VW T3 Doppelkabine von Patrik Hoffmann

VW T3 Doppelkabine von Patrik Hoffmann VW T3 Doppelkabine von Patrik Hoffmann

VW T3 Doppelkabine von Patrik Hoffmann

— 23.03.2007

Altersteilzeit

Von der Stadtreinigung zu den Mill-Männern: Starke Familienbande beweisen Opa, Sohn und Enkel beim Aufbau einer T3 Doppelkabine.

Hubert Mill ist Kfz-Ingenieur und exakt 67 Jahre alt. Die "Rente mit 67" juckt ihn nicht wirklich, schließlich ist er passionierter und nicht pensionierter Schrauber. Und findet sogar noch Zeit, seinem Sohn, dem 42-jährigen Kfz-Meister Matthias Mill, unter die Arme zu greifen. Der wiederum beschäftigt sich am liebsten mit der "T3-Doka" seines Sprösslings Patrik Hoffmann, der gerade 22 Jahre alt geworden ist. Wenn er auch den Nachnamen seiner Mutter trägt – familientechnisch ist alles in bester Butter. Man ist die letzten 25 Jahre ganz einfach nicht zum Heiraten gekommen. Es gab so viel zu schrauben.

Drei Generationen waren also beschäftigt, um einen VW Bus der dritten Generation ordentlich auf Vordermann zu bringen. Das 1987 gebaute Fahrzeug hatte schon einiges hinter sich, darunter auch drei Lackierungen. Es verließ das Werk mit 95 sauberen Katalysator-PS und Getriebeautomatik ausgestattet, im RAL-Farbton 2011, auch bekannt unter dem nicht minder wohlklingenden Namen "Kommunalorange".

Die Doppelkabine begann ihr Leben bei der Stadtreinigung.

Zunächst stand die Doka im Dienste der Berliner Stadtreinigung. Der zweite Besitzer – ein Bauunternehmer – ließ das Gefährt zuerst auf hellgelb umlackieren und besann sich später erneut auf einen Ton aus der RAL-Palette. Diesmal sollte es "3020" oder "Verkehrsrot" sein. Im Sommer 2004, als Patrik Hoffmann das Fahrzeug erwarb, war der Lack gewissermaßen ohnehin ab und der TÜV fällig. Eine Notreparatur führte zur neuen Prüfplakette, die nun eine Stillegung erlaubte, ohne dass man Gefahr lief, eines Tages zum Baurat (zur Vollabnahme nach § 21 StVZO) zu müssen. Damit waren die Voraussetzungen gegeben, die völlige Überarbeitung des Fahrzeugs mit der nötigen Besonnenheit einzuleiten.

Zwecks Neuaufbau vorübergehend außer Betrieb

Für die T3 Doka gerade gut genug: Große Aluräder vom Tuner Lorinser.

Im Jahre 2005 hing durchgehend das Schild "Außer Betrieb" an der noch vorhandenen Türklinke des Volkswagen. Die drei Schrauber machten sich daran, rote Rebound-Konis und Federn Marke H&R einzubauen. Auf diese Weise nahm die Bodenfreiheit um acht Zentimeter ab. VW-Busse und diverse Mercedes-Modelle haben eins gemeinsam: Räder mit dem Lochkreis 5x112. Es bot sich also an, Felgen von Lorinser zu ordern, denn was für einen schweren Benz gut ist, kann für einen Bully nicht schlecht sein. Die Alus vorn haben die Maße 8,5x18 ET 32. Sie wurden in der Dimension 225/40 bereift und mit je einer Distanzscheibe von zehn Millimeter Stärke unterlegt. Hinten passten gar 35-Millimeter-Spurplatten unter die mit 255/35ern bezogenen Felgen vom Format 9,5x18 ET 32. In welchem Umfang es die Radläufe zu bördeln galt, ließ sich nun einwandfrei feststellen. Im Anschluss an diese Arbeit wurden alle Sicken und Kanten der Karosserie sandgestrahlt, sauber verschweißt, verzinnt und verschliffen.

Ein schmaler Silberstreif

Die Beseitigung der Rostschäden erfolgte unter Verwendung von Original-VW-Reparaturblechen. An den Safe-Klappen, der Motorklappe sowie an der hinteren Tür entfielen Griffe und Schlösser ganz. Die vorderen Türen verloren ihre serienmäßigen Griffe ebenfalls. Stattdessen hielten ein deutliches Stück weiter unten die Öffner von Audi-Türen Einzug. Kaum weniger Aufwand bedeutete es, den Sparco-Tankdeckel in die Bus-Haut zu transplantieren und starre seitliche Ladebordwände anzufertigen, in denen sich das Design der Karosserie fortsetzt.

Schickes Tuning, auch im Detail: verschraubter Sparco-Tankdeckel.

Apropos Design: Die anlaminierten GFK-Teile im Projektzwo-Stil lieferte ein Unternehmen namens Bracht-Design. Nach all den Vorarbeiten konnte Patrik Hoffmann zeigen, was er gelernt hat. Er ist Lackierer von Beruf und für das gesamte Finish verantwortlich. Als Basiston wählte er Volkswagens "Tropic Orange". Den Klarlack mit den Icepearls von House of Kolors reicherte der Profi mit feinem Rotgold-Glitzer aus Christian Petzolds Lieferprogramm an. Ein schmaler Silberstreif bildet die Gürtellinie, über der Heck- und Seitenfenster in einem hochglänzend schwarzen Umfeld stehen. Das Dach zieren drei Streifen, die für drei Schraubergenerationen oder aber auch drei VW-Transporter-Generationen stehen könnten. Der wahre Künstler lässt dem Betrachter seiner Werke schließlich stets einen gewissen Interpretationsspielraum. So darf man auch über das schwarz lackierte Riffelblech auf der Ladefläche, die dunklen Rückleuchten und den Grill ohne Emblem beliebig spekulieren.

Die Frage nach Leistung

Nicht ganz klar ist zudem, welche Leistung das 2,1-Liter-Triebwerk abgibt. Eine Auspuffanlage ohne Katalysator, jedoch mit abgestimmten Rohrlängen, ein K&N-Filter sowie ein Eingriff ins Motormanagement könnten dem Boxer zu insgesamt rund 120 PS verholfen haben, die inzwischen nicht mehr auf ein Automatik-, sondern auf ein Fünfgang-Schaltgetriebe wirken. Dank der nachgerüsteten Servolenkung ist der Dreh am "Spucknapflenkrad" von Golf I GTI ein Kinderspiel.

2,1-Liter-Boxermotor mit ca. 120 PS. Ein Besuch auf einem Prüfstand würde Hell ins Dunkel bringen.

Lenksäulenverkleidung, Eigenbau-Mittelkonsole und viele Kunststoffteile tauchte Patrik Hoffmann in Tropic Orange. Danach fertigte er die Fundamente für vier mit Armlehnen ausgerüstete Multivan-Sitze. In der zweiten Reihe mussten die Sitzflächen aus Platzgründen um zehn Zentimeter verkürzt werden, bevor der Bezug der Hocker mit Alcantara und Kunstleder folgte. Die Jungs von der Berliner Straßenreinigung hätten vor 20 Jahren sicherlich nicht schlecht gestaunt, wäre damals auf Knopfdruck eine CD-Schublade aus dem Autoradio gefahren. Und jetzt ist das Sony CDX MP80 schon fast wieder überholt. Hauptsache, es liefert den im Dachhimmel verbauten Hifonics-Endstufen der Typen Z6000 und Z6400 ordentlich Input. Den beiden Verstärkern, wovon einer zwei 16er-Zweiwegesysteme Marke Hifonics und der andere den 30er-Carpower- Woofer versorgt, ist je ein 1-Farad-Kondensator zugeordnet. Erstklassige Verbindung zwischen den Komponenten stellen AIV-Kabel her.

Wer steht hier auf der Leitung?

Denjenigen, die nun "auf der Leitung stehen" und grübeln, was es soll, solch ein Baustellenfahrzeug zu tunen, sei ein Besuch des VW-Bus-Treffens in Wietzendorf empfohlen, das in diesem Jahr vom 14. bis 16. September über die Bühne gehen wird. Hier ist pure Lebensfreude die Antwort auf manche offene Frage. Eines dürfte aber jetzt schon klar sein: Aller guten Dinge sind drei.

Autor: Helmut Horn

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