VW Touran gegen Opel Zafira

VW Touran gegen Opel Zafira VW Touran gegen Opel Zafira

VW Touran gegen Opel Zafira

— 21.02.2003

Heimsieg für den Touran

Es ist fast wie in der Bundesliga: Der Neuling VW Touran trifft beim ersten Testspiel auf den Spitzenreiter Opel Zafira. Schafft VW es aus dem Stand, den Tabellenführer zu schlagen?

Fahrwerkstechnik vom neuen Golf

Lange hat es gedauert, bis der VfL Wolfsburg den Sprung in die erste Fußball-Bundesliga schaffte. Der 1945 gegründete Verein stieg erst 1997 in die oberste Leistungsklasse auf. Seitdem sind sie dringeblieben – und träumen von der Champions League.

Lang genug hat es auch bei VW gedauert, bis der erste Kompaktvan fertig war. Aber nun haben sie es ja geschafft. Sieben Jahre nach dem Renault Scénic und vier Jahre nach dem Opel Zafira kommt der Touran. Und der will jetzt auf Anhieb die Liga aufrollen. Das ist besonders interessant, weil sich der Van schon Fahrwerkstechnik vom neuen Golf (kommt im Herbst 2003) untergeschnallt hat.

Oben allerdings sieht der Touran aus, als ob es ihn schon immer gegeben hätte. Braves, mehrheitsfähiges Design ohne Ecken und Kanten. Sorry, VW, aber ein bisschen mehr Mut als mit dieser rund gelutschten Transporter-Form hättet ihr schon zeigen können. Aber ich möchte nicht ungerecht sein, das VW-Design entwickelt traditionell seine Langzeit-Qualität erst nach ein paar Jahren. Momentan jedoch sieht der ja schon etwas angejahrte Opel im Vergleich gar nicht mal so alt aus.

Cockpit bieder, aber funktional

Innen haben die VW-Einrichter genauso zurückhaltend gearbeitet. Vorsichtig taktierend wie VfL-Trainer Wolfgang Wolf beim Interview. Obwohl der Touran ein brandneues Auto ist, wirkt das Cockpit auf mich wie tausendmal berührt. Ein bisschen Polo hier und etwas Passat dort. Aber alles liegt bestens zur Hand und ist blitzsauber verarbeitet. Auffällig ist die tiefe Sitzposition. Du sitzt flach über der Fahrbahn, die Fensterlinie liegt erstaunlich hoch. Im Opel sitzt man etwas höher, die Übersicht ist ungleich besser.

Beim direkten Vergleich wird aber ebenfalls klar: VW hat den Touran zweikampfhart gemacht. Er lockt mit dem merklich besseren Raumangebot, misst in der ersten und zweiten Reihe jeweils ein paar Zentimeter mehr. Beim Thema Sitz-Variabilität kopiert VW ganz ungeniert die erfolgreichen Taktiken der Konkurrenz. Für die zweite Reihe stand der Renault Scénic Pate. Also lassen sich auch im Touran die drei Einzelsitze verschieben, zusammenklappen, umkippen und ausbauen. Die Sitze selbst sind schmal geschnitten, aber gut ausgeformt und bequem. Komfortabler dürfte es in der feinen Business-Loge des VfL-Stadions auch nicht zugehen.

Opels Flex-7-System bleibt unerreicht

In der dritten Reihe folgt dann – für 595 Euro Aufpreis – ein dem Zafira abgeschautes System: zwei mit einem Handgriff im Boden versenkbare Klappsitze. Kinder bis etwa zwölf Jahren werden gern nach hinten krabbeln und es sich dort gemütlich machen.

Der Opel reklamiert einen entscheidenden Vorteil aber weiterhin für sich: Bei seinem Flex-7-System muss man eben nichts ausbauen. Einfach die mittlere Bank zusammenfalten, nach vorn schieben und die hinteren Klappsitze versenken – fertig ist der Riesen-Laderaum.

Bei der jüngsten Überarbeitung des Zafira brauchte daran nichts geändert zu werden, genauso wenig wie grundsätzlich am Fahrwerk. Der Opel liegt immer noch knackig und ausgesprochen handlich auf der Straße. Aber auch etwas hölzern.

Der Touran setzt auf hohen Komfort

Auf einer anderen Schiene fährt der Touran: Er setzt auf hohen Komfort. Die Federung spricht weich an und filtert auch grobe Stöße souverän. Mit der direkten und durchaus präzisen, aber etwas künstlich wirkenden Lenkung fährt sich der VW nicht so agil wie der Opel, sondern bedächtiger.

Zum Start gibt es den Touran mit dem 1,6-Liter-FSI-Motor mit 115 PS (ab 21.100 Euro), einem neuen Zweiliter-TDI mit 136 PS (ab 24.350 Euro) und dem 1,9-Liter-TDI mit 101 PS, der hier antritt.

Der TDI hat einen nörgelnden Grundton und wirkt über einen weiten Drehzahlbereich angestrengt. Damit passt er eigentlich nicht zum sonst hohen Fahrkomfort. Und die 101 PS haben mit den 1630 Kilo Leergewicht einige Mühe, der Touran bewegt sich damit etwa so gemächlich übers Feld wie Neu-VfL-Star Effenberg an einem seiner schlechteren Tage. Viel schneller ist der 101-PS-DTI im Zafira jedoch auch nicht. Und der brummt sogar noch lauter.

Kosten und Ausstattungen

Bei den Preisen liegt der Touran TDI (21.800 Euro) dann wieder knapp vor dem Zafira 2.0 DTI für 20.205 Euro (beide Basis). Bei beiden ist die Ausstattung erstaunlich komplett. So spannend geht es oft nicht mal in der Bundesliga zu.

Fazit und Technische Daten

Fazit Am Ende landet der Touran mehr Treffer als der Zafira – er hat vor allem das bessere Raumangebot, bietet spürbar höheren Komfort. Aber der VW spielt hier den Opel keinesfalls an die Wand, es ist eher ein Arbeitssieg. Der Zafira hat seine Stärken, fährt handlicher, sein Sitzkonzept ist unübertroffen. Und der VW hat Schwächen, den Motor etwa. Wir lernen: Auch wenn man sich viel Zeit nimmt, wird am Ende nicht alles perfekt. Ob der Touran fit ist für die Champions League, werden die ersten Punktspiele zeigen. Dieses Freundschaftsspiel gewinnt der VW jedenfalls nur knapp.

Autor: Dirk Branke

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