Neuer VW Touran gegen gelifteten VW Caddy

VW Touran VW Caddy VW Touran

VW Touran gegen VW Caddy: Test

— 30.03.2015

Erster Vergleich der neuen VW-Vans

Bühne frei für zwei Raumwunder: VW stellt den neuen Kompaktvan Touran vor – und den etwa 5000 Euro billigeren Caddy. Wo ist der Unterschied?

Ein Volkswagen ist per Definition ein Wagen fürs Volk. Hört sich wie eine Binsenweisheit an, ist es aber nicht. Denn vor lauter Premium-Ambitionen hatten wir in letzter Zeit den Verdacht, dass die Wolfsburger vor allem bei der Preisgestaltung Otto Normalfahrer aus den Augen verloren haben. Stimmt so nicht, sagen die von VW. Denn mit dem überarbeiteten Caddy aus der Nutzfahrzeug-Abteilung und dem komplett neu entwickelten Kompaktvan Touran schieben sie gleich zwei Raumriesen ins Rampenlicht, die ganz uneitel vor allem im Alltag brillieren sollen.

Der Touran ist eine halbe Nummer größer geworden

Der Touran ist um 13 Zentimeter gewachsen, kommt jetzt auf 4,53 Meter. Bei dachhoher Beladung passen 1040 Liter in den Kofferraum.

Besonders der neue Touran versucht ein echter Familienfreund zu werden – mit deutlichem Wachstum. Gegenüber dem Vorgänger ist er 13 Zentimeter länger, die Räder sind um gut elf Zentimeter auseinandergerückt. Der Radstand entspricht nun dem des Passat. Hört sich in nüchternen Zahlen nicht weltbewegend an, ist es aber. Der Touran ist eine halbe Nummer größer als bisher, sortiert sich nun sauber zwischen Caddy und Sharan ein. Unsere erste exklusive Sitzprobe zeigt, dass selbst große Passagiere bequem im Fond Platz finden. Bei VW legen sie Wert darauf, dass sich sogar drei Kindersitze nebeneinander befestigen lassen. Und auch der Kofferraum wächst. Mit fünf Passagieren an Bord passen nun bei dachhoher Beladung bis zu 1040 Liter rein – Rekord! Werden auch noch die Rücksitze umgeklappt, fasst der Touran bis zu 1980 Liter. Wie gehabt ist gegen Aufpreis eine dritte Sitzreihe erhältlich – praktisch, wenn mal die Nachbarskinder mit zum Fußball wollen. Überhaupt haben sie bei VW viel über den Alltag nachgedacht. Insgesamt 47 Ablagen nehmen Flaschen und Krimskrams auf.
VW Touran ist der Klassen-König
33 Prozent Marktanteil unter den Vans! 2014 wurden in Deutschland 47.801 VW Touran neu zugelassen. Vom Caddy waren es 30.154 Exemplare.

Modernes Cockpit: Der neue VW Touran navigiert jetzt in Echtzeit um Staus herum.

So ganz wollten sie sich dann aber doch nicht nur auf das Alltagstalent des Touran verlassen – er ist auch deutlich schicker geworden als bisher. Das klare Design folgt der aktuellen Linie von Golf Sportsvan und Passat. Wie auch das neu gestaltete Cockpit. Feine Materialien treffen auf einen technisch kühlen Stil – typisch VW also. Neu sind die Ergonomie-Sitze und das Infotainment, das VW nun endlich auf den neuesten Stand gebracht hat. Der Touran navigiert in Echtzeit um Staus herum, Smartphones lassen sich unabhängig von deren Betriebssystem koppeln und über den acht Zoll großen Touchscreen bedienen. Neu im Touran sind auch die Motoren. Sie sind aber aus Golf und Passat bekannt. Die Benziner leisten zwischen 110 und 180 PS, die drei Dieselmotoren 110, 150 und 190 PS. Sie arbeiten um bis zu 20 Prozent sparsamer als im Vorgänger – versprechen zumindest die Wolfsburger. Klar, dass VW sich das Ganze gut bezahlen lässt. Aber sie bleiben ungewohnt zurückhaltend. Trotz gewachsener Abmessungen und verbesserter Sicherheitsausstattung soll der Touran nicht teurer werden, wenn er im September 2015 auf den Markt kommt. Bei gut 23.000 Euro geht es los.

Ist der Caddy auch 5000 Euro schlechter als der Touran?

Schöner als bisher, aber nicht wirklich chic: das Caddy-Cockpit mit Navi fast auf Kniehöhe, darüber Knöpfe für die Klimaanlage. Viel Billig-Plastik.

Der Blick zum Caddy zeigt, dass es günstiger geht. Rund 5000 Euro liegen zwischen den beiden Brüdern. Spannende Frage: Ist der Caddy auch 5000 Euro schlechter? Die Front trägt jetzt das aktuelle kantige Familiengesicht, das Heck wirkt eckiger und glatter. Ähnlich sieht es an Bord aus. Hier bekam das Cockpit ein paar Kanten mehr, auch die Luftausströmer sind jetzt eckig. Komplett neu ist das Multimediasystem mit bis zu 6,33 Zoll großem Monitor. Geblieben sind die einfachen Kunststoffe – an Bord des Touran geht es edler zu. Aber egal, der Caddy wirkt schicker als bisher, auch moderner – und er ist ordentlich verarbeitet. Dazu kommt das gewohnt großzügige Raumangebot mit bis zu sieben Sitzen. Die breiten Schiebetüren (70 cm, rechts Serie, links Aufpreis) ermöglichen einen äußerst bequemen Zugang zum Fond – auch dort gibt es vor allem viel Luft über dem Scheitel. Die Dreier-Rückbank ist geteilt klappbar, nach vorn kippbar und ausbaubar – das kann der Touran nicht.

Wer sich die Mühe macht und die Rückbank ausbaut, der wird mit über 3000 Litern Kofferraum belohnt.

Und schon gar nicht kommt er an die Größe des riesigen, komplett ebenen Ladeabteils ran. Bei nach vorn geklappter Rückbank passen 2850 Liter in den Caddy, mit ausgebauter Bank (geht einfach) sind es sogar 3030 Liter. Bei Bedarf passt auch eine Leiter rein, die maximale Ladelänge mit umklappbarem Beifahrersitz beträgt 2,60 Meter. Auch die Zuladung liegt durchweg höher als beim Touran – je nach Motor darf der Caddy bis zu 832 Kilo einladen – der hinteren Starrachse sei Dank. Zur Wahl stehen acht Motoren: vier Diesel, drei Benziner, einmal Erdgas. Den Zweiliter-TDI gibt es in den Leistungsstufen 75, 102, 122 (nur mit Allrad) und 150 PS. Einstiegsmotor bei den Benzinern ist der 1.2 TSI mit 84 PS, dann folgen ein neuer Einliter-Dreizylinder-TSI mit 102 PS und der 1.4 TSI mit 125 PS. Der Erdgas-Caddy ist ein 1.4er mit 110 PS. Ab Ende Juni 2015 steht der Familienkumpel im Laden.

Autoren: Dirk Branke, Stefan Voswinkel

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Familienauto

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