TSI-Problem

TSI-Problem: Bietet VW bald mehr Kulanz? TSI-Problem: Bietet VW bald mehr Kulanz?

VW: TSI-Motorschäden

— 16.04.2012

Bietet VW bald mehr Kulanz?

VW hat einen Produktionsfehler als Ursache der Steuerkettenprobleme identifiziert. Die Kulanzregelung wird überprüft. Trotzdem bleiben Fragen offen.

Ein Produktionsfehler beim Kettenlieferanten soll die Ursache für die gelängten und überspringenden Steuerketten bei VW-TSI-Motoren sein. Diese Erklärung lieferten leitende VW-Ingenieure beim Gespräch mit AUTO BILD in Wolfsburg. Volkswagens oberster Qualitätssicherer Frank Tuch führte aus, dass die Kettenschäden beim 1.4 TSI durch "sich addierende Fertigungstoleranzen bei der Steuerkette" entstanden seien. Genauer: Der Zulieferer der Kette hatte seine Stanzwerkzeuge über die Verschleißgrenze hinaus verwendet, sodass sie die Löcher in den Kettenlaschen nicht mehr präzise genug stanzten und winzige Grate am Stahl verblieben. "Späne und Grate sorgten dann für einen abrasiven Verschleißeintrag", so Tuch.
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"Wir haben kein Serienproblem": Frank Tuch von VW (rechts) erklärt AUTO BILD-Chef Bernd Wieland seinen Standpunkt.

Folge: Die Kette leiert aus. Von einem Serienfehler könne jedoch keine Rede sein, die Fallzahlen bewegten sich im "niedrigen dreistelligen Bereich" – bei knapp zwei Millionen auf den Straßen befindlichen 1.4-TSI-Motoren. Inzwischen habe man die Fertigung beim Zulieferer optimiert. Seit wann die Ketten fehlerfrei vom Band laufen, wollte VW nicht verraten. Neben diesem Fertigungsproblem könne auch das Fahrverhalten entscheidend sein: Autos, die im "Brötchenholerprofil" bewegt würden, also überwiegend im Kurzstreckenbetrieb, seien von gelängten Steuerketten überproportional betroffen. So führten viele Anlassvorgänge oder das Abwürgen des Motors zu einer besonderen Belastung der Kette.
Welche Rolle spielt das Öl beim TSI-Problem?
Mit Technischen Produktinformationen (TPI) informiert VW seine Werkstätten über spezielle Reparaturen. AUTO BILD liegt TPI 2020427/3 vor, die sich mit gelängten Steuerketten
beim Tiguan befasst (1.4 TSI mit 150 PS). Ist dessen Steuerkette gelängt, schreibt die TPI vor, dass neben Kette und Spanner weitere Teile zu erneuern sind. So erhält eine
Ölleitung am Turbolader einen Hitzeschild aus Metall. Der Ansaugrüssel der Ölpumpe wird einschließlich Sieb getauscht. Der Hitzeschild spricht für eine zu hohe thermische Belastung der Ölleitung, das offensichtlich verschlammte Sieb für verbrauchtes Motoröl. Den Zusammenhang mit gelängten Steuerketten konnten die VW-Ingenieure nicht erklären.
Dass in ihrem Auto eine mangelhafte Steuerkette läuft, können TSI-Fahrer erst feststellen, wenn der Schaden schon da ist. Eine Eingrenzung des Problems auf bestimmte Chargen oder Produktionszeiträume sei nicht möglich, sagt VW. Umso wichtiger sei es, dass der Kunde beim ersten Alarmsignal, also einer brennenden Motorkontrollleuchte oder bei außergewöhnlichen Rasselgeräuschen, möglichst schnell die Werkstatt aufsuche.

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Nach nur 47.000 Kilometern sprang beim VW Touran von Johannes Vössing die Steuerkette über. Die Reparatur kostete 6200 Euro.

Die Steuerkettenprobleme der TSI-Motoren mit 1,2, 1,8 und 2,0 Liter Hubraum haben laut VW andere Ursachen. Beim 1.2 TSI änderte VW bereits kurz nach Serienstart den Steuerkastendeckel. Er erhielt eine nasenförmige Ausbuchtung, die ein Überspringen der Kette verhindern sollte. Außerdem tauschte VW im Rahmen der Serviceaktion 15D8 bei rund 5000 Autos Steuerkette und Kettenspanner durch eine verbesserte Version. 1,8- und 2,0-Liter-TSI ("Triple-8-Motor" EA888, z.B. im Golf GTI) seien bei VW von Steuerkettenproblemen nicht betroffen. Die entsprechenden Maßnahmen, die Audi und Skoda bei A3 und Octavia durchführten, betrafen das Rückhalteventil des Nockenwellenverstellers, der beim Golf GTI anders ausgeführt sei.

Zum AUTO BILD-Kummerkasten

VW-Sprecher Peter Heinz Thul versicherte, man werde alles tun, damit sich Kunden nicht beim AUTO BILD-Kummerkasten melden müssen. Daher werde zurzeit die Kulanzregelung noch einmal überprüft (aktuell: bis drei Jahre/100.000 Kilometer volle Kulanz, danach bis sechs Jahre/200.000 Kilometer anteilig). Fragen bleiben trotzdem offen. AUTO BILD stieß auf eine "Technische Produktinformation", welche die Steuerkettenschäden in einen neuen Zusammenhang rückt: Auch das Öl spielt anscheinend eine Rolle. Bis Redaktionsschluss blieb Volkswagen dafür eine Erklärung schuldig. AUTO BILD wird weiter darüber berichten.
Autor:

Frank Rosin

Fazit

Stanzgrate an Kettengliedern, entstanden durch überstrapazierte Stanzstempel. Das klingt nach einem Zulieferer, der seine Produktionskosten so weit senken musste, dass er die Qualität nicht mehr halten konnte. Die Zeche zahlt zurzeit der Kunde. Der sitzt auf einer Zeitbombe. Und wenn die hochgeht, wird es teuer. Sollte es, wie VW behauptet, wirklich nur wenige Hundert Fälle geben, dann heißt die einzig saubere Lösung: volle Kulanz für alle! Die Kosten wären überschaubar, und das Thema Steuerketten wäre ein für alle Mal vom Tisch.

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