VW Touareg V6

VW Touareg 3.2 V6 VW Touareg 3.2 V6

VW Touareg 3.2 V6

— 02.12.2002

Alles keine Hürde?

VW auf dem Weg nach oben. Erst mit dem Phaeton, jetzt folgt der Touareg. Der Allradler kann viel, aber längst nicht alles.

Groß, hochbeinig und sehr breit

Die Annäherung an den VW Touareg verblüfft. Das Ding ist richtig groß, hochbeinig und sehr breit. Bei 1,93 Metern wird die linke Autobahnspur in Baustellen verdammt eng. Seine üppigen Abmessungen sind ungewohnt, fast ein bisschen bedrohlich. 15,82 Kubikmeter misst der Touareg in Länge mal Breite mal Höhe und ist damit der zweitgrößte VW. Nur der T4 bietet noch mehr umbauten Raum.

Vielleicht wirkt der erste SUV aus Wolfsburg deswegen irgendwie fremd. Erst auf den zweiten Blick wird er vertrauter: Große VW-Embleme, Türgriffe, Grill sowie Bug- und Heckpartie zeigen viel Markenidentität. Sein Anspruch ist klar: Ein großes Auto will er sein. Ein geländegängiges. Ein sportliches. Und ein komfortables. Kurzum: ein Alleskönner. Aber kann das gut gehen? Kiesgrube und Kurvenkünstler, Feldweg und Fernstraße, Bergpass und Boulevard? Ist der Touareg tatsächlich dieses Multitalent?

So viel ist sicher: An diesem VW ist vieles anders. Wie beim Schlüssel: Der gleitet nicht wie sonst üblich in die Lenksäule, sondern rechts daneben in ein Zündschloss im Armaturenträger, das von silbrig glänzendem Kunststoff umrahmt wird. Ist er abgezogen, blockiert eine elektrische Sperre das Lenkrad. Ein kurzer Dreh, und der 3,2-Liter-Motor meldet sich summend zum Dienst.

Dickschiff mit dem Patent für große Fahrt

Es ist das gleiche Triebwerk wie im Phaeton und Golf R32. Nur mit weniger Leistung – 220 statt 241 PS –, aber mehr Drehmoment. 305 Newtonmeter liefert er. Leider ist das nicht genug, um mit der Sechsgangautomatik gut zu harmonieren. Im D-Modus wirkt der Gangwechsel träge und angestrengt. Gibt der Fahrer Vollgas, schießt der Drehzahlmesser nach rechts, und der Motor faucht und stöhnt.

Im S-Modus geht zwar alles ein bisschen schneller. Doch auf Dauer nerven die hohen Drehzahlen. Die sechste Fahrstufe wird in dieser Betriebsart gar nicht erst erreicht. Zum Glück ist Besserung in Sicht: Die spätere Motorenpalette vom R5-TDI bis zum W12 bietet mit mindestens 400 Newtonmetern erheblich mehr Drehmoment.

Der V6 ist eher ein Gleiter. Souverän treibt er den VW über die Autobahn. Das Geräuschniveau ist dabei so angenehm niedrig, dass Windgeräusche erst ab Tempo 160 wahrgenommen werden. Nun knurrt der Motor zurückhaltend. Ein Dickschiff mit dem Patent für große Fahrt. Das hat Oberklasse-Niveau. Fast zumindest.

Träge und starke Wankbewegungen

Schlechter Geradeauslauf und eine polternde Hinterachse verhindern jedoch die uneingeschränkte Premium-Bewertung. Gleiches gilt fürs Cockpit. Zwar sind Haptik und Verarbeitung gut, doch ergonomisch kneift und zwickt der Touareg. Die elektrische Sitzverstellung ist ungünstig zwischen Konsole und Türablage angebracht, die Bedienung fummelig.

Logisch: Das Auto ist eine Burg – hoch und massig. Doch subjektiv wirkt er innen kaum größer als ein Passat. Für mehr Wohlfühlambiente könnten eine längere Mittelarmlehne sowie größere Ziffern im Tacho sorgen. Der reicht bis 260 km/h. Doch weiter als 200 wandert die Nadel nie. Und Tempo im Touareg ist teuer: Mehr als 27 Liter Super plus schluckt der V6 bei vollem Leistungseinsatz.

Größe und Gewicht fordern ihren Tribut auch bei Fahreigenschaften und Beherrschbarkeit. Der Allradler ist träge. Beim Elchtest zeigt er sehr starke Wankbewegungen und folgt schnellen Lenkbefehlen unwillig. Um ihn in der Spur zu halten, muss der Fahrer heftig kurbeln. Präzise Fahrmanöver sind so kaum möglich. Ein BMW X5 meistert diese Disziplin deutlich souveräner. Dafür ist der Touareg im Geländeeinsatz besser.

Im Gelände trumpft der Touareg auf

Also ran an die Arbeit. Gummistiefel raus und ab in den Matsch. Und siehe da: Der vornehme Herr aus der Stadt kann bei der Maloche im Schlamm richtig kräftig zupacken. Mit einem Drehschalter auf der Mittelkonsole wird die Geländereduzierung aktiviert. Reicht das noch nicht, lässt sich mit gleichem Schalter das Mitteldifferenzial sperren. Gegen Aufpreis gibt es zusätzlich ein sperrbares Hinterachsdifferenzial.

So gerüstet, hält keiner den Touareg mehr auf: Wattiefe 50, Bodenfreiheit 23,7, Verschränkung 15,7 Zentimeter sowie Steigfähigkeit von 45 Grad machen aus dem Volkswagen einen Kletterkünstler der Extraklasse. Dass seine künftigen Besitzer diese Tugenden nur selten nutzen werden, liegt in der Natur der Sache. Ein Luxus-SUV wirbelt Staub meistens nur vor den Szene-Läden der City auf.

"Schade", mag der Techniker seufzen. Den Marketing-Mann freut's. In den USA wird der Touareg sicher ein Hit. Und VW legt nach. Künftig soll es auch den Golf in einer trendigen Offroad-Version geben. VW denkt eben rechtzeitig an den eigenen Nachwuchs.

Fazit und Technische Daten

Fazit Achtung, Mercedes und BMW: Da rollt was auf Euch zu. ML und X5 bekommen Kontra. Im ersten Test zeigt der Touareg mit Einstiegs-Benziner und Stahlfedern viele Stärken, aber auch einige Schwächen. Im Gelände ist er top, auf der Straße mächtig und ein wenig unpräzise. Aber das mag sich mit V10-TDI und W12 und der Luftfederung noch ändern. Die Qualität ist gut, aber noch nicht Spitzenklasse.

Kosten und Ausstattungen

Mit 41.350 Euro steht der VW Touareg 3.2 V6 in der Preisliste. Klimaautomatik (560 Euro) und Leder (ab 2125 Euro) kosten Aufpreis.

Die Wertung nach Punkten

Klare Punkte – so wollen wir die Autos fair und objektiv bewerten. Dazu vergeben wir jeweils 200 Punkte in drei Kapiteln. Und Sie können unsere Wertung so leicht nachvollziehen.

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