VW Touareg gegen BMW 7er und Mercedes G

VW Touareg gegen BMW 7er und Mercedes G 400

— 17.01.2003

Der Beste aus zwei Welten?

Ein Auto fr Gala und Gelnde? Fr den Track- und den Dreck-Test? Der VW Touareg erhebt diesen Anspruch. Also muss er sich mit den Knnern ihrer Klassen messen: 7er-BMW und Mercedes G.

Ein Universalgenie gegen zwei Spezialisten

Eigentlich ganz schn vermessen: Da kommt ein Hersteller, der das Volk im Markennamen fhrt, auf die Idee, einen groen Gelndewagen zu bauen. Nennt ihn berbermig Touareg, preist ihn (ab 41.350 Euro) eindeutig der finanziellen Oberschicht an und rhrt die Werbetrommel: Ein Crossover sei er, ein Universalgenie. Vollblut-Gelndewagen, agiles und sicherea Reiseauto und obendrein auch multivariables Business- sowie Freizeitmobil. Wer den Mund so voll nimmt, der muss sich grndlichst prfen lassen.

Gipfelstrmend setzten wir uns in den teuersten Touareg, den V10 TDI mit sagenhaften 230 kW/313 PS, der mit 68.900 Euro in den Neupreislisten steht. Sein Widerpart im Gelnde: ein seit fast 24 Jahren bekannter und bewhrter Kletterknstler, der Mercedes G. Die feste Burg der Frster und Militrs. Natrlich auch mit groem Diesel 400 CDI (184 kW/250 PS) und Premiumpreis von fast 78.000 Euro.

Seinen Anspruch als Luxusliner muss der Touareg am 7er-BMW messen. Der steht fr beste Ausstattung und moderne Motoren: Vor wenigen Monaten erst wurde der berarbeitete 740d (190 kW/258 PS) vorgestellt. Sein Basispreis von 75.700 Euro lsst weiterhin gute Konzernergebnisse erwarten. Was einem beim Fahren vllig schnuppe ist.

Der 7er legt 'ne starke Rundenzeit vor, ...

Beim Fahren begeistern erst einmal die Motoren. Einmal warmgelaufen, verleugnet der Siebener seine Selbstznder-Seele. Touareg und G-Modell verraten sie gerade mal im Leerlauf. Sympathisch stampfend, erinnern sie entfernt an ein Kmo, ein Kstenmotorschiff.

Stellen wir den Maschinen-Telegrafen deshalb auf volle Fahrt voraus, steuern 740d und VW Touareg erst mal Richtung Magdeburger Brde, genauer: zum Motopark Oschersleben. Dort soll der VW-Allesknner zeigen, ob er mit seinem strksten Pkw-Diesel der Welt (VW-Eigenlob) einem modernen Mnchner an der Stostange kleben kann.

Um es vorwegzunehmen: er kann. Der 740d gibt mit abgeschaltetem DSC die Rundenzeit vor, schafft 110,2 km/h. Wobei er deutliche Fahrwerkschwchen zeigt: Sein Hinterteil schwenkt in Kurven weit aus (bersteuert). Es lsst sich zwar gut wieder einfangen, wobei es dann aber gern mal in die Gegenrichtung schlgt, der Fahrer muss erneut korrigieren. Mit eingeschaltetem DSC wird der Rundstreckenfahrer entmndigt, auf der fr den Alltag vllig sicheren Seite gehalten (108,2 km/h).

... aber der Touareg kann dem BMW folgen

Jetzt kommt der Touareg auf Touren. Dank 55 Mehr-PS ist er mit 109,6 km/h nur einen Hauch langsamer als das Mnchner Mammut. Wobei nicht nur die Leistung zhlt: Das luftgefederte Fahrwerk des Touareg ist technologische Spitzenklasse. Ob mit oder ohne ESP, das VW-Dickschiff bleibt immer stur auf Kurs, lsst sich nicht einmal von den berfahrenen Randsteinen (Curbs) aus der Ruhe bringen.

Beide Boliden schalten dabei vollautomatische Sechsganggetriebe. Zwar bieten BMW und VW Schumi-Schalter am Lenkrad an, in der Praxis sind sie aber vllig berflssig. Im Gelnde allemal. Denn dort machten wir den Test Teil zwei: Der Hoope-Park zwischen Bremen und Bremerhaven bietet allerbeste Schlammpackungen, garniert mit unergrndlichen Pftzen, Hgeln und anderen hbschen Erdhckern.

Jeder Anfnger zieht sofort Gummistiefel an und berzeugt sich, dass irgendwo ein Trecker steht. Denn hier kommen nur Profis mit eigener Kraft heraus. Falsch. Zwischen Enduro-Rillen und Bagger-Spuren (die Piste muss ja ab und an prpariert werden) ackern sich die beiden Gelnde-Gmsen problemlos durch. Der G dank seiner konsequenten Bauweise, der VW muss seine Karosserie per Luftfederung auf 30 Zentimeter hochpumpen. Natrlich sind alle Antriebssperren und Getriebe-Untersetzungen eingelegt.

Pltzlich geht dem Touareg die Luft aus

Runde um Runde werden wir mutiger. Hier noch ein wassergeflltes Schlammloch, da noch etwas mehr Steigung, dort eine Schleuderwende. Die Scheibenwaschanlagen arbeiten auf Hochtouren. Bis pltzlich G-Fahrer Patrik hektisch hupt und auf den Touareg zeigt: Ein Reifen ist platt. Tatschlich, durch irgendein im Modder verborgenes Hindernis ist vorn links der Bridgestone Touranza von der Leichtmetallfelge gesprungen.

Was tun? Statt eines Reserverads gibt es Flickspray und einen Luftschlauch. Dessen Anschluss an den Bordkompressor man erst mal finden muss (in der Konsole vorn am Beifahrersitz), dessen Lufthauch aber berhaupt nicht hilft, einen schlappen Reifen wieder auf die Felge zu zwingen. Das gelingt uns erst an einer Tankstelle.

Wobei der Rest dann schnell erzhlt ist: Mit Brummi-migem Tempo 80 (darber ist die Unwucht zu gro) schleppen wir uns in den Hamburger Redaktionshafen. Am nchsten Morgen qualmt der Motor, luft anfangs nicht auf allen zehn Ptten, zwei weitere Reifen sind platt, die Felge vorn links muss leider auf den Schrott.

Der G lsst sich keine Strapazen anmerken

Die Gelndewertung gewinnt so der robuste G 400, der sich trotz dicker Schlammverkrustungen auen und im Motorraum keine der Strapazen anmerken lsst. Er ist eben ein Gelndegnger von altem Schrot und Korn.

Seine Edelholz-Luxusausstattung wrde gern darber hinwegtuschen. Auch hat Mercedes alles in den G gesteckt, was in den letzten Jahren an Brems- und Fahrwerkhilfen, Musekinos, Bedienlenkrdern und Satelliten-Suchern erfunden wurde.

Aber: Die Tren lassen sich immer noch nur mit Schwung schlieen, und sptestens die gerade Frontscheibe erinnert daran: Nur noch der Lada Niva ist lter als die G-Klasse. Die sich auf der Strae aber noch verblffend gut schlgt: Tacho 190 (echte 180) sind bei ertrglichen Windgeruschen und erstaunlich gutem Geradeauslauf zu halten. Der Verbrauch bewegt sich dann aber in Richtung 25 Liter.

Technische Daten im berblick

VW hat, wie man in den Werksttten hrt, beim Touareg derzeit noch arge Probleme mit der Motorelektronik. Das kann bei neuen Autos passieren. Bei unserem Test-7er spann nur die Temperaturanzeige: Trotz Plusgraden zeigte sie sibirische minus 22 bis 40 an. Was uns wiederum fr den Touareg erwrmte VW hat wirklich einen Allesknner gebaut. Einen teuren zwar, aber immerhin.

Fazit, Preise und Ausstattungen

Fazit von Redakteur Diether Rodatz "Ich wei, nur wenige Menschen werden in der Kaufentscheidung zwischen einer Luxuslimousine oder einem groen Gelndewagen schwanken. Dennoch ist es nicht nur fr mich ein verblffendes Ergebnis, dass der (etwas billigere) Touareg den teureren Knigen ihrer Klassen doch in den Eigenschaften ziemlich nahe kommt. Zwar warten auf diesen groen Gelndewagen in erster Linie wohl nur die Amis. Aber uns signalisiert der neue Touareg, was Ingenieurkunst wenn sie denn freie Hand hat vollbringen kann. Auf der Strae ist der VW dem BMW dicht auf den Fersen, und im Gelnde kann er sogar dem Urviech von Mercedes folgen. Auch wenn das einfach nicht zu schlagen ist."

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