VW stoppt Pick-up-Pläne

VW stoppt Pick-up-Pläne

— 05.07.2008

Benzinpreis-Opfer

Erst der Microbus, jetzt der Pick-up: Volkswagen stoppt die Pläne für einen trendigen Transporter, der in Hannover gebaut werden sollte. Der "Robust" für Südamerika soll aber kommen.

(dpa) Angesichts der hohen Spritpreise und schlechter Absatzchancen hat Volkswagen den im Nutzfahrzeugwerk Hannover geplanten Bau eines Pick-up für den europäischen Markt gestoppt. Ein Sprecher von VW Nutzfahrzeuge sagte am Freitag (5. Juli), eine Analyse habe ergeben, dass der Markt keine ausreichende Stückzahl für das geplante schwere Fahrzeug mit großer Ladefläche hergebe. Mit Blick auf die hohen Benzinpreise sagte er, die Rahmenbedingungen für den geplanten geschlossenen Pick-up hätten sich "radikal verändert". An dem im argentinischen Werk Pacheco geplanten Bau eines robusteren, offenen Pick-up – vornehmlich für Schwellenländer – halte VW aber fest.

Jetzt braucht Hannover ein Ersatzprodukt

Nicht in Gefahr: Der Pick-up "Robust" (hier als Erlkönig) für Schwellenmärkte wird gebaut – aber nicht in Hannover.

Der Sprecher bestätigte einen Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Der in Hannover geplante Bau eines geschlossenen Pick-up war von 2010 an geplant. Früheren Angaben zufolge sollten in Hannover rund 30.000 Stück vom Band laufen. Für den Pick-up waren in Hannover 700 der 13.000 Beschäftigten eingeplant. Es werde nun intensiv nach einer Ersatzlösung gesucht, sagte der Sprecher. An der zugesagten Beschäftigungssicherung ändere sich nichts. VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh sagte: "Wir haben solche Veränderungen am Markt im Tarifabschluss 2006 berücksichtigt. Natürlich macht es keinen Sinn, ein solches Fahrzeug jetzt unter völlig veränderten Rahmenbedingungen zu fertigen." Das Unternehmen habe die Verpflichtung, ein Ersatzprodukt für Hannover zu finden, das die gleiche Anzahl an Beschäftigung biete wie der geschlossene Pick-up. "Ob es sich dabei um ein Fahrzeug oder innovative Komponenten wie beispielsweise Batterietechnologien handelt, ist egal."

"Robust" auch für Europa

Geopfertes Nutztier: Die Pläne des trendigen "Microbus" wurden in Hannover schon 2004 ad acta gelegt – zumindest in dieser Form.

Der Betriebsratschef von VW Nutzfahrzeuge, Heinrich Söfjer, sagte, wer den Tarifvertrag infrage stelle, könne mit dem erbitterten Widerstand der Beschäftigten rechnen. Wenn der Vorstand Signale aussende, in Hannover lediglich ein Fahrzeug montieren zu lassen, finde dies nicht die Zustimmung des Betriebsrats. Für den robusteren, offenen Pick-up sieht VW weiter gute Marktchancen, vor allem in Südamerika, wie der Unternehmenssprecher sagte. Der offene Pick-up soll zudem auch in Europa angeboten werden. Im Herbst 2007 hatte VW angekündigt, umgerechnet rund 223 Millionen Euro in den Standort Pacheco bei Buenos Aires zu investieren, um dort von 2009 an den Pick-up "Robust" zu bauen. Die Jahresproduktion soll in der Endphase 90.000 Einheiten betragen, von denen ein erheblicher Teil für den Export bestimmt sei.

In den USA wollte VW die Pick-ups nicht auf den Markt bringen. Der US-Automarkt ist derzeit auf Talfahrt, vor allem auch weil angesichts der hohen Spritpreise der Absatz von Geländewagen und Pick-ups zurückgeht. US-Kunden kaufen zunehmend kleinere, sparsamere Autos. VW hatte 2005 angekündigt, in den lange vernachlässigten Markt der Pick-ups einzusteigen. Die kleinen Transporter auf Pkw-Basis mit offener Ladefläche sind bislang eine Domäne japanischer und amerikanischer Hersteller. Die Marke VW Nutzfahrzeuge war nach einem Rekordjahr 2007 gut ins neue Jahr gestartet. In den ersten fünf Monaten des Jahres lieferte die Marke rund 216.000 Fahrzeuge aus – rund 13 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. VW Nutzfahrzeuge baut zum Beispiel die Modelle T5 (Transporter), Caddy und Crafter sowie schwere Lastwagen in Brasilien.

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