VW Touran/Renault Grand Scénic: Test

VW Touran Renault Grand Scénic VW Touran Renault Grand Scénic

VW Touran/Renault Grand Scénic: Test

— 07.06.2010

Welcher ist der beste Volks-Van?

Deutschlands beliebteste Familienkutsche präsentiert sich neu in Form. Doch sieht der modellgepflegte VW Touran gegen den französischen Konkurrenten Renault Grand Scénic am Ende alt aus? Ein Vergleich.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben? Sorry, Herr Gorbat schow, für die Politik mag das ja stimmen, auf Autos trifft Ihr Spruch aber nicht immer zu. Beispiel VW. Die Wolfsburger traten dem Kompakt-Van-Klub erst 2003 bei. Andere, etwa Renault mit dem Mégane Scénic, waren etliche Jahre früher dabei. Trotzdem schoss der Touran von null auf die Position des Marktführers. Und hält sich dort bis heute. Das Bemerkenswerte daran: Anfangs (zu Recht) als bieder verspottet, zeigte das VW-Design erstaunliche Langlebigkeit. Während die Konkurrenz mehrfach die Kleider tauschte, um nicht alt auszusehen, setzen die Wolfsburger selbst im verflixten siebten Jahr nur auf Gesichtspflege. Ob das reicht, um gegen den frischen Franzosen zu bestehen?

Überblick: Alle News und Tests zum VW Touran

Großes Facelift: Bis auf die vier Türen sind alle Karosseriebleche beim Touran neu.

Moment mal. "Nur" Gesichtspflege? Bis auf die vier Türen sind alle Karosseriebleche brandneu. Dennoch sieht der renovierte Touran (Händlerstart: August 2010) so aus, als sei er ganz der Alte. Ist er ja auch, irgendwie. Doch eine leichte technische Frischzellenkur hält den Bestseller fit. Im Programm stand dabei zum Beispiel ein Parklenkassistent, der neuerdings auch Lücken quer zur Fahrtrichtung erkennt und das Auto selbstständig hineinsteuert. Ebenfalls neu: die Start-Stopp-Technik fürs Spritsparen (Teil des Blue-Motion-Technology-Pakets) sowie Dauerfernlicht, das nur dann gedimmt wird, wenn es den Gegenverkehr zu blenden droht. Außerdem findet sich in der Preisliste demnächst das aus dem Golf bekannte DCC-Fahrwerk mit anpassungsfähigen Dämpfern. Kostet zwar alles extra, aber wer beim Renault- Händler nach solchen Extras fragt, erntet nur bedauerndes Kopfschütteln: Gibt’s nicht, excusez-moi.

Überblick: Alle News und Tests zum Renault Grand Scénic

Besser ausgestattet und billiger: Beim Preis-Leistungs-Verhältnis liegt der Renault vorne.

Dafür lockt der Grand Scénic mit günstigeren Preisen und besserer Ausstattung. Während der VW in der populären Version Comfortline für 26.950 Euro nur mit 105 Diesel-PS vorfährt (dann allerdings mit klimafreundlichem BlueMotion-Technology-Paket), lassen die Franzosen schon für 25.000 Euro üppige 130 Diesel-Rösser traben und spendieren 17-Zoll-Räder, Parkpiepser sowie schlüsselloses Startsystem. Nicht nur bei den Kosten, auch dem Charakter nach sind die zwei Raumkreuzer Botschafter ihrer jeweiligen Heimatländer. Das Cockpit, im VW von funktionaler deutscher Strenge, aber mit dem Willkommen-zu-Hause-Effekt des Golf, verströmt im Renault die sympathische Nonchalance unserer linksrheinischen Nachbarn: schwungvolle Linien gepaart mit hellen Farben. Ergonomie spielt hier die zweite Geige, obwohl man mit den verstreuten Schaltern nach kurzer Eingewöhnung durchaus klarkommt.

Bei der Einrichtung gibt sich Renault keine Blöße (mehr): Weiche Kunststoffe schmeicheln den Fingern, Chromzierrat erfreut das Auge. Das Thema Übersicht behalten die Deutschen aber besser im Blick. Die konsequente Quaderform mit großen Scheiben erleichtert beim Touran das Abschätzen der Karosserie. Zudem rutschen die Fondkopfstützen jetzt bei Nichtgebrauch ein Stückchen tiefer und sind beim Rückwärtspeilen weniger im Weg. Im Grand Scénic nerven die nach unten breiter werdenden hinteren Dachpfosten, und auch vorn ist man für die Parksensoren dankbar.

Der Touran wirkt im Vergleich zum Grand Scénic dynamischer

Fahrdynamisch in Führung: Der Touran wirkt weniger behäbig als der Grand Scénic.

Gelassen schwebt der Gallier über Bodenwellen. Nur kurz aufeinanderfolgende Stöße, Autobahn-Querfugen etwa, bringen seine Federung ins Stuckern. Wesensfremde Sportlichkeit verkneift sich der Renault, er wirkt vor allem wegen seiner gummiartig-zähen Lenkung behäbiger als der Touran. Dieser ist nicht nur Familienkutsche, sondern stets auch Fahrerauto. Die zielgenaue Lenkung entzückt Papi, wenn er nach Feierabend flott die Kurve kratzen will. Straffe Federn lassen den VW bei hohen Querbeschleunigungen Haltung wahren. Trotzdem wird hier niemand durchgerüttelt. Auch ohne Adaptivdämpfer mit Komfort-Modus federt der Touran ausgesprochen bekömmlich. Der 105-PS-TDI steht gut im Futter, verrät sein selbstzündendes Arbeitsprinzip akustisch nur durch leises Leerlauf-Tuckern. Gleichmäßig marschiert er durch das Drehzahlband, soll mit 4,6 Litern überdies einen neuen Verbrauchsrekord für siebensitzige Familienkutschen aufstellen.

Weitere Details zu Renault Grand Scénic und VW Touran gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen finden Sie als Download im Heftarchiv.

Autor: Martin G. Puthz

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