschwindigkeit Strae 80 km/h, Wasser 10 km/h Gebaute Stckzahl: 14.283

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