VW Tiguan/BMW X1: Test — 26.05.2011

Gründlich überholt?

VW hat sein kleines SUV aufgefrischt, spricht sogar vom neuen Tiguan. Die Nase macht eine Menge her. Wie tief geht die Modellpflege? Der erste Abgleich mit dem BMW X1 ordnet die Wolfsburger Frühjahrskur ein.

Tusch, Trompeten und Tschingderassa. AUTO BILD verleiht – naja, augenzwinkernd – einen Ehrentitel: Der Tiguan ist der Golf unter den SUV. Übertrieben? Keineswegs. Wie der Wolfsburgs Bestseller ist er kompakt, vielseitig, zusehends klassenlos und bei uns Publikums-Liebling einer boomenden Autogattung, die vom kleinsten Suzuki bis zur Allrad-Fregatte Range Rover reicht. Den letzten Beweis für die Golfigkeit des SUV erleben wir jetzt. Da redet VW vom "neuen Tiguan", bietet aber nur eine Modellpflege, die so vorsichtig ausfällt wie beim größten Erfolgsmodell: zwischen behutsam und banal. Das Facelift geht gerade so weit, diesen Begriff zu rechtfertigen. Es gibt ein neues Gesicht, einen tiefen Schluck aus der Flasche mit den gerade modernen Assistenz-Vitaminen, und ein paar PS mehr. Fertig. Aber reicht die Minimal-Operation, um den gefühlten Image-Rückstand zum X1 von BMW aufzuholen?

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Das immergleiche VW-Markengesicht bekommt bereits etwas von uniformer Langeweile.

Den wichtigsten Fortschritt trägt der Tiguan weithin sichtbar vor sich her. Das neue Gesicht verabschiedet das Gute-Laune-Grinsen des Urmodells. Ernst statt lustig – steht ihm gut. Mit den Zügen des größeren Modellbruders Touareg sieht er erwachsener aus, dafür muss er die Mode mit den stechenden Tagfahr-LED mitmachen. Und das immergleiche VW-Markengesicht bekommt bereits etwas von uniformer Langeweile. Hinter der neuen Nase blieb der Vielseitigkeits-Künstler unangetastet. Türen, Dach, Kotflügel, Griffe – frei nach dem Motto: am besten nichts Neues. Nur die Heckleuchten strahlen jetzt im Golf-Stil. Das Thema hatten wir ja schon. Auch innen alles wie gehabt: das Cockpit so einfach zu bedienen, dass man viele Knöpfe mit geschlossenen Augen findet. Gut so, weil das viele Grau nun wirklich keine Freude bereitet. Nach dem "Facelift" glänzen sogar die Lüftungsrosetten in "dark rhodius", einem (wir ahnen es) Grau metallic. Spiegelt dieses Interieur etwa den deutschen Geschmack wider?

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Video: VW Tiguan vs. BMW X1

Tiguan fordert X1

Jedenfalls eröffnet es dem X1 die Gelegenheit, fühlbar zu punkten. Jeder Schalter, jeder Hebel und Knopf sagt: "Ich bin ein 3er!" Das bringt nicht unbedingt einen Vorteil in der Bedienung, aber doch im Wertgefühl, das irgendwo zwischen Pupille und Portemonnaie liegt. Im Nutzwert dagegen trennt die beiden eine halbe Welt. Oder genau gesagt sieben Zentimeter, die der Fahrer im BMW tiefer sitzt als im Tiguan. Der Armaturenträger rückt näher, in der zweiten Reihe wird es eng – der X1 spielt nicht den SUV, sondern den höhergelegten Touring. Dagegen bleibt der VW das vielseitigere Auto – hier sind wir der vorsichtigen Modellpflege ausnahmsweise dankbar. Man steigt rückenfreundlich höher ein, genießt die bessere Sicht, den größeren Kofferraum (bis zu 1510 statt 1350 Liter). Und wer Kinder durchs Leben fahren muss, hört aus dem geräumigen Fond mit der längs verschiebbaren Bank kein Murren, sondern das Friedensangebot aller Pubertierenden: "Papa, deine Musik ist doch ganz nett!"

Die Töne stimmen auch unter der Haube, wo der Zweiliter-TDI mit 140 PS (mit 54 Prozent Kaufanteil beliebtester Motor im Tiguan) deutlich weniger rumort als der ungehobelte Geselle im BMW. Der ist es, der mal ein Facelift verdient hätte oder zumindest die Laufruhe stiftende Ausgleichswelle des stärkeren 20d. Bei der Gelegenheit dürften die Münchener gleich ihrem Fahrwerk komfortablere Manieren beibringen – mit dem harten Abrollen übertreibt der X1 seine Rolle als Dynamiker. Ein Manko, das auch im größeren X3 zu spät korrigiert wurde. Er fährt sich doch schon sportlich genug, dieser BMW, nimmt dem VW in den Fahrleistungen überall ein paar Zehntel und Zentimeter ab und verführt dazu, die Kurven mit der feinen Lenkung ganz un-SUV-gemäß anzupeilen. Das dürfte im VW nie passieren, denn die hohe Sitzposition legt sich besänftigend wie eine gütige Hand auf jeden Anflug von Vettel-Feeling.

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Die Sport&Style-Version bringt Regensensor, neue 17-Zoll-Räder, Türdekor und Müdigkeitssensor mit.

Gleichstand herrscht nun bei der Spartechnik, weil VW wie BMW ein Start-Stopp-System einbaut, das den Motor an Ampeln ausschaltet und den Normverbrauch des TDI um 0,3 auf 5,8 Liter senkt. Allerdings nur im BlueMotion-Modell, das sinnvoll investierte 400 Euro extra kostet und damit den Blick auf die Preise lenkt. Die sind beim neuen Tiguan nicht nur gleich geblieben, VW hat sogar ein bisschen Serienausstattung draufgepackt. In der Basisversion "Trend & Fun" gehören zusätzlich längs verstellbare Kopfstützen und Tagfahrlicht serienmäßig an Bord, die beliebtere Sport&Style-Version wurde noch stärker aufgerüscht: Regensensor, neue 17-Zoll-Räder, Türdekor und Müdigkeitssensor werten das Auto auf – oder machen je nach Sicht das Auslaufmodell unattraktiv. Außer, der Händler gibt Rabatt ...

Hintergrund: So testet AUTO BILD

Es läppert sich ohnehin einiges zusammen bei diesen Mode-Püppchen. Zum Beispiel kostet der Tiguan als 140-PS-TDI mit Allradantrieb und BlueMotion-Paket 30.000 Euro. Da geht der Spaß aber erst los, bei VW blasen als neue Extras die Assistenzsysteme aus dem Passat die Preisliste weiter auf: Fernlichtregulierung für 315 Euro, Spurhalte-Assistent (ab 495 Euro), Parkpilot (395 Euro) oder Einpark- Automatik (755 Euro). Der Wunsch, etwa den Allradantrieb einzusparen, weil man viel in der Stadt fährt, wird weiter enttäuscht: Warum gibt es keine Benziner mit Frontantrieb und Automatik? "Wir überprüfen den Bedarf", heißt es bei VW. So werden Käufer zum teuren Diesel gedrängt.

Technische Daten BMW X1 xDrive 18d: Vierzylinder, Turbo, vorn längs • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1995 cm3 • Leistung 105 kW (143 PS) bei 4000/min • max. Drehmoment 320 Nm bei 1750/min • Allradantrieb • Sechsganggetriebe • Reifen 225/50 R 17 H • L/B/H 4454/1798/1545 mm • Radstand 2760 mm • Leergewicht 1615 kg • Spitze 195 km/h • 0–100 in 10,1 s • Verbrauch (EU-Mix) 5,7 l Diesel • CO2 150 g/km • Preis 32.000 Euro.
Technische Daten VW Tiguan 2.0 TDi BlueMotion Technology: Vierzylinder, Turbo, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1968 cm3 • Leistung 103 kW (140 PS) bei 4200/min • max. Drehmoment 320 Nm bei 1750/min •Allradantrieb • Sechsganggetriebe • Reifen 235/55 R 17 H • L/B/H 4519/1809/1703 mm • Radstand 2604 mm • Leergewicht 1651 kg • Spitze 190 km/h • 0–100 in 10,2 s • Verbrauch (EU-Mix) 5,8 l Diesel • CO2 151 g/km • Preis 31.550 Euro (Ausstattung Sport & Style).
Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

Nach Golf, Passat und Phaeton will uns VW zum vierten Mal ein Facelift als neues Modell verkaufen. Das ist gewagt – und geht nur, weil die Vorgänger als gute Autos an der Spitze mitfuhren. Besonders der Tiguan, der genau in der Mitte seiner Klasse steht. Kompakter als der X3, der im Format wuchs, mehr SUV als der X1, technisch wieder hoch aktuell, auch wenn nur wenige Kunden die ungewohnte Elektronik kaufen. Der Trend zum Sparen ist richtig, allerdings sollte VW mehr Versionen mit Frontantrieb anbieten.

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Kommentare zum Artikel (91)

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Karlos
24.07.2011, 21:15Uhr

Ich finde die Kommentare hier ganz nett, jedoch vermisse ich echte Kompetenz. Es scheint so, als würden sich einige Möchtegernschummis, ohne jemals das kommentierte Vehicle gefahren zu haben, hier verbal ausmüllen.

@BMW ist so krass
12.07.2011, 23:49Uhr

Wie peinlich, für kostenlos zur Verfügung gestellte Arbeitskraft zu werben und nur diese zu bewerben.

BMW ist so krass
25.06.2011, 11:58Uhr

Muss gleich Praktikum anfangen, Alter.
http://www.youtube.com/watch?v=ydQxuEHuZ68

Nierenleiden
09.06.2011, 22:18Uhr

Ich frage mich, was X1-Kunden für Menschen sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man diese Hartplastik-Landschaft als angemessen akzeptiert. Fahren diese Leute mit geschlossenen Augen?

laut wikipedia
08.06.2011, 21:57Uhr

"Aufsehen erregte die erste Generation des TT... mit einigen Unfällen, bei denen... Menschen zu Tode kamen. Das Fahrwerk überforderte den Durchschnittsfahrer mit einem... gefährlich schmalen Grenzbereich, in dem der Wagen in schnell gefahrenen Kurven kurzerhand von neutralem Fahrverhalten zu starkem Übersteuern tendierte... Audi bot... den Einbau eines... Heckspoilers und eines optimierten Fahrwerkes an. Die Nachrüstung eines ESP, von da an serienmäßig, sollte... bei bereits verkauften Fahrzeugen nicht möglich sein. Auf Druck von Medien, Verbraucherschützern... lenkte Audi ein..."

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