VW T5/Mercedes Viano: Test

Mercedes Viano VW T5 Mercedes Viano VW T5

VW T5/Mercedes Viano: Vergleich

— 24.08.2011

Die wahren Traumwagen

Viel Platz, dicker Diesel, sanfte Automatik, hohes Prestige – das klingt nach Luxuslimousine. Gilt aber auch für Busse, sofern sie von Mercedes und VW kommen. Wir vergleichen die Alleskönner T5 und Viano mit Allrad.

Das wäre doch mal ein Traumwagen: Der halbe Umzug passt hinein, die gesamte Familie (inklusive Oma und Hamster und Käfig) darf mit. Der Motor hat mächtig Dampf und trinkt so gut wie nichts. Eine sanfte Automatik sortiert die Gänge, und dank variablen Allradantriebs rücken sogar Kraxeltouren abseits der Straße ins Freizeitprogramm. Gibt's nicht? Doch. Bei VW und Mercedes. Diese freundlichen Alleskönner für Kind und Kegel heißen T5 BiTDI 4Motion und Viano 2.2 CDI 4Matic – und sind Busse. Es gibt jedoch gute Gründe, warum längst nicht jede Familie auf diese beiden (T)raumriesen abfährt: die saftigen Preise.

Überblick: Alle News und Tests zum VW T5

Teures Vergnügen: Für den T5 mit Diesel, Allrad und DSG verlangt VW satte 53.782 Euro.

So verlangt VW für den 180 PS starken T5 Multivan mit Allradantrieb und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe nicht weniger als 53.782 Euro. Auch der Mercedes ist als 4matic mit 163 PS starker CDI-Maschine nicht gerade ein Sonderangebot: Er kostet 46.478 Euro – inklusive Fünfstufenautomatik und Kraftverteilung an alle vier Räder. Immerhin hält er so rund 7300 Euro Abstand zum VW. Wie jetzt – der Mercedes billiger als ein VW? Jawohl, obgleich die Stuttgarter Aufpreispolitik leider auch vor der Busabteilung nicht haltmacht. Quasi jede Halteschlaufe kostet extra. Beispiele: Radio und Reifendruckkontrolle sind im Preis nicht enthalten, kosten zusammen zusätzlich 1225 Euro. Den bei VW serienmäßigen Spurwechselassistenten gibt es für den Viano gar nicht. Dennoch bleibt ein immenser Preisunterschied, zumal der von uns getestete Volkswagen als Sondermodell Edition25 nochmals deutlich teurer kommt als ein herkömmlicher Multi van. So stehen am Ende für unseren üppig ausgestatteten Testwagen 57.715 Euro auf der Rechnung. Reichhaltige Ausstattung und pralles Technikpaket können die Summe nur teilweise rechtfertigen.

Überblick: Alle News und Tests zum Mercedes Viano

Komfort-König: Im Mercedes Viano reisen die Passagiere angenehmer als im VW T5.

Dazu kommt: Der etwas kürzere VW ist im Vergleich zum Mercedes – wir haben die mittlere Version aus drei Längen getestet – weniger variabel. Ganz hinten hat er statt praktischer Einzelsitze nur eine monströse, schwer zu handhabende Bank. Auch ist er nicht geräumiger, denn ihm fehlt im Vergleich zum Viano Gepäckraumvolumen. Zudem darf er über 100 Kilogramm weniger Ladung schultern. Fährt er sich dafür wenigstens besser? Was den Federungskomfort betrifft, kann er dem Mercedes schon mal nicht das Wasser reichen. Die sportliche Bereifung des Multivans (satte 18-Zöller mit 255 Millimeter breiten Gummis) sorgt zwar für tolle Bremswege, während der Viano unter Ganzjahres-Bereifung leidet, sie verschlechtert jedoch gehörig den Abrollkomfort. Trotz reichlich Federwegs unterm Bus-Boden müssen die Passagiere leiden. Jede noch so flach aufragende Querfuge kommt innen spür- und hörbar an, gefühlt werden selbst Farbunterschiede im Asphalt zu Unebenheiten. Aua! Der Viano macht das rundum besser, schippert geschmeidig über den Teer, schluckt auch derbe Wellen, ohne zu bocken.

Allerdings schaukelt der Mercedes dabei kräftiger, die Karosserie neigt sich in Kurven stärker, gleichzeitig bieten die Sitze weniger Seitenhalt. So werden die Passagiere zwar nicht ganz so heftig, aber eben auf andere Art strapaziert. Immerhin kommen die beiden Busse besonders flott ans Ziel. Der Viano sprintet trotz seines PS-Nachteils und der alten Fünfstufenautomatik sogar besser, selbst im Durchzug egalisiert er die fehlenden 17 PS. Anders ausgedrückt: Er setzt sich nach einem Tritt aufs Gaspedal einfach zackiger in Bewegung. Wo der VW mit schleifender Anfahrkupplung der DSG-Automatik deutlich gemächlicher Fahrt aufnimmt, hat der Benz bereits seinen CDI unter Volldampf gesetzt. Gleichzeitig verschenkt das Getriebe des T5 beim Runterschalten viel Zeit, es dauert nach dem Kickdown länger, bis die richtige Übersetzung bereitsteht.

Akustisch zerstören beide das Bild vom Traumwagen nachhaltig, denn unter Last rumoren die Diesel äußerst vorlaut. Um nicht zu sagen: für Autos der 50.000-Euro-Liga unflätig derbe. Reichlich mehr als zwei Tonnen Gewicht werden hier eben von relativ kleinen Maschinen in Marsch gesetzt. Was reichlich Kraft kostet. Und damit Sprit. Sowohl VW als auch Mercedes schlucken fast zehn Liter Diesel pro 100 Kilometer. Die Hälfte weniger: das wär's. Dann wären die beiden wahre Traumwagen.

Hintergrund: So testet AUTO BILD

Fahrzeugdaten Mercedes VW
Motor Vierzylinder, Turbo, vorn längs Vierzylinder, Biturbo, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Zahnriemen
Hubraum 2143 cm³ 1968 cm³
kW (PS) bei 1/min 120 (163)/3800 132 (180)/4000
Nm bei 1/min 360/1600 400/1500
Vmax 174 km/h 188 km/h
Getriebe Fünfstufenautomatik Siebengang-DSG
Antrieb Allradantrieb Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 205/65 R 16 T 255/45 R 18 Y
Radgröße 6,5 x 16" 8,5 x 18"
Abgas CO2 232 g/km 232 g/km
Verbrauch* 11,1/7,4/8,8 l 11,1/7,5/8,8 l
Tankinhalt 75 l/Diesel 80 l/Diesel
Vorbeifahrgeräusch 72 dB (A) 71 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 2500/750 kg 2500/750 kg
Kofferraumvolumen maximal 4650 l maximal 4300 l
Preis (wird bewertet) 46.478 Euro** 57.715 Euro
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; ** inkl. Automatikgetriebe für 2206 € und Allradantrieb für 3740 €
Messwerte Mercedes VW
Beschleunigung
0–50 km/h 3,8 s 4,9 s
0–100 km/h 12,7 s 14,0 s
0–130 km/h 23,1 s 24,6 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 7,7 s 8,2 s
80– 120 km/h 10,7 s 11,0 s
Leergewicht/Zuladung 2275/775 kg 2445/635 kg
Gewichtsverteilung v./h. 55/45 % 56/44 %
Wendekreis links/rechts 12,6/12,8 m 12,1/12,1 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 40,5 m 36,1 m
aus 100 km/h warm 43,4 m 37,6 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 62 dB (A) 60 dB (A)
bei 100 km/h 67 dB (A) 67 dB (A)
bei 130 km/h 73 dB (A) 73 dB (A)
Testverbrauch – CO2 9,6 l D – 255 g/km 9,0 l D – 239 g/km
Reichweite 780 km 880 km

Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Dem Seriensieger VW T5 verhagelt diesmal das liebe Geld den ersten Platz. Als Allradvariante mit DSG und starkem Diesel ist er sehr teuer, jedenfalls deutlich kostspieliger als das Pendant von Mercedes. Dazu kommt: Der Viano ist auch sonst ein wahrer Traumwagen, er gefällt mit reichlich Platz, Komfort und einem starken Motor. Natürlich sind beide keine Kostverächter: Der 4x4-Antrieb und die Automatik verlangen Sprit-Zuschlag.

Stichworte:

Nutzfahrzeuge

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