VW Sharan gegen Artec Boxer

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VW Sharan gegen Artec Boxer

— 18.09.2012

Familienauto trifft Truppentransporter

Deutschlands Familienauto Nr. 1 gegen den neuen Truppentransporter der Bundeswehr. Den VW Sharan stellt dieses Monster locker in den Schatten: Der Artec Boxer wiegt 25 Tonnen und leistet bis zu 1000 PS.

Schon bevor du den Boxer siehst, hörst du ihn. Plötzlich liegt ein dumpfes Grollen in der Luft, der Boden bebt. Dann kommt der olivgrüne Truppentransporter um die Ecke geschossen. Du machst dir gar keine Vorstellung davon, wie riesig die Kiste in der Realität ist – bevor sie neben dir steht und sich zwischen dich und die Sonne drängt. Ein Familienauto wie den VW Sharan stellt dieses Monster ebenfalls in den Schatten. Locker. Deshalb kann man die beiden Raumfahrzeuge natürlich auch überhaupt nicht miteinander vergleichen. Einerseits. Andererseits wird ja erst in der Relation zum Wolfsburger Van deutlich, was für ein gewaltiges Gerät die Artec (Armoured Vehicle Technology), ein Zusammenschluss der Rüstungsunternhemen Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann, da neu im Angebot hat.

So fährt sich der Boxer: Take-off mit dem Mutterschiff

Also wagen wir es doch einfach: Deutschlands Familienauto Nr. 1 gegen den neuen Truppen-Transporter der Bundeswehr. Schon der Name des Militär-Fahrzeugs. Boxer. Hört sich nach Rocky und Abenteuer an – viel zu nett für sein Einsatzprofil. Und erst die Leistungsdaten. Sein Achtzylinder-Biturbo leistet 720 PS, dazu kommen Achtradantrieb und ein Fahrwerk der Marke "Wer soll mich schon aufhalten?" Wem das alles noch nicht reicht: Mit einem optionalen Leistungskit knackt der Truppentransporter die 1000-PS-Marke. Bugatti Veyron? Pah. Okay, den Boxer bekommst du nicht beim Händler um die Ecke. Aber Krauss-Maffei Wegmann (KMW) hat uns exklusiv eine Probefahrt ermöglicht. Na dann mal los. Mit einem lauten Zischen öffnet sich die hydraulisch betätigte Heckklappe und gibt den Weg ins Innere des Boxer frei.

70 Tonnen und 1500 PS: Die stärksten Panzer der Welt

"Gib Gummi" ist da mehr als eine Floskel: Die grobstolligen 36-Zoll-Räder des Boxer reichen dem Sharan bis über die Fensterlinie.

Heimlich die Sitzplätze zählen: eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun. Tatsächlich, zwei mehr als (maximal) im Sharan. Weiter nach vorn durchschlängeln, auf der rechten Seite ist das Cockpit. Puh, wild verstreute Knöpfe und Schalter, ein Ambiente wie im Jumbojet. Das soll ich fahren können? Wenigstens sind Pedale und Lenkrad noch an der gewohnten Stelle. Aber wo bitte ist die Windschutzscheibe? Antwort: Gibt es nicht. Weil der Boxer für die Krisenherde dieser Welt konstruiert ist und nicht für den Weg zum Kindergarten, müssen zwei winzige Öffnungen reichen, um den Weg anzupeilen. Egal, sobald du den Zündschlüssel drehst, ist es wieder da, das Grollen. Nur näher, als habe sich das Raubtier angeschlichen. Fuß aufs Gas – und die Erde bebt.

Mit 2700 Newtonmetern (und damit gut achtmal mehr als im Sharan) reißt der aus dem Mercedes Actros stammende Achtzylinder die 25 Tonnen nach vorn. Schalten brauchst du nicht. Der Boxer hat ein vollautomatisches Lastschaltgetriebe an Bord. Hört sich kompliziert an, ist in der Realität aber einfach: Gas geben und Bremsen reicht. Schafft jeder Fahrschüler. Rasend schnell kommt die erste Kurve näher. Fuß vom Gas? Nö. Fängt doch grade erst an, Spaß zu machen. Mit wilder Seitenneigung geht der Boxer im Drift um die Ecke, die Fotografin springt in Sicherheit. Kaum zu glauben, aber geschafft. Nicht mal Hügel, die du zu Fuß kaum erklimmen könntest, halten den Boxer auf. Er schafft 60 Prozent (also 31 Grad!) Steigung – der Sharan droht da fast nach hinten zu kippen und auf der Heckklappe liegenzubleiben.

Boxer: Der neue Truppen-Panzer der Bundeswehr

Kleiner Schnack unter Freunden: Redakteure Stefan Voswinkel (links) und Robin Hornig mit VW Sharan und  Artec Boxer.

Ob ich den Boxer also zu Hause als neues Familienauto genehmigt bekomme? Immerhin könnte ich noch die zwischen Fahrer und Passagierraum integrierte Küche anführen, die zwar keinen vierflammigen Gasherd bietet, heißes Wasser für den Cappuccino zwischendurch geht aber trotzdem. Und falls der Nachwuchs mal wieder "Pipi" quengelt: Der Boxer hat eine Toilette mit an Bord. Wirklich praktisch. Also alles klar mit dem Truppentransporter? Nicht ganz. Zunächst steht dem Privatkauf das Kriegswaffen-Kontrollgesetz im Weg. Weil der Boxer voll gepanzert ist, darf er nicht an Zivilpersonen verkauft werden. Ist aber ohnehin graue Theorie, wenn man weiß, was Artec als Kaufpreis aufruft: 1,5 Millionen Euro kostet der Boxer in Grundausstattung. Und ganz ehrlich: 7,93 Meter Außenlänge lassen sich nicht wirklich gut vor Supermärkten parken – und mit einer Breite von drei Metern kommst du selbst auf gut ausgebauten Straßen ganz schnell an Grenzen. Also doch der Sharan. Nach der Fahrt mit dem wilden Boxer wirkt der VW plötzlich gar nicht mehr so langweilig, wie ich ihn vorher empfunden hatte, eher gereift. Das Fahrwerk ist gut zum Rücken. Der Motor fein gedämmt. Das Radio spielt leise Hörbücher, während der Nachwuchs langsam auf den Rücksitzen einschlummert. Das dumpfe Grollen des Boxer wirkt jetzt gar nicht mehr so attraktiv.

Autoren: Stefan Voswinkel,

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