VW Tiguan (2012): Fahrbericht

VW Tiguan (2012) VW Tiguan (2012)

VW Tiguan (2012): Fahrbericht

— 25.05.2011

So fährt der neue Tiguan

VW hat sein kleines SUV aufgefrischt, spricht sogar vom neuen Tiguan. Die Nase macht eine Menge her. Aber wie tief geht die Modellpflege? Das klärt der Fahrbericht von AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat.

Für Volkswagen ist es "der neue VW Tiguan". Hinter dem Begriff "neu" versteckt sich aber aber nur eine Modellpflege, die so vorsichtig ausfällt wie beim Golf: zwischen behutsam und banal. Das Facelift geht gerade so weit, diesen Begriff zu rechtfertigen. Es gibt ein neues Gesicht, einen tiefen Schluck aus der Flasche mit den gerade modernen Assistenz-Vitaminen und ein paar PS mehr. Fertig. Den wichtigsten Fortschritt trägt der Tiguan weithin sichtbar vor sich her. Das neue Gesicht verabschiedet das Gute-Laune-Grinsen des Urmodells. Ernst statt lustig – steht ihm gut. Mit den Zügen des größeren Modellbruders Touareg sieht er erwachsener aus, dafür muss er die Mode mit den stechenden Tagfahr-LEDs mitmachen. Und das immergleiche VW-Markengesicht bekommt bereits etwas von uniformer Langeweile.

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Die Heckleuchten des gelifteten Tiguan strahlen jetzt im Golf-Stil. Hinter der Nase ändert sich sonst aber wenig.

Hinter der neuen Nase blieb der Vielseitigkeits-Künstler unangetastet. Türen, Dach, Kotflügel, Griffe – frei nach dem Motto: am besten nichts Neues. Nur die Heckleuchten strahlen jetzt im Golf-Stil. Auch innen alles wie gehabt: Das Cockpit ist so einfach zu bedienen, dass man viele Knöpfe mit geschlossenen Augen findet. Gut so, weil das viele Grau nun wirklich keine Freude bereitet. Nach dem "Facelift" glänzen sogar die Lüftungsrosetten in "dark rhodius", einem (wir ahnen es) Grau metallic. Spiegelt dieses Interieur etwa den deutschen Geschmack wider?

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Tiguan fordert X1

Unter der Haube trifft VW den guten Ton schon besser: Der Zweiliter-TDI mit 140 PS (mit 54 Prozent Kaufanteil beliebtester Motor im Tiguan) geht akustisch erfreulich dezent zu Werke. Sportliche Ambitionen kommen in keiner Situation auf, allein die hohe Sitzposition legt sich besänftigend wie eine gütige Hand auf jeden Anflug von Vettel-Feeling. Das kommt natürlich dem Spritverbrauch zugute, der zusätzlich mit einem Start-Stopp-System gezügelt wird – es schaltet den Motor an Ampeln aus und senkt den Diesel-Durst des TDI um 0,3 auf 5,8 Liter. Allerdings nur im BlueMotion-Modell, das sinnvoll investierte 400 Euro extra kostet und damit den Blick auf die Preise lenkt.

Die Tarife sind beim neuen Tiguan nicht nur gleich geblieben, VW hat sogar ein bisschen Serienausstattung draufgepackt. In der Basisversion "Trend & Fun" sind zusätzlich längs verstellbare Kopfstützen und Tagfahrlicht serienmäßig an Bord, die beliebtere "Sport&Style"-Version wurde noch stärker aufgerüscht: Regensensor, neue 17-Zoll-Räder, Türdekor und Müdigkeitssensor werten das Auto auf – oder machen je nach Sicht das Auslaufmodell unattraktiv. 30.000 Euro kostet der neue Tiguan als 140-PS-TDI mit Allradantrieb und BlueMotion-Paket. Wer will, schraubt den Preis mit neuen Extras aus dem Passat locker nach oben – die  Fernlichtregulierung kostet 315 Euro, der Spurhalte-Assistent ab 495 Euro, der Parkpilot 395 Euro, die Einpark-Automatik 755 Euro. Der Wunsch, etwa den Allradantrieb einzusparen, weil man viel in der Stadt fährt, wird weiter enttäuscht: Warum gibt es keine Benziner mit Frontantrieb und Automatik? "Wir überprüfen den Bedarf", heißt es bei VW. So werden Käufer zum teuren Diesel gedrängt. Wer den "neuen Tiguan" jetzt bestellt, muss allerdings noch ein bisschen warten: Das erste Exemplar wird frühestens im November 2011 ausgeliefert.

Autor: Joachim Staat

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