VW T2 aus Brasilien

VW T2 aus Brasilien VW T2 aus Brasilien

VW T2 aus Brasilien

— 30.12.2005

Der Bra-Bus aus Detmold

Nicht immer ist ein BRABUS schnell und kommt aus Bottrop. Dieses Exemplar hat 58 PS und braucht rekordverdächtige 59 Sekunden bis Tempo 100.

Bulli-Nostalgie für 17.699 Euro

2005, 2004, 2003 ... Wer hat an der Uhr gedreht? ... 2002, 2001, ... War es der Boxer im Heck? Schiebt er uns mit seinem heiser rasselnden Sound nicht nur durch die ersten Schneewehen des Jahres, sondern dreht seine Kurbelwelle am Rad der Zeit? ... 2000, 1995, 1990 ... Gestatten: Bra-Bus aus Detmold. Zeitmaschine, Jungbrunnen, VW-Fossil. Typ 2, Modell T2, besser bekannt als Bulli. Fabrikneu. Man sieht und riecht es.

Halt, halt mein Freund, da stimmt was nicht. Aus Detmold, brandneu? War das nicht ... 1979, als der T2 das letzte Mal im 1A-Zustand auf deutschen Straßen angetroffen wurde. Ohne Rost und Patina. Doch mußte er nicht nach zwölf Jahren Bauzeit die Bänder im Volkswagen-Nutzfahrzeugwerk Hannover für seinen kantigen Nachfolger, den T3, räumen? Richtig. Aber in einem kleinen, unbeugsamen brasilianischen VW-Werk, in São Bernardo do Campo, einem Vorort von São Paulo, lebte der T2 weiter. Täglich schrauben dort wackere Bandarbeiter etwa 40 Bra-Bus, Basilien- Busse, zusammen. Vermutlich noch bis Jahresende. Wenn die Teile reichen vielleicht auch noch etwas länger.

Und es gibt den Bra-Bus in jeder Farbe – nur weiß muß sie sein. "Oder silber", sagt Thomas Küster vom Käferladen. Er holt die Zeitmaschine aus Brasilien nach Detmold. 40 Stück sind so gut wie ausverkauft. Zum Grundpreis von 17.999 Euro für den achtsitzigen Bus, der Kastenwagen kostet 17.699 Euro. Bevor die Bra-Busse zum Kunden kommen, müssen sie aber erst einmal fürs Kennzeichen D fitgeschraubt werden. Sechs Leute arbeiten zweieinhalb Tage am Brasilien-Bulli. Geändert werden unter anderem Scheinwerfer, Scheiben, Reifen, Blinker, Bremsleuchten, Belüftung... Thomas Küster: "Für die Zulassung habe ich eine Sondergenehmigung vom Regierungs- Präsidenten erhalten." Abgasnormen sind das Hauptproblem. Weshalb die Ausnahme nur bis 31. Dezember 2005 gilt.

Profi-Edition mit 58-PS-Boxer

... 1978, 1975, 1972, ... Flowerpower, Land- Kommune, Studenten- WG, Camper auf großer Fahrt – der Bulli ist so typisch für das Lebensgefühl der 70er Jahre, daß wir noch heute am babyglatten Bra-Bus zwanghaft nach Pril-Blumen und Atomkraft-nein-Danke- Aufklebern suchen. Und er führt sich fast genauso wie damals. Nur die Lenkung ist direkter. Man kann sich nicht mehr so lässig ins flache Lenkrad hängen – ganz nach dem Motto: Der T2 kennt den Weg.

Geblieben ist das Gefühl: Auto pur. Keine Experimente, keine Kompromisse. Statt dessen viel Blech und noch mehr Pappe in den Türen. Der T2 ist eine Profi-Edition mit 58 luftgekühlten Boxer-PS aus 1,6-Liter Hubraum. Ohne ABS, ESP, elektrische Fensterheber, etc. Plötzlich fühlt man sich bei 120 km/h nicht nur vom Motor angebrüllt, sondern erregt wie in einer S-Klasse bei 250. Die Mundwinkel wandern nach oben. Bitte strahlen. Ein Bra-Bus ist kein Trauerkloß, sondern fun pur.

Mit Einschränkungen im Alltag natürlich. Vor allem jetzt, im Winter. Schließlich erlebt er gerade Schneegestöber in Detmold statt Sonnenschein in São Paulo. Alle Scheiben sind dicht, die Füße Eisklumpen, vom Blechdach tropft Kondenswasser aufs Haupthaar. Im tropischen Brasilien läuft er ohne Heizung vom Band. Immer. Thomas Küster: "Die meisten Kunden bestellen die Standheizung für 999 Euro." Und die schicke Zweifarb- Lackierung für 1800 Euro. Klar, schließlich schreiben wir das Jahr 2005.

Autor: Andreas Borchmann

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