VW T5 und GMC Express im Gebrauchtwagen-Test

GMC Express 1500 VW T5 2.5 TDI Caravelle VW T5 2.5 TDI Caravelle

VW T5/GMC Express: Gebrauchtwagen-Test

— 19.10.2016

Wildwest statt Wolfsburg

Braver TDI-Bulli oder fetter US-Van mit V8? Die Antwort ist lange nicht so klar, wie man denken könnte.

Wer in Deutschland Bus sagt, meint damit fast immer den VW Bulli, den automobilen Familientraum schlechthin. Spätestens mit dem vierten Kind soll der legendäre Volkswagen her. Anders sind Pampers, Laufräder, Kinderwagen und Wochenendeinkauf einfach nicht mehr unterzubringen. Doch der Traum bleibt meist unerfüllt. Als Neuwagen ist der Bus für Normalverdiener unerschwinglich: 80.000 Euro und mehr sind für einen aktuellen T6 mit guter Ausstattung schnell addiert.

Die Liste der typischen T5-Schwachstellen ist ellenlang

Video: VW T5 Gebrauchtwagen

Der Bulli im Check

Gebraucht-Bullis sind zwar günstiger, aber nie billig. Den seit 2003 angebotenen T5 gibt's für unter 10.000 Euro nur als stark beanspruchte Handwerkerpritsche oder mit Tachoständen jenseits der 300.000 Kilometer. Sogar für 15.000 Euro ist in brauchbarem Zustand nur ein relativ karges Modell zu haben, kaum der begehrte Multivan. Immerhin: Der neunsitzige Caravelle von Thrun Automobile in Braak bei Hamburg bringt ein bisschen Wohlfühlausstattung mit. Velourssitze, Klimaanlage, Automatik und der Diesel mit 174 PS machen Lust auf den ganz großen Familienurlaub. Selbst nach Ausbau der letzten Bank bleiben noch sechs Plätze übrig. Das Ladeabteil der Langversion ist so riesig, dass Kinder ihre Fahrräder mitnehmen können. Aber Achtung: Die Heckklappendämpfer streiken oft und verteilen Kopfnüsse. Überhaupt sollte niemand glauben, der Bus aus Hannover danke den hohen finanziellen Einsatz. Der Wechsel vom biederen, aber ausgereiften T4 zum luxuriösen T5 war zwar ein großer Schritt, doch die Liste der typischen Schwachstellen ist ellenlang. Ob Motorschäden beim Fünfzylinder-Diesel, Wassereinbrüche an den seitlichen Schiebetüren, brechende Federn und Dämpfer, streikende Automatikgetriebe oder Lackmängel: Für ein Auto der Vernunft ist das zu viel. Und ein Anlass, ernsthaft über eine Alternative nachzudenken.
Überblick: Alles Infos zum VW T5

Die Rotlichtnähe des GMC muss man mögen

Der GMC ist eine Lounge auf Rädern. Die weiche Abstimmung fordert einen entspannten Fahrstil.

Die steht beim US-Car-Service in Sittensen (Niedersachsen). Der 1997er GMC Express 1500 ist ein Ami von altem Schrot und Korn. 5,7-Liter-Small-Block-V8, butterweiche Vierstufenautomatik mit Overdrive, dazu Plüsch und Chrom, wohin das Auge blickt. Allerdings schieben ihn sein gurgelnder Ami-Sound und die Countryclub-Optik unwillkürlich in Rotlichtnähe. Das kann stören, aber auch reizvoll sein. In den USA ist er jedenfalls das, was der T5 bei uns ist: ein Fullsize-Van. Reisekomfort interpretiert er auf ganz anderem Niveau. Der Umstieg vom Bulli in den GMC fühlt sich an wie Economy zu First Class. In dicken Captain Chairs lümmeln die Fondpassagiere hinter abgedunkelten Scheiben. Das halbhohe Dach beherbergt einen Fernseher, unzählige versteckte Lämpchen sorgen für kuschelig-schummriges Licht. Bei Bedarf verwandelt sich das Sofa im Heck elektrisch in ein Doppelbett. Dekadent? Ein bisschen. Und ziemlich unterhaltsam.
Technische Daten im Vergleich
GMC Van G10 1500 (Bj. 1997) VW T5 2.5 TDI Caravelle (Bj. 2005)
Motor Achtzylinder, vorn längs Fünfzylinder, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 2 pro Zylinder/1 2 pro Zylinder/1
Hubraum 5734 cm³ 2461 cm³
Leistung 180 kW (245 PS) bei 4600/min 128 kW (174 PS) bei 3500/min
Drehmoment 447 Nm bei 2800/min 400 Nm bei 2000/min
Höchstgeschwindigkeit 161 km/h (abgeregelt) 188 km/h
0–100 km/h 10,3 s 11,8 s
Tank/Kraftstoff 117 l/Super 80 l/Diesel
Getriebe/Antrieb Viergangautomatik/Hinterrad Sechsstufenautomatik/Vorderrad
Länge/Breite/Höhe 5580/2050/2450 mm 5290/1904/1944 mm
Kofferraumvolumen keine Angabe 1208-5683 l
Leergewicht/Zuladung 2360/977 kg 2274/726 kg

Vollsynthetisches Öl ist Gift für den Ami

Die US-Importe sind kaum gegen Rost geschützt, ohne Vorsorge gibt's Probleme an Unterboden und allen Kantenbereichen.

Die GMC-Technik ist simpel und ausgereift. Interessenten sollten dennoch einige Punkte im Blick behalten. Die meisten GMC sind Grauimporte aus den Staaten und auf das US-Tempolimit von 55 Meilen pro Stunde ausgelegt. Werden sie auf deutschen Autobahnen getreten oder müssen viel ziehen, sind die Drehmomentwandler des Getriebes schnell am Ende. Abhilfe schafft ein Getriebeölkühler für 150 Euro. Die serienmäßige Rostvorsorge, speziell am Unterboden, ist nicht der Rede wert, eine umfangreiche Hohlraumkonservierung muss daher sein. Vorn hat die Achse noch Schmiernippel, die einmal jährlich auf eine Fettpresse treffen sollten. Wer es gut mit dem V8 meint und ihm vollsynthetisches Öl gönnt, provoziert das frühe Ende. Die Additive fressen die Beschichtungen der Lager auf. Einfaches Mineralöl reicht. Dann halten auch die Steuerketten eine halbe Million Kilometer und mehr. Also: Vernünftig behandelt, ist der Ami gar nicht so absurd wie befürchtet. Oder haben wir etwas vergessen? Ja, den Verbrauch. Kurzstrecke und flottere Autobahnfahrt bedeuten 20 Liter auf 100 Kilometer und mehr. Fürs Cruising sind 14 genug. Dem T5 dagegen reichen zehn Liter Diesel im Schnitt.

Was bei den AUTO BILD-Testwagen aufgefallen ist, und auf welche Mängel Käufer beim gebrauchten GMC Express und VW T5 außerdem achten sollten, erfahren Sie in der Bildergalerie.

VW T5 und GMC Express im Gebrauchtwagen-Test

VW T5 2.5 TDI Caravelle GMC Express 1500 VW T5 2.5 TDI Caravelle

Gebrauchte Familienbusse für 15.000 Euro

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: GMC Express 1500 und VW T5 2.5 TDi Caravelle (Gebrauchtwagentest).

Veröffentlicht:

30.09.2016

Preis:

1,00 €




Autor:

Malte Büttner

Fazit

Uneingeschränkt empfehlen können wir einen V8-Säufer wie den GMC nicht. Für Liebhaber aber ist er berechenbar und nicht extrem teuer. Ganz anders der 2005er VW. Die Summe seiner typischen Mängel inklusive anfälliger Fünfzylinder Diesel macht ihn zum Risikokandidaten. So gesehen wird der wahnsinnige Ami zur echten Alternative.

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