VW Touran, Microbus, Sharan und T5

Wir sind fürs Volk Wir sind fürs Volk

VW Touran, Microbus, Sharan und T5

— 20.01.2003

Wir sind fürs Volk

Kompakte Vans will das Land. Mit viel Platz und trotzdem bezahlbar. Eine Volks-Bewegung, die schon seit Jahren boomt. Und die VW jetzt mit dem Touran und bald mit dem Microbus bedient.

Lifestyle-Laster VW Microbus kommt 2005

"Wir sind das Volk!" Mit diesem trotzigen Bekenntnis auf Lippen und Transparenten versammelten sich die Bürger der ehemaligen DDR im Herbst 1989 auf den Straßen. Und legten ihren Staat damit endgültig still.

Rund 40 Jahre vorher gab es in Deutschland schon einmal eine erfolgreiche Volks-Bewegung. Damals begründete der VW Typ 2, liebevoll Bulli genannt und als VW Bus weltweit geschätzt, die automobile Raum-Fahrt. Das Vielzweck-Fahrzeug, neudeutsch MPV, war geboren.

Der Erfolg des vielseitigen Volks-Vans ist seither ungebrochen. Jede Wette, dass auch die fünfte Auflage des großen (Volks-)Wagens ab März 2003 keine Absatzprobleme kennt. Sogar wer den T5 langweilig und dem Transporter-Bruder zu ähnlich findet, wird bedient. 2005 fährt der Lifestyle-Laster Microbus vor, unter dessen knuffiger Karosserie ebenfalls der T5 steckt.

Touran: ödes Design, kluges Innenkonzept

Weitere Vorstöße im Großraum-Geschäft überlässt VW seither allerdings großherzig der Konkurrenz. Der Sharan als Fullsize-Familienfreund startete 1995 mit mehr als zehn Jahren Verspätung auf die Vorreiter Chrysler Voyagerund Renault Espace. Trotzdem schaffte es der Wolfsburger mit der ICE-Nase, im ICE-Tempo Bestseller seines Van-Segments zu werden.

Eine Geschichte, die man in Wolfsburg jetzt gerne wiederholen möchte. Hauptdarsteller diesmal: der Touran. Wenn der kompakte Van auf Basis des Golf V Mitte März 2003 zu den Händlern rollt, plagt auch ihn ein riesiger Rückstand auf die Klassenkameraden. Der Bestseller Opel Zafira (Debüt 1999) erstrahlt zeitgleich frisch geliftet, vom Scénic als Urahn dieser Großraum-Gattung startet kein halbes Jahr später schon die zweite Generation. Ob der Touran es dennoch schafft, sich an die Spitze dieser Volks-Bewegung zu setzen?

Die beinah schon brutal brave Form dürfte dem Touran dabei kaum hilfreich sein: Langweiliges Einheitsgesicht, spannungsloses Profil, schlaffer Hintern – das Ganze wirkt lustlos und längst überholt. Einziger Vorteil des Blech-Biedermanns: Er verschreckt auch niemanden mit frechen Formen. Außerdem wissen wir ja längst, dass natürliche Schönheit von innen kommt. Und hier bietet der Touran zwar nichts wirklich Neues, verbindet aber viele gute Ideen zu einem klugen Konzept.

Im Fond lässt es sich lässig lümmeln

Grundsätzlich vertraut der Touran – wie der Scénic – auf fünf Einzelsitze, die sich im geräumigen Innenraum fast beliebig aufstellen lassen. In der zweiten Reihe lassen sich die 16 Kilo leichten Stühle längs verschieben, zum Tisch falten, hochklappen, ausbauen oder für mehr Ellbogenfreiheit zur Mitte hin versetzen (dann nur zwei Sitze hinten).

Besonders erfreulich: Im Fond sitzen wir noch ein bisschen höher als vorn. Die knapp 68 Zentimeter hohe Sitzposition vorn 63 cm) verspricht den Hinterbänklern neben einer guten Übersicht auch eine menschenwürdige Sitzhaltung. Anstatt mit stark angewinkelten Beinen wie auf einer Hühnerleiter zu hocken, lädt der Touran zum lässigen Lümmeln. Wozu auch die von VW versprochene Kopffreiheit von rund einem Meter beitragen dürfte.

Von Renault inspiriert auch VWs Anwartschaft auf den Titel "König der Ablagen". Bis zu 39 Staufächer verteilen sich im Großraum-Golf. Fächer und Schubladen (ab Trendline) unter den Vordersitzen, eine Klappe auf dem Armaturenträger, eine große Dachkonsole, Türfächer für Einliterflaschen oder Straßen-Atlanten, Staufächer im Kofferraum – wer den Inhalt aller Ablagen kennt, gewinnt.

Großer Kofferraum oder dritte Sitzreihe

Was den Touran vom Scénic unterscheidet, eint ihn schließlich mit dem Zafira. Der VW überragt den Franzosen in Länge und Breite deutlich, ordnet sich mit 4,39 mal 1,79 Meter Grundfläche knapp oberhalb des Opel ein (4,32 x 1,74 m). Entsprechend bleibt ein Kofferraum, der Familien wie Freizeitspediteure gleichermaßen freut. Rund 660 Kilo Zuladung dürfen im 695 bis 1989 Liter großen Gepäckraum des fünfsitzigen Touran mitfahren. Scénic-Fahrer müssen mit 410 bis 1800 Liter auskommen.

Wer seltener Koffer, dafür aber öfter Kollegen transportieren will, bestellt einfach zwei zusätzliche Sitze fürs Heck. So wird der Touran – der Zafira lässt grüßen – im Handumdrehen zum Siebensitzer, dessen dritte Sitzreihe sich ganz flach in den Boden faltet. Bleiben alle sieben Sitze an Bord, schluckt der VW dann noch 121 bis 1679 (Opel 150 bis 1700) Liter.

Um Ladung und Leute sicher ans Ziel zu bringen, setzt der Touran auf vollen Rundum-Schutz. Der reicht vom völlig neuen Fahrwerk (vorn McPherson-, hinten Mehrlenkerachse) über zahlreiche elektronische Leibwächter (ESP, ABS, Bremsassistent) und sechs Airbags (Beifahrerairbag deaktivierbar) bis hin zu Dreipunkt-Automatikgurten auf allen Plätzen und aktiven Kopfstützen vorn. Damit bei so viel Sicherheit der Komfort schließlich nicht zu kurz kommt, spendiert VW eine funkgesteuerte Zentralverriegelung und ein CD-Radio serienmäßig.

Motoren und Preise des VW Touran

Den Antrieb übernehmen vorerst ein Benziner und zwei Diesel, im Laufe des Jahres folgen aber weitere Motoren. Sowohl Benzin-Direkteinspritzer als auch die beiden TDI leiten ihre Kraft über ein Sechsgangschaltgetriebe an die Vorderräder. Die Dieselmodelle sollen später auch das Direktschaltgetriebe mit Doppelkupplung erhalten.

Beim 1.6 FSI mit jetzt 115 PS/155 Nm und dem 1.9 TDI mit 100 PS/250 Nm handelt es sich um bekannte Konzern-Kraftwerke, die allerdings leicht überarbeitet wurden. Völlig neu dagegen der 2.0 TDI 16V. Der Turbodiesel der neuesten Generation protzt nicht nur mit 136 PS, sondern auch mit 320 Nm Drehmoment (von 1750 bis 2500 Touren). Dennoch soll der Durst des 1,6-Tonnen-Vans mit sechs Litern bescheiden ausfallen.

Weniger Zurückhaltung verrät dagegen die Preis-Politik. Schon der 1.6 FSI liegt mit 21.100 Euro spürbar über dem gleich starken Scénic 1.8 Expression (20.300 Euro). Und auch der 1.9 TDI (ab 21.800 Euro) sowie der 2.0 TDI 16V (Trendline 24.350 Euro) gehen nicht unbedingt als Sonderangebote durch. Vans fürs Volk hatten wir uns jedenfalls günstiger vorgestellt.

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